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Leben an der Havel: Wann kommt die Flut?

Brandenburg an der Havel Leben an der Havel: Wann kommt die Flut?

Ist er ein Panikmacher oder ein weitsichtiger Mahner? Alfredo Förster zuckt mit den Schultern. Der Kommunalpolitiker warnt davor, dass die Stadt Brandenburg nach wie vor gefährdet sei, von einem Hochwasser heimgesucht zu werden. Besonders Jahrhunderthochwasser würden die Sicherheit an vielen Uferstellen im Stadtgebiet gefährden.

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Im Februar 2008 trat die Havel weit über ihre Ufer. Es könnte weit schlimmer kommen, warnt der Lokalpolitiker Alfredo Förster.

Quelle: Heiko Hesse

Brandenburg/H. Ist er ein Panikmacher oder weitsichtiger Mahner? Alfredo Förster zuckt mit den Schultern. Einige dumme Sprüche hat er sich in den wenigen Tagen anhören müssen, seit er davor warnte, dass die Stadt Brandenburg nach wie vor gefährdet sei, von einem Hochwasser heimgesucht zu werden. Und dass das besonders für jene Menschen gefährlich werden könnte, deren Häuser unterhalb der Grenze von 29,5 Meter über dem Meeresspiegel liegen oder die in Überschwemmungsgebieten liegen.

Dass Brandenburg wirklich „Die Stadt im Fluss“ ist, beweist ein Blick ins statistische Jahrbuch: „Rund 20 Prozent unseres städtischen Territoriums oder 4100 Hektar sind vom Wasser bedeckt. Über 70 Brücken queren die Wasserwege im Stadtgebiet und allein die Bundeswasserstraßen in der Stadt Brandenburg an der Havel haben eine Länge von mehr als 90 Kilometer“, sagt Förster.

Schon immer kämpften die Brandenburger mit der Kraft des Wassers und Überschwemmungen. Und auch heute, im 21. Jahrhundert bestehe trotz aller technischer Raffinesse „eine latente Gefahr in unserer Stadt, von Überschwemmungen oder vom Hochwasser heimgesucht zu werden.“ Ein Blick in das aktuelle Kartenwerk des Hochwasser-Risikomanagements-Plans des Landesamtes für Umwelt und Gesundheit führe dieses Risiko deutlich vor Augen. Insbesondere die sogenannten Jahrhunderthochwasser, als Höchststände, die sich statistisch nur alle 100 Jahre wiederholen, sind eine Gefahr für die Stadt, beschreibt Förster.

Etwa 10 Prozent der Stadtbevölkerung, also 7100 Einwohner, wären von einem solchen Jahrhunderthochwasser unmittelbar betroffen. Sämtliche Risikobereiche, wie beispielsweise die Krakauer Vorstadt, die Göttiner Straße, Teile der Scholle und auch das Ostufer des Beetzsees sind in den Karten gebäudegenau erfasst. Am schlimmsten würde es, so erklärt Förster die Karten, jedoch den Ortsteil Plaue treffen. Für viele der Bewohner hätte ein derartiges Schreckenszenario katastrophale Auswirkungen.

Vorgelagerte Wehranlagen, Schleusen und andere Regulierungseinrichtungen würden zwar seit Jahrzehnten die Havel und ihre Nebenarme bändigen. Aber auf Hochwassserschutzdeiche muss der Ort verzichten. Förster hat Zweifel, dass dies bei der prognostizierten Zunahme von Extremwetterlagen durch den Klimawandel eine kluge Entscheidung sei. Seine Befürchtung: Erst im Schadensfall werde die Politik dafür eine vernünftige Antwort finden. Doch die käme zu spät für die vom Hochwasser geschädigten Bereiche. Försters Warnung kommt nicht aus heiterem Himmel.

Es sei „nicht klug, in alten Flussläufen oder ausgewiesenen Überschwemmungsgebieten sein Eigenheim errichten zu wollen oder dort bereits illegal errichtete Bauwerke ohne ausreichende Schutzmaßnahmen für deren Bewohner nachträglich zu genehmigen“, sagt der frühere Chef der Linken, den es später zur SPD zog. In der SPD sieht man Vorstoß der Büfübü-Freien Wähler, Garten- und Naherholungsgrundstücke am Wasser in Brandenburg als Wohnstandorte nachträglich zu genehmigen, mit Sorge. Ein früherer städtischer Amtsleiter schätzt, dass gut 1000 Menschen in Brandenburg sozusagen illegal und dauerhaft auf in diesen Grundstücken wohnen.

Förster: „Wenn man das jetzt nachträglich erlaubt, muss man auch sicherstellen, dass den Menschen in den Überflutungsgebieten dauerhaft nichts passiert. Und das wird teuer.“ Er sei gespannt, wie die Politik und die Verwaltung jetzt reagieren. Legalisiert sie das Wohnen beispielsweise am Beetzsee, muss die Stadt für die Sicherheit tief in die Tasche greifen. Lehnt sie den Vorstoß ab, kann sie das illegale Wohnen dort nicht mehr ignorieren. „Ich fürchte fast, da hat man den Leuten einen Bärendienst erwiesen, so Förster abschließend.

Von Benno Rougk

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