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Lehniner Galerie zeigt Bilder von Pressnitz

Vernissage am Klostersee Lehniner Galerie zeigt Bilder von Pressnitz

Kunstbetrachtung als Abenteuer: Bilder von Alfons Pressnitz sind jetzt in Lehnin zu sehen. Die renommierte Galerie am Klostersee zeigt eine Auswahl von Bildern des Künstlers. Die MAZ war bei der Vernissage dabei und hat mit dem Künstler gesprochen.

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Alfons Pressnitz
 

Quelle: A.Brünink

Lehnin.  Ungewöhnliche Erfahrungen macht der Besucher der Ausstellung „set up“, die jetzt in der Galerie am Klostersee eröffnet wurde. Auf den ersten Blick wirken die Malereien von Alfons Pressnitz mit ihren sanften Farben ausgesprochen freundlich und harmonisch. Riskiert der Betrachter einen zweiten Blick, ist er irritiert. Wer sich mit den Bildern des gebürtigen Österreichers daraufhin länger auseinander setzt, auf den wirken sie verstörend.

Mit seinen Malereien hält Pressnitz (Jahrgang 1982) der modernen Gesellschaft einen Spiegel vor. Er macht das sichtbar, was wir schon lange nicht mehr wahrnehmen, weil wir uns daran gewöhnt haben oder weil wir es nicht sehen wollen, es einfach verdrängen. Wie beispielsweise die zunehmende Umweltverschmutzung durch Konsumgüter. Man denke an die Zumüllung der Meere durch Plastiktüten. Die Verschwendung von Papier. Die allgemein um sich greifende Geschwätzigkeit ohne Substanz. Die Gigantonomie in der Architektur. Die Isolation des Menschen inmitten von Technik und sein langsames Verschwinden, denn der Mensch kommt in den Bildern von Pressnitz kaum noch vor, nur seine Hinterlassenschaften.

Vor dem Stapel ein Haufen Gestrüpp

Wäre Pressnitz ein mittelmäßiger Künstler, die Wirkung seiner Werke wäre nicht halb so beklemmend. Aber er malt hervorragend, verleiht mit seiner Kunst der Trostlosigkeit Schönheit und der Hässlichkeit Ästhetik.

„Treasure“ (Schatz, Öl auf Leinwand, 140 x 120 cm, 2013) ist ein großformatiges Bild betitelt. Zu sehen ist ein dichter Wald, in dem das Grün in leuchtenden Farben aufblitzt, wenn ein Sonnenstrahl darauf fällt. Eine romantische, geheimnisvolle Szene. Doch plötzlich stockt der Blick. Mitten im Grün liegt halb versteckt ein Holzstapel. Das Holz wirkt verwittert, als ob der Stapel dort schon länger wäre. Vor dem Stapel ein Haufen mit Gestrüpp, vielleicht sind es Gartenabfälle, die jemand dort entsorgt hat.

Aus dem Leben des Künstler

Der Künstler Alfons Pressnitz ist 1982 in Wagna (Steiermark), Österreich geboren. Er lebt und arbeitet in Berlin.

Im Alter von 15 Jahre kam er an die Ortwein-Schule in Graz, eine höhere technische Lehranstalt für Kunst und Design, wo er sein Fach-Abitur abgelegt hat. Anschließend hat er Malerei an der Universität für Angewandte Kunst Wien und an der Kunstakademie Düsseldorf studiert.

Pressnitz hat mehrere Preise und Stipendien erhalten. Für den Besuch der Ortweinschule von 1997-2002. Für sein Kunststudium in Wien und Düsseldorf. Er war Stipendiat mehrerer Stiftungen und hat zur Zeit ein Atelierstipendium des Bundeskanzleramtes: Rom.

Pressnitz hat seit 2007 außergewöhnlich viele Ausstellungen bestückt (jährlich fünf bis zehn), auch international. 2014 waren Arbeiten von ihm unter anderem im Essl-Museum, Klosterneuburg/Österreich, zum Thema „Die Zukunft der Malerei“ zu sehen, wo ihn der Lehniner Galerist Eckhard Haisch entdeckt hat.

Auch sie wirken sehr verwittert. Wer kennt das nicht aus eigener Erfahrung, dass man mitten in einer Idylle plötzlich auf Müllecken trifft. Der Anblick ist so vertraut, dass das Auge im wahrsten Sinne des Wortes darüber hinwegsehen würde, läge davor nicht diese kleine Schatulle, aufgeklappt. Darin einige Münzen und Geldscheine. Goldglänzendes Geschenkband ringelt sich über den Waldboden. Ringsum verstreut sind weiße Papierfetzen, sie beleben die Szenerie und machen sie gleichzeitig trostlos.

Seinen Themen treu geblieben

„Talk“ heißt eine kleine, gemalte Collage aus dem Jahr 2010. Ein moderner Konferenztisch mit den für einen Konferenzraum typischen Stühlen rings herum steht im Vordergrund und zieht die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich. Denn auf dem Tisch liegt ein Haufen Papierschnitzel, aus dem – Überraschung - dichter, weißer Rauch aufsteigt, der das Bild großflächig durchzieht. Doch wo befindet sich dieser Tisch? Steht er im Freien? Das Bild bleibt die Antwort schuldig. Dahinter sind lediglich ein niedriges und ein höheres Haus in einer Art Straße zu sehen.

Echte Collagen waren die Vorgänger der Malereien von Alfons Pressnitz. Aus idyllischen Landschaftsfotos aus Reiseprospekten und Magazinen hat er bedrohliche Szenarien geschaffen. Collagen sind auch die Grundlage für die äußerst faszinierenden Papierschnitte, die Pressnitz schafft. Er entwirft sie im Computer, überträgt sie auf Papier und schneidet die filigranen Motive dann mit dem Skalpell per Hand aus. „Das Papier wird durch das Herausschneiden zerstört und gleichzeitig entsteht ein neuer Raum“, so Alfons Pressnitz. Seinen Themen ist er treu geblieben. „Mich interessieren verbrauchte /gebrauchte Gegenstände und ihre Zeitlichkeit. Die Prozesshaftigkeit des Werdens, Seins und Vergehens wird sichtbar.“

Die Ausstellung läuft bis 9. September 2015, dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr.

Von Ann Brünink

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