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Brandenburg/Havel Landfrauen klöppeln für ihr Leben gern
Lokales Brandenburg/Havel Landfrauen klöppeln für ihr Leben gern
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10:48 28.09.2016
Geschicklichkeit und Detailverliebtheit: Klöppeln ist eine anspruchsvolle Tätigkeit und will gelernt sein. Quelle: JACQUELINE STEINER
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Netzen

Klöppeln gegen Kummer. Fast nichts sei besser, um Trauerarbeit zu leisten und zu bewältigen. So sagt es Helga Hempel. Die promovierte Völkerrechtlerin und Netzener Landfrau bringt Interessierten das Klöppeln bei. Es ist die filigranste Handarbeit, die es gibt. Millimeterfein sind die so gefertigten Spitzen. Und weil sich die Klöpplerin dabei aufs höchste konzentrieren muss und an fast nichts anderes denken darf als an die hauchzarten Fäden in ihrer Hand, deswegen sei diese Handarbeit so gut zur Bewältigung von Kummer und Trauer. Auch Helga Hempel selbst hat es geholfen, als ihr Ehemann verstorben war, wieder neue Kraft nach dem schweren Verlust zu sammeln.

Fingerfertigkeit und Geduld für ein zartes Hobby

Klöppeln ist gut für das Gemüt, sagt die 80-Jährige. „Es schenkt so viel Freude, Spitze von eigener Hand zu fertigen“, sagt Helga Hempel. Sie erinnert sich an eine ihrer Schülerinnen: „Am Anfang zitterten ihre Hände noch von den Anstrengungen der seelischen Belastung. Doch dann kam die Freude über den Erfolg, die Freude an der eigenen Gestaltung. Das weckt wieder eine positive Lebenseinstellung.“

Helga Hempel (l.) zeigt Bärbel Thieleker im Landfrauen-Treff in Netzen die Kunst des Klöppelns. Quelle: JACQUELINE STEINER

Zwei Kurse bietet Helga Hempel im Netzener Treffpunkt der Landfrauen an. Derzeit hat sie vier Schülerinnen. Damit die sich nicht in Unkosten werfen müssen, bevor sie sicher sind, dass Klöppeln überhaupt etwas für sie ist, hat die gebürtige Babelsbergerin schon ein, zwei Ausrüstungen zum Probieren da. „Die Anschaffung ist erst sinnvoll, wenn man sagt, ich will das.“ 160 Euro kommen schnell zusammen, wer sich zehn Paar Klöppel, einen Klöppelständer und ein spezielles Kissen anschaffen möchte, um loslegen zu können. Im Berliner Nikolaiviertel hat sich Helga Hempel selbst die Ausrüstungen zugelegt.

So geht Klöppeln

Klöppeln ist eine Handarbeitstechnik, die ihren Ursprung im Italien des 16. Jahrhunderts hat.

Beim Klöppeln werden mittels spindelförmiger, meist aus Holz gefertigter Spulen und dem daran aufgewickelten Garn Spitzen gefertigt.

Die Herstellung der Handklöppelspitze beruht auf einem systematischen Wechsel von Verdrehen, Verkreuzen, Verknüpfen und Verschlingen von Fäden – und das im Mehrfachsystem.

Grundlage für die Fertigung einer jeden „echten Spitze“ bildet die Mustervorlage, der Klöppelbrief.

Dass sie schon etliche Landfrauen mit dem Spitzenvirus infiziert hat, hat Folgen. Seit mehreren Jahren schmücken die Netzener Landfrauen mit ihren Klöppelarbeiten in der Adventszeit den Weihnachtsbaum des Landratsamtes in Bad Belzig. Die hauchzarten weißen Gespinste aus Leinengarn in den Weihnachtstannen sind längst ein Brauchtum. Schon seit Monaten arbeitet Helga Hempel am Schmuck des diesjährigen Christbaums in der Kreisverwaltung.

Mit dem Garn umwickelt sind die Klöppel, auf dem speziellen Klöppelkissen ist mit Nadeln das Muster befestigt, nach der die Handarbeit zu gestalten ist. Quelle: JACQUELINE STEINER

Die Schülerin beobachtet die Könnerin

An diesem Vormittag verfolgt Bärbel Thieleker jeden Handgriff von Helga Hempel. Die 78-Jährige möchte Klöppeln lernen. Die gelernte Industriekauffrau schaut andächtig. „Kreuzen, drehen, kreuzen“, sagt die Klöppelkönnerin. Auf einem Papierbild, Klöppelbrief genannt, ist mit Bleistift vorgemalt, welches Muster entstehen soll. 32 spindelförmige hölzerne Spulen bewegt die Rentnerin geschickt hin und her. Es ist ein zeitaufwändiges Hobby: Am Abend zuvor hat sie die Klöppel mit Fäden umwickelt. „Was mache ich, wenn ich mich dabei vertan habe“, fragt Bärbel Thieleker. „Dann musst du wieder zurückklöppeln, wenn man quatscht, passiert das schon mal.

Von Marion von Imhoff

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