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Brandenburg/Havel Liebe zum Vinyl: Sammler hat 4500 Platten
Lokales Brandenburg/Havel Liebe zum Vinyl: Sammler hat 4500 Platten
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00:15 25.04.2017
Frank Gerstmann vor seinem Plattenregal mit seiner allerersten Scheibe. Quelle: Melanie Höhn
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Brandenburg/H

Wenn sich Frank Gerstmann entspannen will, schließt er die Augen, zieht blind eine seiner 4500 Platten aus dem Regal und spielt sie ab. „Das ist eine meiner Lieblingsbeschäftigungen: Ich lausche dann der Musik und denke mir oft: Wow, was für ein Klassiker“, sagt der 57-Jährige. Die Schallplatten stehen bei ihm nicht einfach nur herum, jede einzelne von ihnen hat er gehört, manche davon mehrmals. Sein kleines Musikzimmer ist sein Rückzugsort, wie er sagt. Über der Vinylsammlung stehen tausende CDs und ein altes Grammophon, neben dem Fenster hängen alte Schellack-Platten. Den Überblick über seine Musik verliert der Plattenliebhaber jedoch nicht. Alles hat sein System.

Mit 13 Jahren kaufte er sich in Eberswalde seine erste Scheibe, den Amiga-Sampler „Hallo Nr. 12“ für 16,10 DDR-Mark. Damals gab es in jeder Stadt einen Plattenladen – heute sind sie vor allem in Brandenburg eine Seltenheit geworden. In der Havelstadt gibt es keinen einzigen mehr. Neue Musik, darunter oft Raritäten, findet der Sammler auf Trödelmärkten in der Region oder in Sozialkaufhäusern, manchmal für weniger als einen Euro. Gerne fährt er auch auf Flohmärkte nach Berlin. Selbst im Urlaub kann er das Stöbern nicht lassen: Vor kurzem reiste er in die USA und brachte aus den Amoeba-Plattenläden in San Francisco und Los Angeles mehr als 30 Schallplatten mit nach Hause, darunter Scheiben von Bob Dylan oder Melanie Safka. „Natürlich im Handgepäck, so etwas gebe ich doch nicht auf“, sagt er.

Seit einiger Zeit beobachtet Frank Gerstmann einen Trend: Schallplatten finden wieder mehr Einzug in das Leben der Menschen und werden in Elektrogeschäften verkauft. Doch neue auf den Markt gekommene Exemplare kauft er selten. „Es gibt inzwischen eine richtige Masse an Platten, da ist es schwierig, die wirklich Guten herauszufiltern. Eine Schallplatte wird heute viel schneller auf den Markt geworfen als früher und teuer verkauft, man wird gerade zu überschwemmt“, sagt er. Auch Guido Deisler, Inhaber des Musicpoint Brandenburg, beobachtet eine steigende Nachfrage nach Plattenspielern. „Die Platte ist wieder im Kommen“, prophezeit er.

Für Frank Gerstmann hat Vinyl eine ganz besondere Faszination: „Die Cover sind mit Liebe gestaltet und man hört eine Scheibe 20 Minuten lang durch, ohne in Versuchung zu geraten, gleich auf den nächsten Titel umzuschalten“, erklärt er. „Man hetzt nicht weiter und wenn man sich die Zeit nimmt, entdeckt man tolle Sachen. Das entschleunigt, man genießt mehr.“ Seine Lieblingsmusik ist handgemachter Rock von Neil Young, Deep Purple, Led Zeppelin oder Genesis, von denen er fast alle regulären Studioalben sein Eigen nennt. Vom DDR-Label Amiga besitzt er aus dem Bereich Unterhaltung, Rock und Pop fast alle 700 Platten. „Irgendwann hatte mich der Ehrgeiz gepackt und ich wollte die Amiga-Platten aus dieser Sparte vollständig haben. Ich bin ein Freund des Ost-Beats wie ihn City, Karat, Karussell, die Puhdys oder Silly verkörpern“, sagt er. Aber auch Deutschrock, ungarische und polnische Beat-Musik oder Liedermacher-Musik von Heinz Rudolf Kunze gehört in seine Plattensammlung.

Seit vielen Jahren arbeitet der Brandenburger auch als DJ namens Ton-Art und hat bis zu 50 Auftritte im Jahr. Doch Frank Gerstmann legt nicht mit Vinyl auf, er arbeitet mit digitalen Dateien. Sein Ziel ist es, dass jede seiner Platten irgendwann digitalisiert ist – die Hälfte hat er schon geschafft. „Das ist viel Arbeit, jedes Lied muss nach der Aufnahme noch einmal einzeln nachkontrolliert werden“, sagt er. Als DJ findet er es praktisch, seine hunderttausenden Dateien auf einem Speichermedium, das so groß wie ein Buch, zu Familienfeiern in Brandenburg und Berlin zu tragen. Doch zu Hause ist für ihn die Platte unersetzlich.„Musik ist wie Therapie für mich“, sagt er und dreht den Song „Cyclone“ von seiner Lieblingssängerin Melanie Safka richtig laut.

Von Melanie Höhn

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