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Kreis sucht Platz für junge Flüchtlinge

Ohne Eltern nach Potsdam-Mittelmark Kreis sucht Platz für junge Flüchtlinge

Nach Potsdam-Mittelmark kommen immer mehr junge Flüchtlinge, die Deutschland ohne ihre Eltern erreicht haben. Derzeit leben rund 70 minderjährige und unbegleitete Kinder und Jugendliche im Kreis. In diesem Jahr soll sich ihre Zahl deutlich erhöhen. Doch die Kapazitäten müssen erst geschaffen werden.

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Rund 30 jugendliche Flüchtlinge sind derzeit im einstigen Lehniner Jugendheim untergebracht. Um die Integration der Ankömmlinge bemühen sich auch Gleichaltrige vom SV Kloster.

Quelle: Christine Lummert

Mittelmark. Sie sind nach eigenen Angaben noch keine 18. Deutschland haben sie in Gruppen und ohne Eltern erreicht. Im Landkreis leben derzeit über 70 „unbegleitete minderjährige Ausländer“ – kurz UMA, wie es im Fachjargon heißt. Die meisten von ihnen haben bisher in der Gemeinde Kloster Lehnin eine vorübergehende Unterkunft gefunden. Für die Träger und den Landkreis bedeutet diese Gruppe absolutes Neuland in Organisation und Betreuung.

„Die Unterbringung weiterer Kinder und Jugendlicher bleibt für Potsdam-Mittelmark auch im neuen Jahr eine große Herausforderung“, sagte Jugendamtsleiter Bodo Rudolph am Montagabend vor dem Bildungsausschuss des Kreistages. Laut einer Prognose muss sich der Landkreis 2016 auf über 200 weitere minderjährige Flüchtlinge ohne Eltern einstellen. Im Moment gibt es allerdings eine kurze Atempause. Die für den 15. Januar durch das Bundesverwaltungsamt angekündigte Zuweisung ist nicht erfolgt. Die Behörde nutzte Möglichkeiten in anderen Landkreisen.

Früher nur in Städten

Unbegleitete minderjährige Jugendliche gab es auch schon in den zurückliegenden Jahren. Doch ihr Ziel waren vorrangig große deutsche Städte. Sie tauchten im Landkreis nur hin und wieder auf, insbesondere dann, wenn sie durch die Polizei aufgegriffen wurden.

Das Verfahren zur Verteilung in Deutschland ist gesetzlich geregelt. Ebenso die vorläufige Inobhutnahme, das Verfahren zur Altersfeststellung und die örtliche Zuständigkeit. Täglich bis 10 Uhr muss der Landkreis dem Bundesverwaltungsamt die Statistik über die minderjährigen Ausländer übermitteln.

Pro betreuten Jugendlichen erhält der Kreis vom Land einen Pauschalbetrag von 200 Euro im Monat. Dazu kommen Mittel für die Planung und Organisation sowie für Jugendhilfeleistungen in den Einrichtungen.

Problem: Anders als in anderen Teilen Deutschlands gibt es in Potsdam-Mittelmark keine Überkapazitäten in bestehenden Kinder- und Jugendheimen. „Alle Plätze müssen neu geschaffen werden“, gab Jugendamtsleiter Rudolph zu bedenken. Bereits reaktiviert wurde das einstige Jugendheim in Lehnin. Auch das frühere Kinder -und Jugendheim in Damsdorf hat junge Flüchtlinge aufgenommen. Vor wenigen Tagen unterzeichnete der Landkreis einen Mietvertrag für ein ehemaliges Hotel in Caputh.

Neue Stellen eingerichtet

Der Landkreis hat mit zwei neuen Sozialarbeiter-Stellen und zwei zusätzlichen Vormündern auf den Zustrom junger Flüchtlinge reagiert. Träger von Jugendhilfeeinrichtungen würden sich eher zurückhaltend verhalten. „Der Aufbau zusätzlicher Kapazitäten ist mit Investitionen verbunden. Wenn die Zuweisungen ausbleiben, könnten die Ausgaben für die Träger zum Problem werden. Denn eine Kostenerstattung erfolgt erst bei tatsächlicher Belegung“, berichtete Rudolph.

Wie Sozial-Fachbereichsleiter Thomas Schulz mitteilte, zählen die minderjährigen unbegleiteten Ausländer nicht zum regulären Asylbewerberkontingent, dass im neuen Jahr wohl bei rund 1500 Flüchtlingen liegen dürfte. Nicht alle hält es in ihrem Übergangsquartiert, wo sie Deutschunterricht erhalten und erste Schritte zur Integration erleben. So hätten über den Jahreswechsel mehrere Jugendliche die Lehniner Einrichtung mit unbekannten Ziel verlassen, informierte Jugendamtsleiter Rudolph. Er gehe davon aus, dass die Masse der Jugendlichen auch in Zukunft in Gemeinschaftsquartieren untergebracht werden. „Die meisten 16- bis 17-jährigen kommen in Gruppen und wollen in ihren Gruppen bleiben. Die allerwenigsten von ihnen passen in Pflegefamilien“, sagte Rudolph den Abgeordneten im Bildungsausschuss.

Schnelle Perspektive nötig

Stehen zunächst Fragen der Unterbringung im Mittelpunkt der Bemühungen, richtet sich das Augenmerk der Behörden auch auf die Zukunft der jungen Menschen. Noch gebe es keinen ausgefeilten Plan, räumte der Jugendamtsleiter auf Nachfrage der Abgeordneten Petra Stiehl (SPD) ein. Doch die jungen Leute bräuchten schnell eine Perspektive, zu der unter anderem eine Berufsorientierung gehöre, so Rudolph. Im Jahresverlauf wird etwa die Hälfte der 2015 aufgenommen Jugendlichen volljährig.

Von Frank Bürstenbinder

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