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Kützkow: Bei Sturm herrscht Lebensgefahr

Posse um eine Pappel Kützkow: Bei Sturm herrscht Lebensgefahr

Eine mächtige Pappel am Kützkower Havelufer (Potsdam-Mittelmark) hat ein Tauziehen über Zuständigkeiten ausgelöst. Seit einem Grenztermin steht fest, dass der Baum zu DDR-Zeiten auf einem kommunalen Flurstück gepflanzt wurde. Der Stamm befindet sich mit einem kleineren Teil auf Privatland. Vor der Wende sollte die Pappel einem bestimmten Zweck dienen.

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Siegfried und Emmi Neumann vor der Kützkower Monsterpappel.

Quelle: F. Bürstenbinder

Kützkow. Es ist die wohl mächtigste Pappel am Kützkower Havelufer. Über 30 Meter hoch. Und mit Ästen so dick, wie ein Baum. Nur der Efeu nimmt es mit dem Riesen auf. Der gewaltige Stamm, den mehrere Männer umfassen können, ist unter dem Blattwerk der Kletterpflanze verschwunden. Doch leider bereitet das Prachtstück Probleme, die für das Alter dieser Art nicht ungewöhnlich sind.

Bange Blicke richten sich bei jedem Sturmtief auf die ausladende Kronenpartie. Im schlimmsten Fall könnten Teile davon die Wohnbebauung von drei anliegende Ufergrundstücken treffen. Direkt bedroht sind Emmi und Siegfried Neumann (72) in der Schulstraße. „Jedes Jahr wirft die Pappel Windbruch und Totholz ab. Bis jetzt ist alles gut gegangen. Wir sammeln die Äste weg. Aber wenn es mal richtig kracht, dann gibt es mehr als Kleinholz. So weit muss es doch nicht kommen“, sorgt sich das Rentnerpaar.

Die Kützkower Pappel ist weit verzweigt

Die Kützkower Pappel ist weit verzweigt.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Die Kützkower Monster-Pappel sorgte auf der jüngsten Stadtverordnetenversammlung von Havelsee für Zündstoff. Auch Nachbarn machen mobil. Denn seit Monaten gibt es ein Tauziehen darüber, wer denn in diesem Fall für die Gefahrenabwehr zuständig ist. Neumanns zum Wasser gelegener Hausgarten stößt an ein kommunales Flurstück, dass sich die Uferzone entlangzieht. Problem: So ziemlich genau auf dieser Grundstücksgrenze hat sich der Baum breit gemacht. Die Kommune wollte die Eigentumsverhältnisse an der Pappel genauer wissen. Denn es geht um einige tausend Euro, die eine Fällung wohl kosten würde.

Fällung würde teuer werden

Das Ergebnis steht seit dieser Woche fest. Im Rahmen einer Grenzanzeige hat das Vermessungsbüro von Andreas Kochmann Folgendes festgestellt: Mit 1,39 Meter befindet sich der Stamm auf kommunaler Seite. Die restlichen 51 Zentimeter erstrecken sich auf das Neumannsche Grundstück. Grundlage für diese Zahlen sind freigelegte Grenzsteine, die farblich markiert und mit Pfählchen gekennzeichnet wurden. Für die Stadt Havelsee nahm Amtsdirektor Guido Müller einen Lokaltermin am Havelufer wahr, um sich über die Situation zu informieren.

Es spricht also einiges dafür, dass der Baum einst auf Gemeindeland gepflanzt wurde, wie andere Pappeln in Kützkow auch. Havelsee-Bürgermeister Günter Noack sagte der MAZ: „Die Stadt kann die Leute mit dem Problem nicht allein lassen. Wir werden da etwas tun müssen.“ Ob mit dem privaten Grundstücksanlieger über eine Kostenbeteiligung verhandelt wird, ließ Noack offen. Für das Stadtoberhaupt fehlt ein Nachweis, ob die Kommune zu DDR-Zeiten tatsächlich in die Pflanzaktion involviert war.

Einst wohl auf Gemeindeland gepflanzt

Siegfried Neumann sieht jedenfalls nicht ein, dass er Geld für die Entfernung der Pappel bezahlen soll. Seine Version über die Geschichte des Baums: „Es war wohl Mitte der 1970-er Jahre, als die Pappeln auf staatliche Anordnung vor unseren Grundstücken gepflanzt wurden. Und zwar mit der Hoffnung, das Holz für die Papierverarbeitung nutzen zu können. Auf die Pflanzung hatten wir keinen Einfluss.“ Neumanns Frau Emmi wurde in dem Haus geboren. Sie erinnert sich: „Früher gab es hier gar keine Bäume. Jetzt ist dieses besondere Exemplar zu einer Gefahr für die Allgemeinheit geworden.“

Ob es eine direkte Verbindung zwischen den Kützkower Pappeln und einem im Dorf eingerichteten Betriebsferienheim gibt, lässt sich nicht mehr nachweisen. Es gehörte dem VEB Papierfabrik Heiligenstadt.

Von Frank Bürstenbinder

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