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Brandenburg/Havel Linke wollen die Pille für Wildschweine
Lokales Brandenburg/Havel Linke wollen die Pille für Wildschweine
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15:22 06.02.2018
Es gibt zu viele Wildschweine in Potsdam-Mittelmark. Doch soll der Mensch in die natürliche Vermehrung eingreifen? Quelle: dpa
Mittelmark

Milde Winter, ein reiches Nahrungsangebot. Zwischen Havelland und Fläming explodiert die Zahl der Wildschweine. Dabei haben die Jäger im Jagdjahr 2016/17 mit 6128 erlegten Tieren eine Rekordstrecke erzielt. Im Jagdjahr zuvor liefen den mittelmärkischen Weidleuten 4841 Stück Schwarzwild vor die Flinte. Doch weder Abschüsse noch Wolfsrisse reichen aus, um das Risiko einer drohenden Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest in Grenzen zu halten. In dieser Lage macht die Fraktion Die Linke im Kreistag einen ungewöhnlichen Vorschlag. So bringt Fraktionssprecher Thomas Singer eine Geburtenkontrolle für Wildschweine ins Spiel. Mit der Pille für Bachen beschäftigt sich am 15. Februar der Kreisausschuss auf einer öffentlichen Sitzung. Am 1. März wird der Kreistag über eine entsprechende Beschlussvorlage entscheiden.

Danach soll sich die Kreisverwaltung über die Praktikabilität von Produkten zur Reduzierung der Fruchtbarkeit bei Wildschweinen informieren. Außerdem wird das Landratsamt aufgefordert zu prüfen, wie sich der Einsatz eines Verhütungsmittels überregional einsetzen lässt. Auch muss geklärt werden, wer die Kosten für die Wildschwein-Pille trägt. „Wir unterbreiten ein Diskussionsangebot, um vor dem Hintergrund der Afrikanischen Schweinepest auf die hohe Wilddichte reagieren zu können“, sagte Linken-Fraktionschef Singer der MAZ. Doch die anderen Parteien halten sich zurück. „Leider haben wir noch keine Verbündeten gefunden“, räumt der Sprecher der Linken ein. Selbst der Bauernverband, der die Zunahme der Wildschäden beklagt, bricht nicht in Jubel aus. Erst am kommenden Montag wird sich die Fraktion der Freien Bürger und Bauern auf einer Sitzung mit den Details des Antrages beschäftigen.

Jagd nur bei gutem Licht

Die Gesamtzahl von Wildschweinen in Potsdam-Mittelmark wird auf etwa 78 000 Stück gezählt. Die weidgerechte Jagd auf die Tiere ist in der Regel nur in der Abend- und Morgendämmerung, im Mondlicht oder allenfalls bei geringer Bewölkung möglich.

Die hohe Wilddichte wird beim möglichen Überschwappen der Afrikanischen Schweinepest von Tschechien auf Deutschland zum Problem. Je mehr Wildschweine in den Revieren unterwegs sind, je höher ist die Ansteckungsgefahr mit der tödlichen Seuche.

Der Landkreis bereitet sich seit längerem auf den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest vor. Zum aktuellen Krisenmanagement gehört die probeweise Anschaffung von Fanggittern und die Ausweisung von Stellplätzen für Container, um Tierkadaver aufzunehmen.

Der Landesjagdverband Brandenburg lehnt die Pille für Wildschweine schon mal ab. „Das geht gar nicht. Es gibt keine Kontrolle darüber, welche Tiere die in den Wald geschmissenen Hormonmittel wirklich fressen. Außerdem ist das eigentlich wertvolle Wildbret für den Verbraucher verloren“, gibt Geschäftsführer Matthias Schannwell auf Nachfrage zu Bedenken.

Thomas Singer, Fraktionssprecher der Partei Die Linke im Kreistag Quelle: MAZ

Das Papier der Linken geht über die Geburtenkontrolle hinaus. So soll sich das Landratsamt für eine Zulassung von Nachtzielgeräten an Jagdwaffen einsetzen. Mit an der Zieloptik gekoppelte Wärmebildkameras ließe sich in der Tat das Zeitfenster für die Jagd auf Wildschweine vergrößern. Doch Vize-Landrat Christian Stein (CDU) verweist auf die Zuständigkeit des Bundes. Es ist nämlich das Bundeswaffengesetz, das bislang solche technische Aufrüstung der Zieloptik verbietet. „Deshalb müsste das Land Brandenburg mit einer Bundesratsinitiative auf eine Gesetzesänderung hinwirken“, sagte Stein der MAZ.

Ferner sprechen sich die Linken für eine Ausdehnung der kostenlosen Trichinenuntersuchung auf Nachbarkreise aus, wenn Jäger aus Potsdam-Mittelmark dort jagen. Im Gegenzug soll Jägern aus anderen Kreisen Kostenfreiheit gewährt werden. Auch hier sieht die Verwaltung Probleme. „Wir haben keinen Einfluss auf die Gebührenpolitik in anderen Kreisen“, so Vize-Landrat Stein.

Von Frank Bürstenbinder

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