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Lebendige Blumen für die Patienten

Brandenburg/H. Lebendige Blumen für die Patienten

Die Genesung der Krankenhauspatienten ist nicht nur von ärztlicher Kunst und moderner Technik abhängig, vielmehr schaffen auch Gärten und Parks eine vertraute und lebensfrohe Atmosphäre in einer besonderen Stresssituation. Diese These zog sich wie ein „grüner Faden“ durch den Kongress „Garten und Medizin“, bei dem auch ein Brandenburger Chefarzt einen vielbeachteten Vortrag gehalten hat.

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Eine kleine Wildblumenwiese ist noch lange kein Ersatz für einen fehlenden Klinikpark.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Berlin/Brandenburg/H. „Architektur wird zum zweiten Körper, wenn der eigene nicht mehr Schutz bietet, den wir als Menschen für unser verletzliches Innere so brauchen. Ein kranker Körper ist durchlässig bis zur Seele.“ So hat es Tanja C. Vollmer in diesem Jahr im Deutschen Ärzteblatt formuliert. Die Biologin und Psychologin leitet seit Mai 2016 den Bereich Architekturpsychologie am Institut für Architektur der Technischen Universität Berlin.

Ihre Aussagen hat sich der Brandenburger Chefarzt Thomas Enzmann als These für seinen vielbeachteten Vortrag während des gerade zu Ende gegangenen internationalen Kongresses „Garten und Medizin“ mit mehr als 400 Teilnehmern gewählt. Begonnen hat er mit einem Bild einer sterilen Krankenzimmerdecke, unter der sich grau eine Tropfgarnitur abzeichnet. Darunter steht: „Wenn wir krank wären“. Der Referent genehmigt sich eine Kunstpause.

„Ich würde mir wünschen, dass sie im Krankenhaus vor meinem Tod mein Bett rausschieben, damit ich noch einmal Licht, Wind, Geräusche und Gerüche abbekomme.“ Ein Garten, ein Park, eine lebensfreundliche Umgebung gehörten nicht nur in eine Rehabilitationseinrichtung, sondern erst recht in eine Akutklinik. „Patienten fänden’s gut: Vision und Wirklichkeit des Gartens in der deutschen Krankenhauslandschaft“, hat er deshalb seinen Vortrag überschrieben.

Wie die Wirklichkeit am Städtischen Klinikum aussieht, ist bekannt. Für den 2. Bauabschnitt waren 100 Millionen Euro geplant. Doch die Landesregierung hat einfach 30 Millionen Euro weggestrichen, dem fielen eine ganze Etage im neuen Bettenhaus, diverse andere Gebäude und vor allem der geplante Patientenpark zum Opfer. „Parkanlagen fördern wir nicht“, hat es gehießen.

Nun könnte man meinen, es gibt mit dem unmittelbar benachbarten Bürgerpark Marienberg einen riesengroßen Patientengarten, noch dazu ist er gut erreichbar mit dem für 350.000 Euro vor der Buga hergestellten Aufzug vom Klinikgelände direkt zum Marienberg. Doch darf kein Patient das Klinikgelände verlassen, will er seinen Versicherungsschutz nicht verlieren – weil Krankenkassen und Gesundheitsministerium sich querlegen.

Bundesminister fordert „Grünes Krankenhaus“

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hat in Berlin den gemeinsamen Kongress „Garten und Medizin” des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft und der Deutschen Gartenbaugesellschaft 1822 e. V. eröffnet.

„Die meisten Krankenhäuser liegen in der Stadt, ihre Grünanlagen haben modellhaften Charakter für andere Anla-gen im urbanen Umfeld. Ich erhoffe mir von diesem Kongress, das gesellschaftliche Bewusstsein für den medizinischen Nutzen von Gärten oder Parks zu schärfen und so auch die öffentliche Wertschätzung für Gärten und Parkanlagen zu stärken.“

Krankenhäuser ohne Grünanlagen seien undenkbar und doch werde die Bedeutung von Parkanlagen in der medizinischen Therapie unterschätzt.

In anderen (wenigen) Kliniken gehören Gärten und Parks längst zum Konzept. Die Helios-Klinik Hattingen (Nordrhein-Westfalen) hat dazu einen Gartentherapeuten angestellt, der mit den Patienten Außengehschule absolviert, Erinnerungslücken schließen hilft, die Menschen in eine vertraute Umgebung bringt. Im Diakonie-Krankenhaus Sachsenhausen (Frankfurt/Main) gibt es einen Diabetes-Garten mit mehr als 50 Pflanzen, die schlank machen, Entzündungen hemmen, das Insulin intensivieren und Wunden heilen. Die Kraichtal-Kliniken (Baden-Württemberg) leisten sich einen 15.000 Quadratmeter großen Asiatischen Garten. Und die Luise-von-Marillac-Klinik in Bad Überkingen gleich nebenan schreibt in ihr Behandlungskonzept „Regenerieren im Garten der Sinne“.

Positive Beispiele gibt es also genug. Thomas Enzmann hat gründlich recherchiert, „ich hatte in Berlin auch den Namen von Brandenburg an der Havel zu verteidigen“. Er habe sofort zugesagt als sein Professoren-Kollege aus der Gartenbausparte Klaus Neumann ihn gefragt hatte. Er ist in der Stadt bestens bekannt als einer der Väter des Buga-Konzeptes, er hatte 2007 in Köln den Durchbruch für das neuartige Regionenkonzept der Gartenschauen bei der Deutschen Bundesgartenschaugesellschaft DBG erreicht.

Neumann ist heute Präsident der Deutschen Gartenbaugesellschaft 1822 e. V., welche den Kongress „Garten und Medizin“ organisiert hat und dafür Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt sowie den österreichischen Innenminister Wolfgang Sobotka gewinnen können. „Nach dem Gartenland Brandenburg entwickeln wir nun das Gesundheitsland Brandenburg und verbinden diese Aspekte miteinander“, sagt Neumann.

Von André Wirsing

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