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Kunsthalle Brennabor: Fotos von Franz Meiller

Brandenburg an der Havel Kunsthalle Brennabor: Fotos von Franz Meiller

Fotos von Franz Meiller sind in der Brandenburger Kunsthalle Brennabor zu sehen. Wer allerdings eine herkömmliche Fotoausstellung erwartet, ist womöglich enttäuscht. Dem sei jedoch vor allem die kleine, unscheinbare Hörstation angeraten. Sie ist eine Art Schlüssel, ein geheimes Tor in die Welt des Franz Meiller. Und die ist faszinierend.

 

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Besucher in der Ausstellung von Franz Meiller.

Quelle: Ina Schidlowski

Brandenburg/H. Gleich beginnt der offizielle Teil der Vernissage, immer mehr Gäste strömen in die Kunsthalle und der Hauptakteur, der Münchner Künstler Franz Meiller, ist schon wieder in seinem Element. Mit dem Smartphone in der Hand, macht er ein Foto von den zwei Frauen, die ganz versteckt in einer Ecke die Hörstation nutzen. „Ja, die Motive, sie springen mich an“, sagt der sympathische und nachdenkliche Mann.

Es hätte auch etwas anderes sein können, als das Medium Fotografie. Nun ist es eben das Foto, womit er das ausdrückt, was ihn bewegt, ihn umtreibt. Die Frage „Welche Kamera benutzen Sie“, kann er gar nicht leiden. „Wer so etwas fragt, hat meine Bilder nicht verstanden“, erklärt er.

Es ist das Gefühl dieses einen, ganz besonderen Moments, in dem so vieles gleichzeitig stattfindet, den er mit Hilfe der Fotografie einzufangen versucht. Da spielt die Technik nur eine zweitrangige Rolle. „Dieses Bild“, er deutet auf ein großes Schwarz-Weiß-Foto, das momentan auch an allen Litfaßsäulen in der Stadt auf seine Ausstellung „2polar“ hinweist , „habe ich aus dem Auto heraus mit dem Handy gemacht“.

Franz Meiller im Gespräch mit einer Besucherin

Franz Meiller im Gespräch mit einer Besucherin.

Quelle: Ina Schidlowski

Wer also eine herkömmliche Fotoausstellung erwartet, ist womöglich enttäuscht. Dem sei jedoch vor allem die kleine, unscheinbare Hörstation angeraten. Sie ist eine Art Schlüssel, ein geheimes Tor in die Welt des Franz Weiller.

Zu hören ist ein Essay von Malte Ubenauf. Der Regisseur und Dramaturg spricht von den Binnenräumen der Menschen und zitiert damit den Kunst- und Architekturphilosophen Franz-Xaver Baier.

„Der Lebensraum, in dem ein Mensch wohnt, sich bewegt und orientiert, ist für andere Menschen wesentlich unsichtbar. Wir sehen zwar die Leute, wie sie durch die Städte laufen. Aber wir sehen nicht, wie sie eingeräumt sind. Wir sehen nicht, was den Menschen erschlossen und verschlossen ist, was Bedeutung hat und was nicht. Wir sehen nicht die Raumkorridore und spezifischen Engpässe, die Stellen, die Angst machen und die Stellen, die wieder weiter machen. Kurz: Wir sehen nicht die Binnenräume der Menschen mit ihren persönlichen Landkarten und wir haben keinen unmittelbaren Zugang zu der Welt eines anderen“, erklärt Franz-Xaver Baier darin.

Und so bedeutet die Zuwendung zu den immens großen Fotos Franz Weillers auch ein Einlassen auf eine Zerrissenheit, auf eine „Unvereinbarkeit von Begriffen und Empfindungen“, wie der Laudator Ulrich Ptak es bei der Vernissage vor etwa 100 Gästen formuliert.

Weder arrangiert, noch nachträglich bearbeitet sind die Bilder, die gerade dadurch so gefangen nehmen. „Girl on moped“, Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon) 2016, ist ein gutes Beispiel. Unschärfen und scheinbar störende Elemente sind zu sehen und doch bleibt in der erstarrten Bewegung eine aufwühlend scharfe Nähe und die gleichzeitige Unnahbarkeit dieses Augenblicks erhalten.

Besucher in der Ausstellung von Franz Meiller

Besucher in der Ausstellung von Franz Meiller.

Quelle: Ina Schidlowski

Natürlich bedarf es auch einiger Technik, um ein Handyfoto zu einem Bild von zwei mal drei Meter umzuwandeln. Dafür hat Meiller den Fotografen und Bildbearbeiter Edzard Probst an seiner Seite.

Beide sind mit dem Ergebnis in der Brennabor-Kunsthalle sehr zufrieden. Probst, an diesem Abend natürlich auch mit Fotoapparat unterwegs, ist besonders von der Historie des Raumes angetan.

Franz Meiller ist froh, dass er auf zwei Meter an die riesigen Bilder herantreten und sie auch aus der Nähe spüren kann.

Die eigene, innere Zerrissenheit ist für den studierten Betriebswirt, der Marketingleiter eines mittelständischen Familienunternehmens und gleichzeitig Künstler ist, ein Zugewinn geworden. „Ich dachte immer, ich muss mich für einen Weg entscheiden“. Heute weiß er: „Eine Seite genügt mir nicht.“ Er verbindet beides miteinander.

Die Hörstation liefert Erklärungen zur Ausstellung

Die Hörstation liefert Erklärungen zur Ausstellung.

Quelle: Ina Schidlowski

Das Künstlerische lässt er ins Marketing mit einfließen und umgekehrt hilft er Künstlern sich mit Bilanzen auseinander zu setzen.

Christian Kneisel, Kurator der Ausstellung in Zusammenarbeit mit den Galerien Kampl München und Michael Schultz Berlin wird nicht müde, von Meiller und seiner Kunst zu schwärmen.

Die 75. Ausstellung sei es, sagt er und dass in der Brennabor-Kunsthalle sogar Künstler aus Paris und New York zu sehen waren.

Nun also Franz Meiller aus München. Von der Baustelle vor dem Brennaborhof sollte man sich nicht abschrecken lassen.

Die Kunsthalle ist über die Kirchhofstraße bequem zu erreichen und noch bis 9. Dezember geöffnet. Geschwister-Scholl-Straße 10-13 / Mittwoch bis Sonntag 13 -18 Uhr

Von Ina Schidlowski

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