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Brandenburg/Havel Liederladen: Auf Tour mit Maurenbrecher
Lokales Brandenburg/Havel Liederladen: Auf Tour mit Maurenbrecher
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16:32 23.10.2017
Der Musiker Manfred Maurenbrecher bei seinem Auftritt im Brandenburger Fontaneklub. Quelle: Torsten Gränzer
Brandenburg/H

Die Lyriken eines Leonard Cohen haben ihn einst zum Schreiben verführt. Als Manfred Maurenbrecher an der Kasse in den „Gelben Salon“ des Fontane-Klubs in der Brandenburger Ritterstraße blickt, wird er wie ein zufällig Vorbeigehender gefragt, ob er „nur eben mal schauen“ möchte. Schließlich darf er doch ohne entrichteten Obolus zur Bühne gehen.

Oft möchte er wirklich nur mal schauen und reist nach Kuba, in die Ukraine und die USA, um sich ein Bild von den Menschen und ihrem Leben dort zu machen, was ihn letztendlich zu Liedern inspiriert. Dass er in der Stadt Brandenburg an der Havel kaum erkannt wird, scheint kein großes Unglück für ihn zu sein.

Faszinierender Künstler mit Beobachtungsgabe

Es gab nie einen großen Wirbel um Manfred Maurenbrecher, der neben den Songs seiner über 20 eigenen Alben auch für Spliff, Herman van Veen, Veronika Fischer, Ulla Meinecke und Katja Ebstein schrieb. Wolfgang Niedecken bezeichnete ihn als einen „der besten Texter in diesem unserem Lande“.

Den seit 1999 jährlich zusammen mit Horst Evers, Christoph Jungmann, Hannes Heesch und Bov Bjerg im Berliner Mehringhof-Theater aufgeführten kabarettistischen Jahresrückblick sahen im vergangenen Jahr über 14 000 Menschen.

Ein Kontrast zum Auftritt in der Havelstadt, bei dem nur knapp 20 den Weg an einem diesigen Abend zu ihm finden. Die jedoch kommen, weil sie wissen, was sie erwartet.

Zuhörer reisen sogar aus Hamburg an

Thomas Schubert reist in Begleitung direkt aus Hamburg an: „So wie er Bilder und Geschichten in Songs vermittelt, wo gibt es das noch in der Kunst?“

Es sind Manfred Maurenbrechers ureigener Charme und Wortwitz, die an diesem Abend Menschen zuhören lassen. Die Besucher begegnen einander, sich selbst und einem Künstler, der komplett auf verstärkende Technik verzichtet. Seine Stimme füllt den Raum. Die Leistung des Keyboards ist ausreichend, ein Klavier wäre die bessere Variante für sein intensives Tastenspiel gewesen.

Die Schwerpunkte des Programms liegen auf dem vorletzten Album „Rotes Tuch“ und dem aktuellen „flüchtig“. Manfred Maurenbrechers Begegnungen und Beobachtungen lassen den Eindruck entstehen, als würden sie im Moment des Vortragens stattfinden. Unwillkürlich zeigen sich Bilder vor dem inneren Auge, von Landschaften und den Protagonisten, die Reisende, sich Liebende, Kontrahenten, Proleten, Intellektuelle und manchmal alles in einem sind. Manch Erinnerung veröffentlicht der Liedermacher erst Jahrzehnte später.

Erlebnisse aus der Jugendzeit verarbeitet

Im Song „Schräge Straße“ erzählt er von einer Bekanntschaft beim Trampen im Jugoslawien der 70er-Jahre zu einer Zeit, als Moscheen noch neben Kirchen stehen durften und das Land den Frieden zwischen dem Töten erlebte. Eine kurze melancholisch-erotische Romanze, die letztendlich auf dem Weg nach Saloniki am Straßenrand stehengelassen wird, weil philosophische Betrachtungsweisen auseinandergingen.

„Zu früh“ thematisiert jemanden, der erkennt, dass die derzeitigen gesellschaftlichen Veränderungen gerecht seien, sie jedoch erst hätten kommen mögen, wenn er selbst bereits „über den Jordan ist“.

Befürchtete persönliche Veränderungen gibt Manfred Maurenbrecher im intimen Gespräch preis: „Ich werde mich damit abfinden müssen, nicht mehr auftreten zu können. Das ist eine ziemlich heftige Veränderung, die ich irgendwann vollziehen muss. Es gibt nichts schlimmeres, als zu merken, dass die Kräfte nachlassen und man sich das dann aber nicht eingesteht.“

Von Ermüdung offenbart sich an diesem Abend nichts. Der Künstler hat sichtlich Freude an dem, was er tut und beschreibt die Liebe zu seinem Beruf, zu dem er sich Ende der 70er-Jahre entschied, als er nahezu ohne Geld mit der Polit-Folk-Band „Trotz & Träume“ im Ruhrgebiet unterwegs gewesen ist.

Sympathische Geschichten

Die sympathischen Geschichten zwischen den Songs sind geistreich wie die vertonten Texte, die oft gesellschaftliche Stimmungen und entsprechende Gedanken dazu beinhalten. „Denken führt in Sackgassen, Reimen aber woanders hin. Die Dinge, die ich erarbeite, sind oft klüger als ich selbst.“

Er erzählt vom Wohnen in der Künstlerkolonie Berlin, die vor wahnwitzigen Mieten noch Bestandschutz hat, und nennt den BER „ein am Berliner Südrand entstehendes Museum für gescheiterte Technik“. In gewisser Weise bewundere er sogar Politiker, die nach gescheiterter Politik voller Mut und Selbstvertrauen im nächsten Wahlkampf „wieder an den Laternen hängen“.

Manfred Maurenbrecher reist schon lange durch die Welt und spiegelt sie einzigartig. Bis zum Ende möchte er nirgendwo ankommen, selbst flüchtig bleiben und sich keinen Hierarchien unterwerfen müssen.

Sein Publikum ist an diesem Abend bei ihm: still, nachdenklich, lachend, applaudierend.

Von Torsten Gränzer

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