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Lebendiges Erzählen von Geschichte(n)

Neue Wege beim Gewinnen von Museumsbesuchern Lebendiges Erzählen von Geschichte(n)

Was hat ehrbares Handwerk mit politischen Ränkespielen zu tun? Sehr viel – beweist die neue Ausstellung im Dom zu Brandenburg, die ab Anfang Mai zu sehen sein wird. Die Zeit der reinen Historienschauen ist abgelaufen, jetzt geht es ums Erzählen von Geschichte(n).

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Rüdiger von Schnurbein vor dem Böhmischen Altar, mit dem der Kaiser sich Einfluss zu sichern suchte.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg/H. Draht- oder doch eher Strippenzieher? Die Mehrfachbedeutungen sind durchaus gewollt. Sie tauchen auch in der Geschichte in den unterschiedlichsten Facetten wieder auf. So hat schon der römisch-deutsche Kaiser Karl IV. im 14. Jahrhundert mehrere Versuche unternommen, die Kirche unter seine Fittiche zu bekommen – etwa mit seinen Stiftungen, unter anderem für Kirchen-Gewänder oder für den Böhmischen Altar, der heute im Dom zu Brandenburg zu sehen ist.

Ein Jahrhundert später um 1470 liefern sich die Hohenzollern ein Duell um die Bischofswahl. Kurfürst Albrecht Achilles von Brandenburg und Bischof Arnold von Burgsdorff stiften unabhängig voneinander jeweils einen prächtigen Ornat, um sich Stimmen und Einfluss zu sichern – Strippenziehen als Teil der politischen Kommunikation.

„Märkische Drahtzieher“ heißt die neue Schau im Dommuseum, die ab dem 4. Mai zu sehen sein wird. Das Brandenburger Kulturland-Thema „Handwerk“ hat das Team um Museumschef Rüdiger von Schnurbein recht großzügig ausgelegt. Erst der Untertitel sorgt für mehr Klarheit: „Textiltechnik trifft Landesgeschichte“. Das Handwerk des Drahtziehens spielt durchaus auch eine wichtige Rolle, bei den Gewändern beispielsweise kamen drei Sorten Drähte zum Einsatz – die massiven für die Form, die goldenen für den Prunk und die gefälschten für den schönen Schein. Insofern wurden für die Machtkämpfe nicht nur ausgebuffte Politiker gebraucht, sondern auch gute Handwerker.

„So werden in unserer neuen Schau nicht nur die Ränkespiele erklärt, sondern es gibt auch wieder Gelegenheit, unsere hervorragende Textilwerkstatt um Gertje Gerholt ins Licht zu setzen“, sagt Schnurbein.

Seine Idee war es, den 700. Geburtstag Karl IV. als Aufhänger für die Veranstaltung zu nehmen, das Dommuseum hat sogar mit der Prager Nationalgalerie, mit dem Potsdamer Haus der brandenburg-preußischen Geschichte, mit Museen in Nürnberg und Tangermünde ein kleines Karl-Netzwerk gegründet. Den unorthodoxen Themenansatz wählt der Museumschef bewusst. „Unsere Vorteile sollen unsere Kreativität und die Vielfalt der eigenen Bestände sein. Rein historische Ausstellungen sind abgefrühstückt, das ist alles schon erzählt. Wir wollen einen neuen Zugang zum Wissen.“

Im vorigen Jahr gab es diesen Ansatz in Teilen auch schon. Die Jubiläumsausstellung anlässlich des 850. Domgeburtstages trug auch schon einen Titel zum Nachdenken „Beständig neu“.

 

Kunstgenuss & Gaumenfreude

Bewährte Veranstaltungsreihen im Dom wollen die Museumspädagogen und Historiker weiterführen, zudem neue versuchsweise anbieten.

Die Kirchenkatzen-Reihe richtet sich vornehmlich an ein ganz junges Publikum. Im Februar heißt die Führung „Heute keine Schokolade“ und widmet sich dem Thema Fastenzeit.

Als Testballon soll es vorerst vier Veranstaltungen geben „Kunstgenuss und Gaumenfreude“ - zuerst Vortrag und Führung, danach Menü. Die erste Veranstaltung am 12. März heißt „Alte Schinken“. Es werden Bücher und Gemälde vorgestellt, bevor es ans Schinkenbüffet im Restaurant „Remise“ geht.

Das komplette Jahresprogramm des Domes stellt Kurator Cord-Georg Hasselmann Anfang Februar vor.

Doch lebte die Schau zuvorderst von ihrer Prächtigkeit, allein das temporäre Rückführen der alten Stifts- und Studienbibliothek, die im 19. Jahrhundert nach Berlin ging, verlieh Glanz. „Die Buga hat uns genützt. Wir hatten mit 98.000 Menschen auf dem Domgelände fast doppelt so viele Besucher wie in den Vorjahren. Jenseits der Bezahlschranke waren es 30.000, wir hatten auf etwa 20.000 gehofft. Wer aber Eintritt im Dom bezahlt hat, sah sich auch die Ausstellung über zwei Etagen einschließlich des oberen Kreuzganges an.“ Das Besucheraufkommen habe sich vorher überhaupt nicht abschätzen lassen, weil im Vorjahr erstmals Eintritt im Dom erhoben wurde. Das funktionierte auch noch ein paar Wochen nach Ende der Buga, die Domfeierlichkeiten zogen sich bis zum Reformationstag, weil Stift und Museum massiv die Werbetrommel gerührt hatten.

Die Geburtstagsschau zog wohl auch viele Brandenburger wieder einmal ins Dommuseum, dieses wiederentdeckte Interesse muss wach gehalten werden mit solcherart lukrativen Schauen und Sonderveranstaltungen. Insoweit hat sich am Motto kaum etwas geändert – beständig neu.

Von André Wirsing

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