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Kultgaststätte „Waldkater“ wird Wohnhaus

Wusterwitz Kultgaststätte „Waldkater“ wird Wohnhaus

Die Wusterwitzer Kultgaststätte „Waldkater“ gibt es nicht mehr. Vor zehn Jahren wurde der Bierhahn zugedreht. Dafür baut sich heute eine junge Familie aus dem 1917 errichteten Gebäude ein neues Zuhause auf. Sogar ein echter Kater gehört dazu.

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Vera Stock mit ihrem Kater Waldi vor der einstigen Gaststätte „Waldkater“

Quelle: Frank Bürstenbinder

Wusterwitz. Er ist nicht nur ein echter Waldkater, weil er einsam und verlassen unter Kiefern gefunden wurde. Das ehemalige Heimtier Waldi lebt mit seinen Besitzern auf dem Gelände der früheren Kultgaststätte „Waldkater“ in der Rosa-Luxemburg-Straße. Dorthin hat es Vera Stock und ihren Lebensgefährten verschlagen. Das Paar will das zwischen 1915 und 1917 errichtete Gebäude wieder zu einem reinen Wohnhaus herrichten. Eine Mammutaufgabe für die neuen Eigentümer. Denn um modernen Ansprüchen zu genügen, müssen neue Grundrisse für die Zimmer her. „Wir nehmen Wände raus, ziehen neue Decken ein, reißen überflüssigen Trockenbau ab“, berichtet Vera Stock. Dass die Wusterwitzer schon immer feiern konnten, bewies das zahlreich unter alten Dielen entdeckte Konfetti.

Wechselvolle Geschichte

Eigentümer und Betreiber der Gaststätte waren von 1920 bis 1944 Rosa Franz, bis 1961 erst Sohn Erwin und dann der Enkel Günther Franz. Die Familie blieb im Besitz der Immobilie bis zum Verkauf an Peter Siegel vor der Wende.

Ab 1961/62 übernahm die Konsumgenossenschaft den Betrieb des „Waldkaters“ auf Pachtbasis. So blieb es bis 1981, als Wirtin Pauls Z’dun in den Ruhestand ging. Dann folgten Peter Siegel und Ehefrau Brigitte als nächste Konsum-Angestellte bis 1986. Mit dem Kauf des Hauses erfolgten zahlreiche Umbauarbeiten.

So wurde die Eingangstür durch zwei große Fenster ersetzt. Dafür ging es durch eine Seitentür in die Gaststube. Die Ornamentrahmen um die Fenster wurden ebenfalls erst in dieser Phase auf die Fassade gesetzt. 1999 gab es für acht Jahre eine Wiedereröffnung.

Die beiden Neu-Wusterwitzer bekamen schnell mit, welche legendäre Immobilie sie dem Vorbesitzer Peter Siegel abkauften. Dieser hatte die Gastwirtschaft auf halbem Weg nach Kirchmöser schon 2007 geschlossen und den Bierhahn für immer zugedreht. Dabei soll es auch bleiben. Auch wenn der „Waldkater“ nicht wirklich totzukriegen ist. „Sagen wir unsere offizielle Adresse, weiß niemand, wo wir wohnen. Doch bei Waldkater gibt es stets ein großes Hallo“, so Vera Stock. Das Grundstück stand 2016 im Internet zum Verkauf. Schon beim ersten Besuch bahnte sich der Eigentümerwechsel an. Einiges erinnerte damals noch an den langen Kneipenbetrieb, dem vor allem Arbeiter, Reichsbahner und ihre Familien schon lange vor dem Krieg zur Blüte verhalfen. Bis zum Abschluss der Umbauarbeiten wohnen die Eigentümer in dem kleinen Ferienhäuschen neben dem Hauptgebäude. Schritt für Schritt soll es auf der Baustelle vorangehen.

