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Brandenburg/Havel Lehnin: Vorwürfe gegen Gemeindevertreter
Lokales Brandenburg/Havel Lehnin: Vorwürfe gegen Gemeindevertreter
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00:28 04.08.2015
Andreas Bernig (Die Linke). Quelle: Die Linke
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Kloster Lehnin

17 Gemeindevertreter von Kloster Lehnin greifen in einem gemeindeweit verteilten Schreiben ihren Kollegen Andreas Bernig (Linke) an und kündigen die Zusammenarbeit mit dem Kommunal- und Landespolitiker auf. Sie werfen Bernig vor, den Tod seines Fraktionskollegen Erich Andert am Rande der vergangenen Gemeindevertretersitzung am 7. Juli zur parteipolitischen Profilierung zu missbrauchen.

Die Witwe des Verstorbenen ist entsetzt über das pietätlose Schreiben der 17 Gemeindevertreter. Anneliese Andert ist Andreas Bernig „äußerst dankbar“. Denn der Linken-Politiker hatte alles getan, um ihrem Mann in höchster Not zu helfen und ihn zu retten, im Unterschied zu den meisten Gemeindevertretern, die ihre Sitzung beendeten.

„Völlig pietätlos“

Am vergangenen Sonnabend landete die von mit Ausnahme der Linken-Fraktion von fast allen Gemeindevertretern unterzeichnete Wurfsendung in den Briefkästen der meisten Kloster Lehniner Haushalte. Darin distanzieren sie sich von Andreas Bernig aus Göhlsdorf. Sie werfen ihm vor, „völlig pietätlos und entgegen aller Realitäten“ einen Zeitungsartikel in der MAZ vom 9. Juli initiiert zu haben.

Der Vorwurf geht allerdings fehl. Bernig initiierte gar nichts. Vielmehr rief umgekehrt die MAZ Bernig an, um mehr zu erfahren über die Umstände des tragischen Todes seines Fraktionskollegen Erich Andert (71), der am Abend des 7. Juli vor dem Sitzungssaal im Kloster Lehniner Rathaus zusammengebrochen und wenig später gestorben war.

Bernig tat das, was aufgeschlossene Menschen tun. Er gab Auskunft, schilderte, wie die Linken-Fraktionsmitglieder Peter Kamolz und er selbst sich um ihren Kollegen Erich Andert kümmerten. Nur Ralf Kähne von der CDU hatte Hilfe angeboten. Während die allermeisten anderen Gemeindevertreter mit Bürgermeister Bernd Kreykenbohm (parteilos) weiter tagten, erst später nachschauten, als Notarzt und Sanitäter bereits an Ort und Stelle waren. Daraufhin setzten sie die Sitzung bis zum baldigen Ende fort.

„Total deplaziert“

Die Männer, die also nichts zur Hilfe beitrugen, richten nun über einen der wenigen, der geholfen hat. Sie schreiben: „Besonders verwerflich ist, dass Dr. Bernig den tragischen Tod von Erich Andert für seine parteipolitische Profilierung missbraucht.“

Anneliese Andert sieht das völlig anders, sie ist enttäuscht darüber, „dass sich die Gemeindevertreter mit ihrem Schreiben auf Erichs Knochen profilieren und so tun, als ob sie für meinen Mann da gewesen wären“. Die Wurfsendung an die Bürger nennt die Witwe „total deplatziert“.

Das Schreiben sei ihr vorab bekannt gewesen und sie habe daraufhin die Bitte geäußert, es aus Pietätsgründen nicht zu verteilen. „Sie haben es leider trotzdem gemacht“, bedauert die Witwe von Erich Andert. Mit ihr sind auch die Tochter, der Sohn und der Bruder von Erich Andert traurig und entsetzt über die Aktion.

Im Verhalten des angegriffenen Andreas Bernig sieht Anneliese Andert überhaupt nichts Pietätloses. Im Gegenteil, sie ist ihm für seine Hilfestellung „äußerst dankbar“ und bedauert sehr, dass die anderen versuchen, ihn als Lügner darzustellen.

