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Lebensrettende Schwimmkurse für Flüchtlinge

Potsdam-Mittelmark Lebensrettende Schwimmkurse für Flüchtlinge

Vor dem Hintergrund, dass immer wieder Flüchtlinge beim Baden in deutschen Seen ertrinken, ist eine Initiative der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) entstanden. Auch andere Akteure bemühen sich, den nach Deutschland geflüchteten Menschen lebensrettende Schwimmkenntnisse zu verschaffen. Wie nötig das ist, beweisen die Zahlen.

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Rettungsschwimmer und Betreuer Martin Teichmann erläutert einem Lehniner Flüchtlingen Schwimmenregeln.

Quelle: Privat

Mittelmark. Schwimmkurse für Geflüchtete: Vor dem Hintergrund, dass immer wieder Flüchtlinge beim Baden in deutschen Seen ertrinken, ist eine Initiative der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) entstanden. Auch andere Akteure bemühen sich, den nach Deutschland geflüchteten Menschen lebensrettende Schwimmkenntnisse zu verschaffen.

Wie nötig das ist, beweisen die Zahlen. Nach Angaben der DLRG starben im vorigen Jahr 488 Männer, Frauen und Kinder beim Baden in Seen, Schwimmbädern und an der deutschen Küste. Unter ihnen waren 27 Flüchtlinge. Allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres ertranken in Deutschland 25 weitere Flüchtlinge. Das teilte Frank Villmow, Sprecher des DLRG-Bundesverbandes, mit. Wegen ihres hohen Anteils an den Badetoten in deutschen Gewässern gelten Flüchtlinge als besondere Risikogruppe. Fast alle hatten in ihren Heimatländern keine Möglichkeit, das Schwimmen zu lernen.

Schwimmkurse für Flüchtlinge am Olympiastützpunkt in Potsdam

Aus diesem Grund hat die DLRG in Potsdam einen Schwimmkurs am Olympiastützpunkt gestartet für Flüchtlinge. Gefördert wird dieser von der Landesinvestitionsbank (ILB). Das bestätigte ILB-Sprecher Matthias Haensch. „Wir unterstützen dies als Pilotprojekt und hoffen, dass sich viele Nachahmer finden, die ebenfalls solche Schwimmkurse für Flüchtlinge fördern und unterstützen“, sagte Haensch der MAZ.

Zur Sicherheit der jungen Nichtschwimmer ist ein Surfbrett während des Übens immer dabei, an dem sich die Flüchtlinge festhalten können

Zur Sicherheit der jungen Nichtschwimmer ist ein Surfbrett während des Übens immer dabei, an dem sich die Flüchtlinge festhalten können.

Quelle: privat

Auch rund ein Dutzend Flüchtlinge aus Lehnin durchlaufen derzeit einen Schwimmkurs. Die Arbeiterwohlfahrt ( Awo), der Betreiber des Heimes für minderjährige Flüchtlinge, die ohne ihre Eltern oder andere Verwandte in Deutschland angekommen sind, hat dazu eine Kooperationsvereinbarung getroffen. Partner ist das Oberlinhaus in Potsdam. Dorthin fahren die Sozialarbeiter der Gruppe einmal die Woche mit ihren Schützlingen. Schwimmlehrer unterrichten die Gruppe. „Bei uns leben derzeit 24 Jugendliche aus Syrien, Afghanistan, Eritrea und Marokko“, berichtet Heimleiter Mario Gose. „Nur ganz wenige von ihnen können schwimmen.“ Der Kurs sei „ganz wichtig, es ist für uns eine Schutzaufgabe, dass die Jugendlichen schwimmen lernen.“ Zudem sei das „eine gute Beziehungsarbeit“ und sinnvolle Freizeitbeschäftigung für die jungen Menschen, sagt Gose.

Training am Gohlitzsee in Lehnin

Auch der Betreuer und Rettungsschwimmer Martin Teichmann trägt mit Schwimmkursen im Gohlitzsee dazu bei, dass möglichst viele der jungen Flüchtlinge sich schnell sicher über Wasser halten können. Unter ihnen ist auch ein Heranwachsender, der während seiner Flucht über das Mittelmeer fast ertrunken wäre. Er musste aus den Wellen gerettet werden. Doch auch er gehe nun unbefangen in dem Schwimmkurs mit dem Element Wasser um, berichtet Gose.

„Wir als Ortsgruppe Potsdam des DLRG sehen den hohen Bedarf an Schwimmkursen“, sagt auch Janosch Raßmann, Sprecher der Ortsgruppe. Gemessen an der Gesamtbevölkerung sei die Zahl der in Deutschland in Badeseen ertrunkenen Flüchtlinge „gewaltig. Wir verstehen es als unsere Aufgabe, den Flüchtlingen daher schwimmen beizubringen. Es stünden dazu genügend Vereinsmitglieder bereit, aber es gelte, diese zu Schwimmlehrern weiterzuqualifizieren.

Schwimmhallenzeiten für die Kurse sind rar

„Wir haben kein Personalproblem“, sagt Raßmann. „Problematisch ist es eher, genügend Schwimmhallenzeiten zu bekommen.“ Diese Schwierigkeit gebe es in vielen Regionen Brandenburgs. Derzeit seien die Schwimmzeiten für die eigenen Mitglieder gekürzt, um die Kurse anbieten zu können. Diese liefen nach den Geschlechtern getrennt. Es sei aber üblich, dass auch eine Schwimmlehrerin männlichen Flüchtlinge unterrichte, so der DLRG-Sprecher. „Wir hoffen, dass es für männliche Flüchtlinge irgendwann völlig selbstverständlich sei, dass auch gleichzeitig Frauen unterrichtet werden können.“ Den schutzsuchenden Menschen Schwimmen beizubringen, müsse Bestandteil der Integrationsarbeit werden, so Raßmann.

Von Marion von Imhoff

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