Der von Puppenvater Götze geschnitzte Waldkater steht heute im Wusterwitzer Heimatmuseum

Der von Puppenvater Götze geschnitzte Waldkater steht heute im Wusterwitzer Heimatmuseum.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Egal, wie die Fassade später aussehen wird, die Eigentümer sind sich einig, dass der Name „Waldkater“ auch in Zukunft an der Straßenfront zu lesen sein wird. Woher der Name eigentlich stammt, kann auch Marlies Gohlke vom Wusterwitzer Heimatverein nicht erklären. Sie hat wie über viele Themen im Ort auch über den „Waldkater“ eine Dokumentenmappe angelegt, in der auch Vera Stock mit Interesse blättert. Die neue Bewohnerin interessiert sich für das Vorleben des nicht nur bei Wusterwitzern bekannten Areals. Vielleicht war die Sache mit dem „Waldkater“ eine Schnapsidee, ausbaldowert von einer Stammtischrunde zu der auch der legendäre Puppenvater Wilhelm Götze gehörte. Das Wusterwitzer Original schnitzte den legendären Waldkater für die Wirtschaft, der heute im Heimatmuseum zu sehen ist.

Die Familie von Rosa Franz vor dem Eingang zum „Waldkater“

Die Familie von Rosa Franz vor dem Eingang zum „Waldkater“.

Quelle: privat

Fest steht, dass der „Waldkater“ fast 90 Jahre lang aus der Wusterwitzer Kneipenszene nicht wegzudenken war. Es gab den sonntäglichen Frühschoppen, Familien feierten Hochzeiten, Silvester wurde ins neue Jahr getanzt. Bei Wirtin Rosa Franz, die den Betrieb nach dem frühen Tod ihres Mannes 1923 übernahm, wurde Schultheiss aus der Wusterwitzer Brauerei-Niederlassung ausgeschenkt. Als Imbiss kam jahrzehntelang Kartoffelsalat und Bockwurst auf den Tisch. Am Anfang war das Haus in der damaligen Lynkerstraße tatsächlich fast nur von Wald umgeben. Ein Toilettentrakt wurde erst 1928/29 angebaut. Bis 1961 wurde der „Waldkater“ als Familienbetrieb fortgeführt. Dann übernahm die Konsumgenossenschaft die Gaststätte auf Pachtbasis.

Konsum-Gastwirtin Paula  Z’dun am Tresen des „Waldkaters“

Konsum-Gastwirtin Paula Z’dun am Tresen des „Waldkaters“.

Quelle: privat

Mit der als Leiterin eingesetzten Paula Z’dun begann eine neue Ära. Es kam schon mal vor, dass ihr Mann, der Trickradfahrer und Artist Paul Z’dun zu vorgerückter Stunde eine Vorstellung vor dem Tresen gab. Mit Erika Bröse und Lotte Bussacker standen der Chefin zwei Mitarbeiterinnen zur Seite. „Als Gast hat man sich wie in einer großen Familie geführt. Das machte wohl auch die Beliebtheit des Waldkaters aus“, erinnert sich Annemarie Braune vom Heimatverein. Und Jutta Kaprolat weiß noch wie schön es sich unter den schattenspendenden Linden beim Kaffee saß. Mit dem Ruhestand von Paula Z’dun 1981 folgten Peter Siegel und seine Ehefrau Brigitte als nächste Konsum-Angestellte bis 1986.

Sonntäglicher Frühschoppen mit Erwin Deissler am Akkordeon

Sonntäglicher Frühschoppen mit Erwin Deissler am Akkordeon.

Quelle: privat

Peter Siegel stand mit dem Kauf der Immobilie von Familie Franz noch vor der Wende für einen Neuanfang. Doch wegen vieler Umbauten kam es erst 1999 zur Neueröffnung. Im Oktober vor genau zehn Jahren schlossen sich die Türen der Gaststätte, die für Generationen ein zweites Zuhause war, für immer. Jetzt wird der „Waldkater“ zu einem Domizil für eine neue Familie samt echtem Waldkater.

 

Von Frank Bürstenbinder

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