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Lehniner Wehr bekommt ein neues Fahrzeug

Nach Tragödie auf der A2 Lehniner Wehr bekommt ein neues Fahrzeug

Die Freiwillige Feuerwehr Lehnin erhält 2018 ein nagelneues Feuerwehrfahrzeug des Typs, der bei dem tragischen Unfall am 5. September zerstört wurde. Damals waren zwei Feuerwehrleute gestorben. Ein Eklat Mitte November war der guten Nachricht vorausgegangen. Nun brachte ein Besuch des Ministerpräsidenten offenbar den Durchbruch.

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Das am 5. September zerstörte Einsatzfahrzeug (vorne) der Lehniner Feuerwehr bei einem Unfall im März 2016 auf der Autobahn 2.

Quelle: julian Stähle

Kloster Lehnin. Die Lehniner Feuerwehr erhält für das bei dem Unfall am 5. September auf der Autobahn 2 zerstörte Einsatzfahrzeug des Typs HlF 20 schnellstmöglich einen nagelneuen Ersatz. Das teilte der Sprecher des Landesinnenministeriums, Ingo Decker, am Donnerstag der MAZ mit. Auf den Hof der Feuerwache wird das Fahrzeug im Wert von rund 400 000 Euro 2018 rollen.

Bei dem Unfall waren zwei Feuerwehrmänner im Alter von 23 und 38 Jahren gestorben, Familienväter, die Kinder im Kleinkindalter hinterließen. Offenbar hat ein informeller Besuch von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) bei den ehrenamtlichen Feuerwehrleuten in Lehnin am Mittwoch den Durchbruch gebracht. An dem Treffen nahmen auch Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) und Bürgermeister Uwe Brückner (parteilos) teil.

Ministeriumssprecher Decker bestätigte, dass es „ein zweistündiges gutes Gespräch“ gab. „Lehnin rutscht mit oberster Priorität in die aktuelle Ausschreibung des Landes für Feuerwehrfahrzeuge“, sagte Decker. 2018 werde die Feuerwehr ein neues Fahrzeug des gleichen Typs wie das bei dem Unfall zerstörte Fahrzeug erhalten. „Wir tun, was geht, damit Lehnin ganz schnell ein ganz neues Fahrzeug erhält. Das Land macht alles, was es tun kann und das ist auch richtig so.“

Bis zur Auslieferung des Neufahrzeugs wird die Gemeinde Kloster Lehnin ein Fahrzeug gleichen Typs für die Feuerwehr anmieten. Nach Angaben von Bürgermeister Brückner wird die Kommune am Freitag dieses Hilfslöschfahrzeug übernehmen. Ab nächster Woche werde es einsatzbereit sein.

Die Tragödie von Lehnin

Am 5. September eilten ehrenamtliche Feuerwehrleute aus Lehnin zu einem Unfall auf der A 2.

In die Unfallstelle fuhr ein Lastwagen und schleuderte gegen ein Löschfahrzeug. Es fiel um und begrub zwei Feuerwehrmänner, die am Unfallort starben.

Das zerstörte Einsatzfahrzeug war das wichtigste aller Ortswehren der Gemeinde. Für die Anmietung eines Fahrzeugs kommt offenbar die gegnerische Versicherung auf. Die Kosten bezifferte die Gemeinde mit 3900 bis 7000 Euro monatlich.

Der guten Nachricht aus Potsdam war Mitte November ein Eklat vorausgegangen. Damals war die Empörung der Lehniner Feuerwehrleute öffentlich geworden über ein 17 Jahre altes Ersatzfahrzeug. Mit diesem vom Land gestellten Wagen sollten die ehrenamtlichen Retter zu Einsätzen auf der Autobahn 2 ausrücken.

Das Fahrzeug verfügt nicht einmal über Anschnallgurte für alle Sitzplätze. Auch die Technik ist mit der des HLF 20 nicht vergleichbar. So können mit der Ausstattung des Uralt-Fahrzeugs nicht zwei Personen gleichzeitig aus Unfallwracks befreit werden. Um eine Unfallstelle auszuleuchten, müssen mit der Technik des in die Jahre gekommenen Fahrzeugs zwei Männer den Lichtmasten in die Höhe kurbeln.

Mit dem bisherigen HLF 20 der Lehniner Feuerwehr konnte das ein Mann allein mit einem am Fahrzeug befestigten pneumatisch, also per Luftdruck ausfahrbaren Lichtmasten. „Dann müssen für diese Aufgabe nicht zwei Kameraden abgestellt werden, sondern nur einer“, erläuterte der amtierende Gemeindewehrführer Marko Riesenberg auf Anfrage der MAZ die Vorteile dieser Technik.

Der Kloster Lehniner Gemeindevertreter Peter Kamolz (Linke) sprach damals in der Gemeinderatssitzung öffentlich von „einer Frechheit“, dass das Land ein Uralt-Fahrzeug gestellt habe. Eine Welle der Empörung machte sich unter den Feuerwehrleuten im Land bereit.

Tatsächlich zeigte sich erst Wochen nach dem verheerenden Unfall, wie schwierig ein gleichwertiges Einsatzfahrzeug zu beschaffen ist. Brückner verwies auf die lange Bestellzeit für ein neues Fahrzeug von rund anderthalb Jahren. So lange dauert der Bau solcher Spezialfahrzeuge nach Bestelleingang. Durch den Fakt, dass Lehnin nun ein bereits ausgeschriebenes Fahrzeug erhält, wird diese Wartefrist erheblich verkürzt.

Finanziert wird der Kauf laut Decker durch einen Eigenanteil der Gemeinde Kloster Lehnin, einen Landeszuschuss und offenbar auch durch die Auszahlung der Restwertsumme der Kaskoversicherung. Noch vor wenigen Tagen, am 17. November, schien diese Lösung nur greifbar. An diesem Tag teilte Bürgermeister Brückner der MAZ mit, dass das Land prüfe, die Finanzierungslücke zu schließen. Er hoffe auf Aufnahme in das Beschaffungsprogramm für Feuerwehrfahrzeuge ab 2018. Tatsächlich ist es jetzt so gekommen.

Die Ortsfeuerwehr Lehnin ist als Stützpunktfeuerwehr eine der wichtigsten für den hiesigen Abschnitt der A 2. Von Jahresbeginn bis Ende September zählte die Polizei dort 356 Unfälle. 406 waren es 2016. Im Zusammenhang mit der Tragödie von Lehnin ist im Land auch eine Debatte entbrannt über die hohe Belastung ehrenamtlicher Feuerwehrleute, auf deren Schultern zumeist die Einsätze bei Unfällen auf Autobahnen im Land lasten.

Von Marion von Imhoff

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