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Brandenburg/Havel 5400 Euro Strafe für Günther Krause
Lokales Brandenburg/Havel 5400 Euro Strafe für Günther Krause
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19:02 27.03.2018
Günther Krause 2013 in seiner Firma in Brandenburg-Kirchmöser. Quelle: Volkmar Maloszyk
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Potsdam/Brandenburg/H

Die Hauptperson ist nicht erschienen am Dienstag im Saal 20 des Amtsgerichtes Potsdam. Dort ist der frühere Bundesverkehrsminister Günther Krause (64) angeklagt, weil er Arbeitsentgelt veruntreut, die Insolvenz seiner Firma IBP in Brandenburg/Havel verschleppt und sich des vorsätzlichen Bankrotts schuldig gemacht haben soll. In Abwesenheit wird Krause zu 5400 Euro Straße verurteilt.

Der einstige CDU-Politiker, der den deutschen Einheitsvertrag auf DDR-Seite mit ausgehandelt und mit unterzeichnet hat, leide an einer schweren Grippe und könne deshalb nicht an der Verhandlung teilnehmen, entschuldigt ihn sein Rechtsanwalt Peter-Michael Diestel, der ihn gemeinsam mit Dieter Schadewald vertritt.

Die Rechtsanwälte Peter-Michael Diestel und Dieter Schadewald haben Professor Günther Krause vor dem Amtsgericht Potsdam vertreten. Quelle: Jürgen Lauterbach

Nach gut zwanzig Minuten und einem intern geführten Rechtsgespräch ist das Verfahren schon beendet. Die Staatsanwältin beantragt, gegen Günther Krause einen Strafbefehl über 180 Tagessätze zu 30 Euro, also in der Summe zu 5400 Euro, zu erlassen. Amtsrichter Oliver Kramm folgt diesem Antrag.

Damit wären die Anklagepunkte vom Tisch, die sich auf die Geschäftsführertätigkeit Krauses in seiner insolventen Beraterfirma IBP beziehen. Der frühere Bundesverkehrsminister hatte sich vor genau zehn Jahren mit diesem Unternehmen in Kirchmöser niedergelassen und fünf Jahre später auch seinen Wohnsitz in der Villa in der Brandenburger Allee genommen.

Krankenkassen melden Insolvenz von Krauses Firma an

Im Frühjahr 2016 melden jedoch mehrere Krankenkassen und das Finanzamt die Insolvenz der IBP an, also nicht der Geschäftsführer Krause. Deshalb und weil er schon seit Januar 2015 Sozialbeiträge für seine Beschäftigten und zudem offenbar auch Steuern schuldig geblieben ist, klagt ihn die Staatsanwaltschaft Potsdam an. Veruntreuung von rund 7250 Euro Arbeitsentgelt in einem Zeitraum von fast anderthalb Jahren und Insolvenzverschleppung lauten zwei der drei Vorwürfe.

Trotz der Zahlungsunfähigkeit reicht der IBP-Geschäftsführer den geforderten Jahresabschluss für das Jahr 2014 nicht ein. Daher hat er sich zusätzlich des vorsätzlichen Bankrottes schuldig gemacht.

Bemerkenswert an dem aktuellen Verfahren ist, wie lange sich Krauses Unternehmen in Kirchmöser schon in einer Schieflage befindet, nämlich bereits seit Anfang 2015 – somit fast anderthalb Jahre vor der Insolvenzeröffnung. Seit Mai 2013 befindet sich der Ex-Minister zudem in Privatinsolvenz.

Aktien weisen einen Wert von mehr als einer Million Euro aus

Krauses großes Millionen-Trumpf-As in dem Verfahren scheint nicht zu stechen. Gleich nach der Insolvenz im Juni 2016, kündigt Günther Krause

Auch wenn ein Millionenbetrag auf dem Aktiendokument eingetragen ist: Nach Einschätzung des Insolvenzverwalters liegt der Wert bei 1 Euro. Quelle: Jürgen Lauterbach

an, das Problem binnen Wochen zu lösen und alle Schulden zu begleichen. Wie zum Beweis legt er ein Dokument vor, das ihn als Eigentümer von Aktien der Technologiefirma Neutrino im Wert von mehr als einer Million Euro ausweist.

Doch der Insolvenzverwalter taxiert den Wert des Aktienpakets noch immer lediglich auf 1 Euro. Ein solch mutmaßlich wertloses Aktiendokument, diesmal ausgestellt auf Krauses Ehefrau, hat der prominente Ex-Politiker auch dem Ehepaar als „Sicherheit“ überreicht, dessen Villa in Knüppeldamm (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) seine Ehefrau kaufte, ohne zu zahlen.

Angedrohter Räumungstermin ist der 10. April dieses Jahres

Wenn sie die 459 000 Euro Kaufpreis nicht bis zu diesem Dienstagabend bezahlt, muss das dort seit 2017 wohnende Ehepaar Krause das Landhaus mit Sauna und Pool bis zum 10. April räumen, hat das Landgericht Neubrandenburg am 27. Februar entschieden.

Es könnte also knapp werden. Denn, wie Krauses Rechtsanwalt Diestel im Gerichtsflur sagt: „Mein Mandant ist im Augenblick in einer Situation, in der er sehr viel bezahlen muss.“

Günther Krause hat zwei Wochen Zeit, den Strafbefehl vom Dienstag anzufechten. Sonst wäre er verurteilt und hätte erneut eine Vorstrafe. Krause nimmt den Strafbefehl an, versichert Diestel.

Von Jürgen Lauterbach

Sie ist erst 23 Jahre alt, als „Digital Native“ in allen sozialen Netzwerken unterwegs, spricht sechs Sprachen und studiert in Brüssel Marketing. Nun schriebt Aleksandra Grzeskowiak aus Polen ihre Bachelorarbeit über das Stadtmarketing von Brandenburg an der Havel.

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