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Lehniner Kleingärtner kämpfen gegen Eiszeit

Kerzen, Planen und Pullover Lehniner Kleingärtner kämpfen gegen Eiszeit

Die Lehniner Kleingärtner im Klostergrund ziehen sich warm an. In dicken Sachen betreiben sie Schadensbegrenzung gegen unterkühlte Mainächte. In Gewächshäusern werden Kerzen aufgestellt, Planen sollen Erdbeeren schützen, Balkonblumen bleiben noch hinter Glas.

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Mitten in die Blüte platzten die kurzen aber harten Frostnächte. Christel Lehmann vor ihrer braun gefrorenen Magnolie.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Lehnin. Graue Wolken verdrängen die letzten Sonnenstrahlen über dem Klostergrund. Ein kalter Wind schickt Sprühregen zu den Kleingärten am Kanal. Vom Frühling ist bei sechs Grad nicht viel zu spüren. Von tapferen Tulpen, gelbem Löwenzahn auf sattgrünem Rasen und ein paar blühenden Bodendeckern einmal abgesehen. Nur eine Hand voll hartgesottene Pächter trotzt in warmen Hosen und dicken Pullovern der kleinen Eiszeit. Doch bei Unterhosenwetter schmeckt nicht mal das Feierabendbier. Spaß an der Gartenarbeit sieht anders aus.

Erfroren sind diese Kirschblüten

Erfroren sind diese Kirschblüten.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Sicher, zu tun gibt es in den 51 Parzellen der Lehniner Kleingartenanlage Klostergrund immer etwas. Das Unkraut wächst trotz eines verkorksten Frühjahrs. Terrasse und Gerätschaften werden fit für die neue Saison gemacht. Und wer ernten will, muss jetzt pflanzen. Kohlrabe und Salat gehören in diesen Tagen in die Erde. In den Gewächshäusern warten Tomaten und Gurken auf ihren Umzug ins Freiland – wenn sie nicht schon erfroren sind. Wie bei Gerhard Große (64). Der Vereinsvorsitzende konnte 30 seiner Tomatenpflanzen auf den Kompost werfen. Sie haben die jüngsten Frostnächte nicht überstanden.

Heinz Schubert schützt seine Erdbeeren mit einer Plane vor Frost

Heinz Schubert schützt seine Erdbeeren mit einer Plane vor Frost. Ab Donnerstag soll es wärmer werden.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Überall bei den Gartenfreunden ist deshalb Schadensbegrenzung angesagt. Schlimme Spuren haben die Minusgrade beim Steinobst hinterlassen. Kaum ein Kirschbaum im Klostergrund blieb verschont. Manche sprechen von einem Totalausfall. Andere Kleingärtner wie Heinz Schubert (67) von Parzelle 25 hoffen wenigstens auf ein paar Früchte zum Naschen. Auch ihn hat das Gewächshaus nicht vor Verlusten geschützt. Die selbst herangezogenen Studentenblumen haben das Auspflanzen nicht mehr erlebt

Die Kleingartenanlage Klostergrund besteht seit 1982

Die Kleingartenanlage Klostergrund besteht seit 1982. Sie grenzt an den Emsterkanal und kann von jedermann auf einem Weg durchquert werden.

Quelle: Frank Bürstenbinder

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Auch die Ziergehölze haben gelitten. Der Schmetterlingsflieder ist komplett braun gefroren. Die Hortensien müssten schon weiter sein. Wenigstens die wie verrückt blühenden Erdbeeren will Schubert retten. Seine Senga Sengana hat der Göhlsdorfer mit einer hellen Plane überspannt: „Was die Spargelbauern machen, kann ich auch“, ist Schubert überzeugt. Wenigstens bis zum Mittwoch will er den Erdbeeren auf diese Weise beistehen.

Gerhard Große mit dem kläglichen Rest seiner Tomaten

Gerhard Große mit dem kläglichen Rest seiner Tomaten. Im ungeheizten Gewächshaus haben viele der Pflanzen den Frost nicht überlebt.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Gartenfreund Große stellt jetzt Kerzen im Gewächshaus auf, um an Tomaten zu retten, was zu retten ist. Vor lauter Angst bleiben auch die für die Terrasse gedachten Geranien bis nach den Eisheiligen unter Verschluss. Große hat die Kolonie 1982 mit aufgebaut. Er weiß aus 35-jähriger Erfahrung, dass im Frühjahr immer mal Frostschwaden durch den Klostergrund ziehen können. Dabei werden einige Parzellen arg getroffen, andere kommen ungeschoren davon.

So hatte Christel Lehmann von Parzelle 20 Glück mit ihrer Lage. Die Frostschäden halten sich in Grenzen. Ihre Erdbeeren scheinen noch einmal davon gekommen zu sein. Eine Magnolie hat es dagegen in der Blüte voll getroffen. Auch eine Kletterhortensie bekam die Minusgrade ab. Die Frage, ob der Pfirsich tragen wird, sieht die Gartenfreundin gelassen: „Der Garten ist unser Hobby. Zum Glück müssen wir vom Ertrag nicht leben.“ Auch mit dem unterkühlten Wetter arrangiert sich die Potsdamerin pragmatisch: „Man sich nur warm anziehen.“

Von Frank Bürstenbinder

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