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Brandenburg/Havel Azubi sucht Schlafstelle: OSZ-Fachklassen sind akut gefährdet
Lokales Brandenburg/Havel Azubi sucht Schlafstelle: OSZ-Fachklassen sind akut gefährdet
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09:13 29.01.2019
Die Azubis vom OSZ Reichstein sind sauer und unzufrieden mit den Möglichkeiten der Unterbringung und kämpfen für ein Wohnheim. Matthias Börner, Tobias Prill und Niclas Sturm sind Azubis und werden vom Vorsitzenden der Schulkonferenz Thomas Elmer (v.li.) dabei unterstützt. Quelle: Rüdiger Böhme
Brandenburg/H

Ein kommunal geführtes Lehrlingswohnheim wäre die Lösung des immer noch akuten Unterbringungsproblems für Auszubildende an den beiden Oberstufenzentren.

Die Stadt könne entweder selbst so ein Haus betreiben oder eine entsprechende Immobilie ausstatten und den OSZ zum Betrieb übertragen. Ein solcher Antrag soll spätestens Ende Februar von den Stadtverordneten entschieden werden. Bleibt nur die Frage, wer diesen Antrag trägt.

Bislang hat nur die SPD einen solchen Vorstoß gemacht. Bildungsausschuss-Vorsitzender Udo Geiseler hat bereits vor knapp zwei Wochen versucht, in dem Gremium für den Antrag zu werben.

„Ideal wäre gewesen, wenn fünf Stadtverordnete von SPD, Linken, Grünen, CDU und Freien Wählern gemeinsam unterschrieben hätten. Da könnte man auf eine breite Mehrheit hoffen.“ Weil Vertreter von CDU und FW aber zögerten, soll nun ein neuerlicher Versuch gestartet werden.

Ausbildung fürs ganze Land

Die Oberstufenzentren sichern in so genannten Landesfachklassen die Theorie-Ausbildung für Handwerks- und Industriebetriebe im ganze Land.

Am OSZ „Gebrüder Reichstein“ beispielsweise gibt es Klassen für Nutzfahrzeugbau, Metallbau, Karosserie- und Fahrzeugbau (Instandhaltung und Bautechnik), Schornsteinfeger, Zimmerer sowie in den Gewerken Wärme-, Kälte- und Schallschutz.

Die Auszubildenden kommen unter anderem aus Lychen, Nordhausen, Penkun, Perleberg, Pritzwalk, Protzen, Perleberg, Fürstenwalde, Müncheberg, Müllrose, Angermünde und Bad Freienwalde.

Das OSZ Alfred Flakowski hat als zweites Standbein noch die gymnasiale Oberstufe für die Stadt und die Region im 20-Kilometer-Radius.

Doch bleibt nicht unendlich viel Zeit, es droht ein Ultimatum des Bildungsministeriums. Wandern nämlich Lehrlinge in andere Bundesländer ab, sind nicht nur die so genannten Landesfachklassen, sondern ist irgendwann auch das ganze Oberstufenzentrum Gebrüder Reichstein in ihrer und seiner Existenz bedroht.

So sei es bereits geschehen, dass Karosserie- und Fahrzeugbauer lieber an die Siemensschule in Berlin gehen, weil dort die Rahmenbedingungen stimmen, erzählt Schulkonferenzchef Thomas Elmer, er lehrt am Reichstein-OSZ Metalltechnik und WiSo. „Wir brauchen Mindestklassenstärken von 14 Auszubildenden. Erreichen wir das nicht, beobachtet das Staatliche Schulamt ein Jahr lang, dann machen sie uns die Klasse zu.“ Die Schulkonferenz diene seit Monaten nur noch als Beschwerdestelle und Kummerkasten.

Im Kern geht es um bezahlbare und zumutbare Unterkünfte sowie um ein Spezifikum der Landesfachklassen: Die Auszubildenden haben immer zwei Wochen am Stück Theorie-Unterricht am OSZ, nur für diesen Zeitraum können sie anmieten.

Bislang war das möglich in der Caasi-Unterkunft in der Caasmannstraße. Dort gibt es gerade einen Betreiberwechsel, der neue Hausherr bietet nur noch Tages- und Monatsmieten, aber keine Kurzzeitpauschalen mehr an. Beides wäre für die Azubis aber zu teuer. Die Rede ist von 400 Euro Monatsmiete, bislang lag die Wochenmiete bei 65 Euro.

Industriemechaniker-Lehrling Tobias Prill hat Glück gehabt, er ergatterte ein WG-Zimmer bei der WG Stahl in der Thüringer Straße, zahlt für den ganzen Monat 160 Euro Pauschale, egal ob er da ist oder nicht. „Allein das Fahren mit dem Auto würde mich in den zwei Wochen 280 Euro kosten.“

Doch derlei WG-Zimmer gibt es nicht genügend. Ein Azubi nächtigt in einem kleinen Hotel für 143 Euro für jeweils fünf Nächte, nach Spremberg hätte er sonst jeweils dreieinhalb Stunden Fahrzeit.

Selbst scheinbar kurze Entfernungen sind ein Hindernis. Zimmerer-Azubi Matthias Börner wohnt in Rhinow, muss um 4.15 Uhr den Bus nach Rathenow nehmen, wartet dort mehr als eine Stunde auf den Zug um 6.09 Uhr, kommt am Altstadt-Bahnhof an und muss per Tram und zu Fuß irgendwie zum Neuendorfer Sand kommen. „Da bin ich nach dem zweiten Theorieblock schon müde und kaputt.“

Mehr als 100 Schüler haben ein Unterbringungsproblem, sagt Elmer. Es gehe ja nicht nur um die Landesfachklassen. Tobias Prills Firma will das Alleinstellungsmerkmal am „Reichstein“ nutzen, dass die Ausbildung zum Industriemechaniker auch mit der Fachrichtung Schienenfahrzeugtechnik gekoppelt werden kann.

Die Stadt sei nicht untätig, versichert Viola Cohnen vom Amt für Schule und Sport. So habe die WG Stahl in Gesprächen versichert, bei Bedarf mehr WG-Zimmer bereitzustellen, schließlich seien in der Thüringer Straße die oberen Geschosse ohnehin schwierig zu vermieten. Oberbürgermeister Steffen Scheller (CDU) führt derzeit Verhandlungen zu alternativen Unterkünften, möglicherweise auf dem Kasernenareal.

„Es gibt auch Anbieter wie das ,Caasi’, die vermieten wollen, wenn die Betriebe oder die Kommune als Mieter auftreten und dann an die Azubis untervermieten. Das wäre aber eine zusätzliche freiwillige Aufgabe, über die entschieden werden muss.“

Am Mittwoch soll es dazu bei Scheller ein Spitzengespräch mit Bildungsministerium und Staatlichem Schulamt geben. Eine Lösung könne in vier Wochen gefunden sein, „wir wurden von dem Problem erst Ende 2018 überrascht“, sagt Viola Cohnen.

Von André Wirsing

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