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Lebelt und Ziehl verlassen das Theater

Brandenburg an der Havel Lebelt und Ziehl verlassen das Theater

Donnerstag stand Christiane Ziehl nach fast 40 Dienstjahren nun letztmalig als Chefin des Jugendtheaters in Brandenburg an der Havel auf der Bühne. Darüber hinaus bestätigte die künstlerische Leiterin Katja Lebelt, dass sie keinen anderen Weg gesehen habe, als zu kündigen. Wie berichtet, hatte Lebelt sich über Monate vom Geschäftsführer gemobbt gefühlt, der dies bestreitet.

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Ein letztes Gruppenbild mit Dame: Das Ensemble des Jugendtheaters und seine Leiterin Christiane Ziehl nach der letzten Räuber-Vorstellung der Spielzeit am Donnerstag.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Brandenburg/H. Das Brandenburger Theater (BT) ist zur Ader gelassen worden und hat in dieser Woche zwei der renommiertesten künstlerischen Köpfe verloren. Am Donnerstagabend stand Christiane Ziehl (67) nach fast 40 Dienstjahren nun letztmalig als Chefin des Jugendtheaters auf der Bühne, nachdem ihr Team die letzte Aufführung der „Räuber“ der Spielzeit mit Bravour und unter großem Applaus absolviert hatte. Das Publikum liebt und feierte Ziehl, Aufsichtsrat, Gesellschafter, Geschäftsführung und Politik waren überraschend nicht zu sehen in der Studiobühne.

Lebelt fühlt sich gemobbt und kündigt

Darüber hinaus gehen das BT und dessen künstlerische Leiterin Katja Lebelt nun ebenfalls getrennte Wege. Lebelt bestätigte gegenüber der MAZ, dass sie keinen anderen Weg gesehen habe, als nun selbst zu kündigen. Wie berichtet, hatte Lebelt sich über Monate von dem neuen Geschäftsführer Klaus Deschner (73) gemobbt gefühlt. Das Bühnenschiedsgericht sah das ähnlich und schlug vor, da das Verhältnis zerrüttet sei, solle man Lebelt ein Jahresgehalt geben und sich dann einvernehmlich trennen.

Das hatte der Aufsichtsrat abgelehnt, obwohl Deschner dem Vernehmen nach dem Vorschlag des Gerichtes folgen wollte. Offen ist, ob nun Lebelt auf Schadenersatz für den noch fast vier Jahre laufenden Vertrag klagt, zumal auch unter Theateraufsichtsräten offen darüber geredet wurde, dass Lebelt gemobbt werde.

„Auch für das Einkaufen braucht man Kompetenz!“

Das hatte Deschner allerdings stets weit von sich gewiesen und Briefe unzufriedener Mitarbeiter präsentiert. Für Christiane Ziel ist das ein schwarzer Tag. „Da ist nun niemand mehr, der künstlerische Kompetenz im Theaterbereich mitbringt“, sagt Ziehl traurig. Selbst wenn nicht mehr selbst produziert werde: „Auch für das Einkaufen braucht man Kompetenz!“ Tatsächlich ist mit dem Weggang der beiden Damen der künstlerische Überbau im Theaterbereich weitgehend verschwunden.

Einzig im Orchesterbereich sind mit Chefdirigent und Orchesterdirektorin anerkannte Künstler verblieben. Somit erscheint es aus Orchestersicht folgerichtig, dass nun ein Konzertdramaturg eingestellt werden soll, nachdem Lebelt lange erfolglos um die Einstellung eines Theaterdramaturgen gekämpft hatte.

Ziehl lobt Tiemann

Sie gehe dennoch nicht im Groll, sagt Christiane Ziehl, die hofft, dass schnell ein neuer künstlerischer Leiter gesucht und eingestellt wird. Die Elektroingenieurin, die in Leipzig später Schauspiel studierte, hat mit ihrem Jugendtheater alles erreicht, was man erreichen konnte. „Wir haben eigentlich europaweit alle Preise bekommen, die man einheimsen kann. Manche mehrfach“, erinnert sie sich stolz. „Wirklich beeindruckt hat das im Theater die wenigsten“, erzählt sie und erinnert sich an eine ganze Reihe desinteressierter Geschäftsführer. Voll des Lobes ist sie aber für Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU): Das Jugendtheater und Jacaranda hätten sich immer auf die Unterstützung der OB verlassen können.

„Ich will wieder spielen, will selber auf die Bühne als Schauspielerin“, sagt sie jetzt lachend und zählt eine Reihe von Angeboten auf, die sie vorliegen hat.

„Ich bestimme, wann ich gehe“

Für Rosa von Praunheim soll sie Regie führen, auf dem Theaterschiff in Potsdam soll sie spielen. Man habe ihr deutlich gemacht, zum nächstmöglichen Zeitpunkt werde ihr Vertrag in Brandenburg auslaufen, so Ziehl: „Da habe ich gedacht: ich bestimme, wann ich gehe!“ Dass man ihrem Vorschlag eines Aufhebungsvertrages ohne jeden Versuch sie zu halten, sofort gefolgt ist, tut Christiane Ziehl weh. Auch wenn sie es nicht sagt.

Wie sie überhaupt versucht, jedes böse Wort gegen das Haus, das 40 Jahre ihre berufliche Heimat war, zu unterlassen. Und auch „ihr“ Laientheater mit Jugendlichen nach ihrem Weggang zum Saisonende unter der Leitung von Stephan Drotleff weitergeführt werden soll, wie ihr Deschner versichert habe, sei doch das Theater kein Theater mehr sondern „ein schönes Kulturhaus mit gutem Orchester.“ Ob die Ironie nur ihr auffalle, wenn es zum 200. Theatergeburtstag im Oktober sich alles nur ums Orchester drehe, fragt sie?

Mit vielen Auszeichnungen bedacht

Christiane Ziehl irrt, wenn sie meint, ihr Tun werde nicht geschätzt. Ihre Schauspieler verehren und lieben sie, mit Preisen wie dem Theater- und dem Frauenpreis ist sie überhäuft worden und das Publikum weiß, was sie leistet – als Schauspielerin ebenso wie als Leiterin des Jugendtheaters. Das scheint sie insgeheim zu ahnen, wenn sie abschließend sagt: „Vielleicht ist es ja alles gut für mich, so wie es jetzt läuft. Aber der Abschied fällt mir sooo schwer!“

Von Benno Rougk

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