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Brandenburg/Havel Kriegsgefangene: Eingepfercht am Quenzsee
Lokales Brandenburg/Havel Kriegsgefangene: Eingepfercht am Quenzsee
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07:55 26.03.2018
Erster Weltkrieg: Eine Ansichtskarte zeigt Ausschnitte aus dem Alltag der Insassen  im Kriegsgefangenenlager Brandenburg an der Havel am Quenzsee Quelle: Frank Brekow
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Brandenburg/H

Bereits während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 wurden französische Kriegsgefangene in Brandenburg interniert. Bis 1873 arbeiteten die Franzosen hier im Straßenbau oder bei der Anlage des Emster-Kanals. Von den etwa 300 in Brandenburg untergebrachten Gefangenen starben mindestens zwei und wurden auf dem Nikolaifriedhof beerdigt.

Bereits in den ersten Monaten des Ersten Weltkriegs gerieten sehr viele feindliche Soldaten, vor allem Russen, in deutsche Kriegsgefangenschaft. Zur Unterbringung dieser Gefangenen entstanden in Deutschland mehr als 120 Lager. Im Herbst 1914 richtete man in einer früheren Ziegelei am Quenzsee ein großes Lager ein.

Vortrag im Bürgerhaus Altstadt

Mit „Kriegsgefangene in Brandenburg an der Havel“ befasst sich Frank Brekow in einem Vortrag vor dem Arbeitskreis Stadtgeschichte.

Der für alle Interessierten öffentliche Vortrag findet am 11. April im Bürgerhaus Altstadt in der Brandenburger Bäckerstraße 14 statt.

Beginn ist um 18.30 Uhr.

Dazu wurden die alten Trockenschuppen rundum verkleidet. Bis zum Winter 1914/15 bauten die Kriegsgefangenen weitere Baracken für jeweils etwa 250 Gefangene. Zeitweilig waren im Frühjahr 1915 bis zu 14 000 Gefangene interniert. Die normale Belegung schwankte aber zwischen 9500 und 11 000 Gefangene.

Die Kriegsgefangenen arbeiteten in Betrieben, in der Pulverfabrik Plaue, bei Hansa-Brandenburg, im Artilleriedepot oder in der Landwirtschaft. Während des Krieges waren im Lager Russen, Franzosen, Briten, Belgier, Italiener, Japaner, Dänen, Spanier, Portugiesen, Griechen, Serben, Brasilianer und US-Amerikaner interniert. Darunter waren auch Zivilisten, unter anderem etwa 300 britische Seeleute von Handelsschiffen.

Im Ersten Weltkrieg saßen im Kriegsgefangenenlager in Brandenburg an der Havel am Quenzsee unter anderem zahlreiche Briten. Quelle: Frank Brekow

Mindestens 948 Gefangene starben während ihres Aufenthaltes im Lager an Krankheiten, wurden bei Fluchtversuchen erschossen, ertranken beim Baden oder begingen Suizid. Die Toten wurden auf einem besonderen Friedhof, der sich südlich des Lagers befand, beigesetzt. Der Friedhof wurde 1943 eingeebnet, als der Arado-Flugplatz erweitert worden ist.

Ab 1939 waren erneut Kriegsgefangene in Brandenburger Lagern interniert. In mindestens zehn Lagern waren zwischen 1200 und 3000 Franzosen, Polen und Russen untergebracht. Sie arbeiteten bei Arado, im Stahlwerk, bei Wiemann, Motz & Co, bei Brennabor, in der Fallschirmfabrik, in Versorgungseinrichtungen der Wehrmacht oder bei der Stadtverwaltung, unter anderem bei der Straßenreinigung, auf dem Bauhof oder ab 1944 bei der Beseitigung von Bombenschäden.

Kriegsgefangene waren im Ersten Weltkrieg in Brandenburg an der Havel in einem Lager am Quenzsee untergebracht. Quelle: Repro: Sammlung Hesse

113 kriegsgefangene alliierte Flieger kamen am 31. März 1945 um, als ihr Lazarett in der Augusta-Schule von amerikanischen Bomben zerstört wurde. Bei Kriegsende befreiten die sowjetischen Truppen etwa 1000 Kriegsgefangene aus der UdSSR. Diese Männer wurden oftmals sofort in die Kampftruppen eingereiht, während gefangene Franzosen und Italiener wieder schnell in ihre Heimatländer zogen.

Mitte Mai 1945 wurden mehr als 14 000 kriegsgefangene deutsche Soldaten, die an der Elbe von den Amerikanern an die Rote Armee übergeben worden waren, im Quenzlager interniert. Bis September 1945 wurden einige tausend von ihnen entlassen, während die weitaus größere Zahl in die UdSSR gebracht wurde.

Das Kriegsgefangenenlager Groß-Wusterwitz (Erster Weltkrieg) war laut Wusterwitzer Chronik westlich der heutigen Walther-Rathenau-Straße zwischen der Kanalstraße und der August-Bebel-Straße errichtet worden. Quelle: Sammlung Hesse

Erste Demontagen im Stahlwerk und bei Arado wurden durch deutsche Kriegsgefangene ausgeführt. Von Mai 1945 bis Herbst 1947 internierte die sowjetische Armee eigene Überläufer im Zuchthaus Brandenburg-Görden.

Noch bis Sommer 1948 bestand in der Landesanstalt Görden das Repatriierungslager 226. Hier wurden insgesamt mehr als 600 000 sowjetische Staatsbürger, darunter auch viele befreite Kriegsgefangene, überprüft und in die Sowjetunion zurückgebracht.

Es kann geschätzt werden, dass von den Napoleonischen Kriegen 1806 bis 1948 weit mehr als 150 000 Männer aus mindestens 20 Ländern als Kriegsgefangene in Brandenburg interniert waren.

Von Frank Brekow

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