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Brandenburg/Havel Krause wird ein Brandenburger
Lokales Brandenburg/Havel Krause wird ein Brandenburger
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00:18 08.11.2013
Öl aus Müll, Öl aus Stroh, daran arbeitet der frühere Minister Günther Krause in Kirchmöser. Quelle: Maloszyk
Brandenburg an der Havel

Die Stadt bekommt noch in diesem Jahr einen prominenten Neubürger. "Wir werden unseren Hauptwohnsitz in Kirchmöser nehmen", sagt Günther Krause (CDU), einst Bundesverkehrsminister und an Helmut Kohls Seite einer der Väter des deutschen Einheitsvertrags. Den Hauptsitz seiner Firma IBP hatte der Unternehmensberater bereits vor knapp zwei Jahren von Mecklenburg-Vorpommern in die Villa in der Brandenburger Allee in Kirchmöser verlegt. Krause und seine Frau möchten die andauernde Pendelei beenden.

Vor etwa fünf Jahren war der frühere Bundesminister in den Brandenburger Ortsteil gekommen und hatte dort eine Zweigniederlassung seiner Unternehmensberatung IBP geschaffen. Auch wenn sich seine Pläne für einen Technologiestandort Kirchmöser nicht umsetzen ließen und er dafür nach Spanien ausgewichen ist, möchte der Professor weiterhin von Kirchmöser aus technologische Ideen aufgreifen und ihre Entwicklung als Unternehmensberater bis zur Produktionsreife fördern und begleiten. "Ohne Fördermittel", wie er immer wieder betont. "Viele neue Techniken leiden nach seinen Worten darunter, dass etablierte Firmen mit ihrer Marktmacht Altes festigen und so den Wettbewerb nur bedingt zuließen. Er suche dann Wege, um dennoch zum Erfolg zu kommen

60 Projekte seien inzwischen bereits abgeschlossen. Zu seinen aktuellen Vorhaben gehört die Entwicklung anorganischer Reinigungsmittel, die organische Verunreinigungen ohne Rückstände beseitigen. Krause: Sie entziehen Viren und Bakterien den Nährboden. Der Professor hält diese Technologie langfristig für einen Weg, gefährliche Krankenhauskeime wirkungsvoll zu bekämpfen. Als Prototyp hält er ein paar Fläschchen eines anorganischen Brillenreinigungsmittels bereit.

Wegen Insolvenz verschoben, wegen Geldmangels geplatzt

  • Stroh zu Öl : Eigentlich sollte die Firma Bio Rohöl inzwischen mit 40 bis 50 Beschäftigten im Vier-Schicht-Betrieb Reaktoren in der Signalstraße 9 in Kirchmöser vorfertigen und endmontieren, um damit aus Hausmüll, Klärschlamm oder Stroh Rohöl zu gewinnen.
  • Den geplanten Betrieb gibt es jedoch nicht, weil die damaligen Manager gegen seinen Rat nur auf Vertrieb und Lizenzen gesetzt hätten und damit gescheitert und in die Insolvenz gegangen seien, erklärt Krause. Doch einen Probereaktor gebe es in Magdeburg. Sein Unternehmen IBP habe mit der Firma Relux inzwischen die Rechte erworben und verfolge das Projekt weiter. Der Standort Kirchmöser sei allerdings gestorben, nun kämen dafür Erfurt oder Berlin in Frage.
  • Die auf Feuerlöschtechnik spezialisierte Firma „Ifex Technologies“ aus Niedersachsen wollte die Produktion nach Kirchmöser verlagern. Dafür sollte der von Krause vermittelte Lord Peters 2009 die benötigten Millionen bereitstellen. Das Vorhaben platzte laut Krause, weil der Engländer ein Opfer der Finanzkrise geworden sei und den größten Teil seines Geldes verloren habe. Den Rest beanspruche die junge Ehefrau.

Nahe der spanischen Stadt Alicante will der Ex-Politiker eine andere Technik mit einer Pilotanlage vorantreiben. Nach seinen Worten könnten jährlich 12000 Tonnen Algenabfall aus dem Mittelmeer sowie auch Palmenblätter und Elefantengras mit Verölungstechnologien in Erdöl umgewandelt werden. Dort will Krause außerdem ein "Ausbildungszentrum Europa" aufbauen, das er gern in Kirchmöser verwirklicht hätte. Doch die Stadtverwaltung habe ihm nicht das dortige Klinikgebäude und Klubhaus der Eisenbahner verkaufen wollen, weil sie dort touristische Vermarktung anstrebt. Krause hält das für verkehrt, weil Kirchmöser doch seit Jahrzehnten eine Technologieinsel sei.

Schon seit 2008 arbeitet der Ex-Minister an einem technischen Verfahren, bei dem aus Hausmüll, Stroh und Klärschlamm Rohöl gewonnen wird (s. Info-Kasten). "Über die Fortschritte des Biomasseprojektes, von denen Sie berichten, habe ich mich sehr gefreut", schrieb Bundeskanzlerin Angela Merkel dazu dem ehemaligen Politikerkollegen, der sie in der Wendezeit als Pressesprecherin eingestellt hatte. Die beiden CDU-Parteifreunde duzen sich und stehen gelegentlich in Kontakt. Wenn Krause nach Brandenburg zieht, weiß er aber noch nicht, wie die Brandenburger Christdemokraten ihn aufnehmen werden.

Von Jürgen Lauterbach

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