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Brandenburg/Havel Künstler, Forscher, Museumschef: Abschied von Günter Weigelt
Lokales Brandenburg/Havel Künstler, Forscher, Museumschef: Abschied von Günter Weigelt
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14:15 13.03.2019
Günter Weigelt (1924-2019) auf einem Foto aus dem Jahr 2015. Im Hintergrund sind zwei Stadtansichten von Konrad Knebel zu erkennen, die er Anfang der 1980er-Jahre für das Museum in Auftrag gegeben hatte. Quelle: privat
Brandenburg/H

Günter Weigelt, Jahrgang 1924, ist am 23. Februar dieses Jahres verstorben. Er prägte über drei Jahrzehnte entscheidend die Entwicklung des Brandenburger Heimatmuseums mit, bis er 1986 in den Ruhestand ging. Auch danach zeigte er jahrelang noch reges Interesse am Museumsgeschehen, in und außerhalb Brandenburgs.

Günter Weigelt war ein vielseitig interessierter und begabter Mensch. Zunächst absolvierte er eine Ausbildung als Metallflugzeugbauer in den Arado-Flugzeugwerken in Brandenburg. Als Soldat musste er in den Krieg ziehen und kehrte als Kriegsbeschädigter 1945 nach Brandenburg zurück.

Schon frühzeitig zeigten sich seine besonderen künstlerischen Neigungen. Er beschäftigte sich mit dem Zeichnen und Modellieren und war 1941 und 1942 sowie in der Nachkriegszeit Schüler der Wredowschen Zeichenschule.

Ausbildung zum Steinbildhauer in Werder

Seine Begabung und sein Interesse ließen ihn von 1946 bis 1948 in Werder (Havel) eine Ausbildung als Steinbildhauer durchlaufen. Danach arbeitete er fünf Jahre als Steinmetz, Grafiker im Brandenburger Traktorenwerk und Dekorateur. 1954 wurde Günter Weigelt zum Leiter des Heimatmuseums Brandenburg berufen. Neben der Leitertätigkeit absolvierte er von 1955 bis 1959 ein Fernstudium der Museologie an der Fachschule in Köthen/Weißenfels.

Als Günter Weigelt aus gesundheitlichen Gründen 1966 seine Funktion als Museumsleiter aufgab, widmete er sich seitdem mit Engagement vorrangig der museologisch-wissenschaftlichen Arbeit im Museum. Die Museumsarbeit war ihm ans Herz gewachsen, wie die Stadträtin für Kultur, Gisela Rankewitz, 1966 resümierte, als Günter Weigelt in die zweite Reihe zurücktrat.

Ausbau der Kunstsammlung vorangetrieben

Es blieb ihm nun mehr Zeit, sich der eigentlichen Museumsarbeit zu widmen. Er ordnete die Museumsbestände, inventarisierte erstmalig die kulturgeschichtlichen Sammlungen systematisch und legte ein besonderes Augenmerk auf den Ausbau der Kunstsammlung, der stadtgeschichtlichen Sammlungen und verantwortete den Aufbau der Fotosammlung.

Günter Weigelt kümmerte sich um die baulichen und technischen Belange des Museums und zeichnete verantwortlich für die Erarbeitung und Gestaltung von Kunst-und Geschichtsausstellungen.

Er erarbeitete unter anderem Dauerausstellungen zur Zeit des Absolutismus und zur Brandenburger Industriegeschichte und gab so dem Heimatmuseum ein neues Gepräge.

Mitarbeit am Brandenburger Kulturspiegel

Besonders am Herzen lag ihm auch immer die Vermittlungsarbeit über die Wredowsche Kunstsammlung. In fast 70 Artikeln, die von 1960 bis 1985 im „Brandenburger Kulturspiegel“ erschienen, bearbeitete Günter Weigelt Themen zur Politik, zur Arbeiterbewegung, zur Industrie Brandenburgs, zu Bauten und Parkanlagen, zu kulturgeschichtlichen Themen oder zu Künstlern. Die meisten Inhalte resultierten aus den Vorhaben im Museum, aber nicht nur.

Zweimal war er Mitverfasser des Brandenburger Stadtführers, der 1977 als Band 1 und 1986 als Band 5 der „Brandenburger Museumsblätter“ herausgegeben wurde. Auch später Ruhestand äußerte er sich einige Male in der Öffentlichkeit, meist kritisch, zu Belangen im Stadtgeschehen. Auch in seinem Berufsleben war er immer sehr kritisch. Er arbeitete viel, zielstrebig und genau.

Leidenschaftlicher Maler und Zeichner

Seit 1984 widmete sich Günter Weigelt außerhalb der Museumsarbeit verstärkt seinen künstlerischen Interessen. Seine Leidenschaft galt vor allem dem Malen und Zeichnen. Unzählige Landschaftsbilder mit Motiven aus Brandenburg an der Havel und seiner Umgebung entstanden. Nach der Wende ging er erstmalig mit seinen Arbeiten auch in die Öffentlichkeit.

Mehrfach beteiligte sich Günter Weigelt an der freien Kunstausstellung Off Art, organisierte Personalausstellungen in der Galerie Sonnensegel in Brandenburg, aber auch in Galerien in Rathenow und Ludwigsfelde.

Neben dem Zeichnen in freier Natur zeigte er eine große Leidenschaft beim Entwerfen und Gestalten von Medaillen. Es entstanden Medaillen zu unterschiedlichsten Themen, unter anderem zur Ehrung von Martin Luther, zum Oberbürgermeister Franz Ziegler, zur Euthanasie, zum Gedenken an die Befreiung des Brandenburger Zuchthauses 1945, zum Bauvorhaben Zentrumsring West, aber auch zum 1050- jährigen Jubiläum Brandenburgs, zum Umweltschutz oder zu alltäglichen Dingen des Lebens. Die sich seit 1991 im Museum befindenden Abgüsse, Formen und Medaillen legen Zeugnis davon ab.

Mit ruhiger Hand und feinem Strich

Mit ruhiger Hand und feinem Strich und trotz des schwindenden Sehvermögens illustrierte er auch später seine selbst verfassten Gedichte, die er in einer Kleinstauflage selbst veröffentlichte und Verwandten und guten Bekannten verschenkte.

Durch persönliche Kontakte ist die Verbindung von Günter Weigelt zum Museum nie abgebrochen. Gern erinnern sich ehemalige Kolleginnen und Kollegen auch noch an die Zusammenkunft aus Anlass des 90. Geburtstages des nun Verstorbenen im Museum im Jahr 2014. Dieses Treffen hatte Günter Weigelt sichtlich positiv berührt.

Die Erinnerung an ihn wird uns somit noch intensiver im Gedächtnis bleiben. Vor allem sind heute noch auf allen Ebenen der Museumsarbeit die Spuren seiner nachhaltigen Tätigkeit erkennbar.

Heike Köhler arbeitet im Brandenburger Stadtmuseum. Katharina Kreschel war dort bis zu ihrer Pensionierung tätig.

Von Heike Köhler und Katharina Kreschel

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