Bürgermeister Kreykenbohm will nichts werten

Erich Andert (71) war bekannt als engagierter Netzener Ortsvorsteher und kritisch fragender Gemeindevertreter für die Liste Bürgernähe in der Linken-Fraktion. Er starb am Abend des 7. Juli, kurz nachdem er den Sitzungssaal im Rathaus verlassen hatte und vor der Tür zusammengebrochen war.

17 der 23 Gemeindevertreter haben das Schreiben mit dem Titel „Gemeindevertreter beziehen Stellung“ unterschrieben. Bürgermeister Kreykenbohm gehört nicht zu den Unterzeichnern. Die MAZ fragte ihn nach seiner Meinung dazu.

Bernd Kreykenbohm will das Verhalten von Andreas Bernig und die Reaktion der vielen Gemeindevertreter nicht öffentlich kommentieren und bewerten.

Zur Hilfeleistung für Erich Andert teilt der Bürgermeister mit, dass die Sitzung „sehr wohl unterbrochen gewesen“ und dann wenige Minuten lang fortgesetzt und beendet worden sei, als Erich Andert ärztlich behandelt wurde. Kreykenbohm bestätigt, dass sich außer Kamolz und Bernig nur ein weitere Gemeindevertreter (Ralf Kähne) nach dem Gesundheitszustand erkundigt habe. Der sei dann zurück in den Saal geschickt worden.

Aus Sicht der Ersthelfers, so Kreykenbohm, wäre die Anwesenheit und Mitwirkung von weiteren fast 20 Gemeindevertretern in der Hilfesituation als „hinderlich empfunden worden“.

Die Frage, ob er weiter mit Andreas Bernig zusammenarbeiten werde, beantwortet Bernd Kreykenbohm ausweichend. Er werde sich auch künftig gemäß §§ 53 ff KVerfBbg verhalten. Sein Handeln gelte in erster Linie den Bürgern der Gemeinde Kloster Lehnin und der Gesamtentwicklung der amtsfreien Gemeinde.

Andreas Bernig selbst will das „böse Pamphlet“ mit den Angriffen auf seine Person nicht auf sich beruhen lassen. „Ich werde mich dazu in der nächsten Gemeindevertretersitzung erklären“, kündigt er an. Er habe es zudem gar nicht nötig, sich auf die vorgeworfene Weise politisch zu profilieren, zumal er weder bei der Bürgermeister- noch bei der nächsten Landtagswahl als Kandidat antreten werde.

Der Linken-Politiker erinnert daran, wie die meisten Gemeindevertreter Erich Andert nach der vergangenen Kommunalwahl als Kandidaten für den Vorsitz des Rechnungsprüfungsausschusses abgeschmettert hätten, obwohl die Linken-Fraktion den Zugriff auf diesen Ausschuss hatte. Bernig meint den Grund zu kennen: „Erich Andert hat immer wieder kritische Fragen gestellt, etwa warum Bürgermeister Kreykenbohm mit Hauptwohnsitz in Niedersachsen lebt.“ Die MAZ hat den stellvertretenden Vorsitzenden der Gemeindevertretung Harry Grunert (CDU) gefragt, wer das Schreiben verfasst und wer die Verteilung an welchen Orten veranlasst habe. Wir fragten auch, woher die Unterzeichner die Fehlinformation beziehen, dass Bernig den MAZ-Bericht initiiert habe.

Weitere Fragen, auf die Grunert trotz mündlicher und schriftlicher Anfrage noch nicht geantwortet hat, lauten: Warum hat Grunert als Versammlungsleiter die Sitzung nicht abgebrochen, als eine komplette Fraktion abwesend war, weil sie dem kranken Kollegen helfen wollte? Letzte Frage: Sehen die Gemeindevertreter auch einen Anlass, Selbstkritik zu üben?

Von Jürgen Lauterbach

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