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Brandenburg/Havel Leitersturz reißt Tierliebhaber aus dem Leben
Lokales Brandenburg/Havel Leitersturz reißt Tierliebhaber aus dem Leben
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16:18 02.12.2015
Rainer de Lima mit dem zweijährigen Alpaka Chico. Quelle: Foto: Privat
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Altbensdorf

Der erst im Frühjahr gekaufte Ford steht unter dem Carport. Die Arbeitssachen hängen im Vestibül über dem Stuhl. „Es ist als ob er jeden Moment durch diese Tür kommen würde“, sagt Rosie de Lima, die den tragischen Unfalltod ihres Mannes nicht fassen kann. Für Rainer de Lima, der am Montagnachmittag in der Lindenstraße von der Leiter gestürzt war und dabei offenbar schwere Verletzungen erlitt, kam jede Hilfe zu spät. Auch die Altbensdorfer sind schockiert. Die meisten wissen, dass das vor Jahren aus Berlin zugezogene Ehepaar auf seinem weitläufigen Gelände Alpakas hält.

Beim Säubern der Dachrinne ist es passiert

Der 67-Jährige wollte seiner Nachbarin Inge Adel, die im Haus gegenüber wohnt, beim Säubern der mit Lindenblättern verstopften Dachrinne behilflich sein. „Wir waren schon fast fertig als das Unfassbare geschah“, sagt die 75-Jährige, der es schwer fällt darüber zu reden. Obwohl die neue massive Alu-Leiter von de Lima, die er nicht bis oben erklommen hatte, einen Standfuß hat, habe die Rentnerin sie zusätzlich gehalten. Nach dem Sturz, den keiner so richtig rekapitulieren kann, ging alles ganz schnell. Sie habe laut um Hilfe gerufen, die Leiter losgelassen, die dann wohl umgefallen sei, und ihre Jacke unter den Kopf des am Boden liegenden Verunglückten gelegt. Nachbar Gottfried Amler aus der Lindenstraße 1 half ihr. „Wir haben ihn außerdem noch in die stabile Seitenlage gebracht.“ Eine junge Mutter, mit der sich Amler kurz zuvor gerade auf der Straße unterhielt, rief mit ihrem Handy sofort die Rettung an. Doch der Notarzt konnte nur den Tod feststellen. Die herbei geeilte Witwe und Inge Adel seien von einem Notfallseelsorger aus Bad Belzig betreut worden. Die genaue Ursache wird noch ermittelt. Wie ein Polizeisprecher sagte, sei ein so genanntes Todesermittlungsverfahren eingeleitet worden.

Die Unglücksstelle in der Lindenstraße war abgesichert. Quelle: Christian Griebel

In den schweren Stunden stehen der aus Indien stammenden Rosie de Lima, neben ihrer Familie, die aus London kommt und über die Feiertage bleibt, ihre Nachbarn bei. Einige von ihnen mussten selbst harte Schicksalsschläge verkraften. Auch darüber wurde gesprochen, als sie ihre Hilfe anboten. Inge Adel, die ihr früh beim Füttern der sieben Alpaka half, hat vor 30 Jahren ihren Mann und im vorigen Jahr einen ihrer beiden Söhne im Alter von 50 verloren. Mit nur 37 starb der Sohn von Carmen und Gottfried Amler an Leukämie. Fünf Jahre sei das jetzt her. Genauso wie der plötzliche Tod von Nachbar Arnold Hentschel, mit deren Familie Rosie und Rainer de Lima engen Kontakt haben. „Wenn die Hilfe brauchst, wir sind da“, so auch Rentnerin Edeltraud Jerichow, mit der Rosie de Lima die Sportgruppe besucht und die Apfelschalen für die Tiere vorbeibrachte.

Die 64-jährige Witwe kann sich den Unfall ihres Mannes nur so erklären, dass ihm auf der Leiter schlecht geworden ist oder er eine Herzattacke erlitten hat. Er habe schon vor ein paar Tagen über Müdigkeit und Unwohlsein geklagt, was beide auf das Wetter geschoben hätten. Der hilfsbereite 67-Jährige war ein Mann, der, wie er selbst von sich sagte, keinen Schmerz kennt. Den langwierigen Kampf gegen den Krebs hatte er gewonnen.

Tierpfleger war sein Traumberuf

„Wir sind zutiefst betroffen. Das Unglück tut uns furchtbar leid“, sagen Vize-Kitaleiterin Gabriele Czisch und ihre langjährige ehemalige Kollegin Rosemarie Adel. Mit den Kinder haben sie die Neuwelt-Kamele auf dem Nachbargrundstück beobachtet, Gras durch den Zaun geschoben und mit Rainer de Lima so manches Mal über Pflanzen und Tiere gefachsimpelt. Der gebürtige Berliner hatte 40 Jahre lang als Tierpfleger im Berliner Zoo gearbeitet, es schnell zum Revierwärter gebracht und vor allem Zebras und Antilopen betreut. Es war sein Traumberuf.

1997 ließ sich das Ehepaar in Altbensdorf ein Häuschen als Altersruhesitz bauen, pendelte anfangs noch zur Berliner Dienstwohnung und wurde im Dorf gut aufgenommen. Alpaka werden auf dem großen Grundstück seit 2005 gehalten. Mit „Sandona“ ging alles los, die im Zoo das Licht der Welt erblickte und die Rainer de Lima mit der Flasche aufpäppelte,weil deren Mutter eingeschläfert werden musste. Inzwischen sind noch Kaninchen dazu gekommen.

„Ob ich in Bensdorf bleibe oder zu meiner Familie gehe, weiß ich noch nicht“, sagt Rosi de Lima, die seit 39 Jahren in Deutschland lebt und über die Anteilnahme aus dem Dorf dankbar ist. „Einige Alpaka werde ich wohl abgeben müssen“, überlegt sie und erzählt eher für sich, dass sie den Bernhardinerrüden Rajah, der aus dem Indischen übersetzt kleiner Prinz heißt, ihrem Mann zu seinem 60. Geburtstag schenkte.

Von Claudia Nack

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