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Mädchenschreck bestreitet obszöne Gesten

Brandenburg an der Havel Mädchenschreck bestreitet obszöne Gesten

Der Angeklagte ist groß und kahlköpfig. Er steht als eine Art Mädchenschreck vor der Jugendstrafkammer des Landgerichts Potsdam. Dort wehrt er sich gegen eine Geldstrafe, die das Amtsgericht Brandenburg an der Havel wegen Beleidigung verhängt hatte. Er soll ein zur Tatzeit 16 Jahre altes Mädchen obszön belästigt haben.

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Quelle: dpa

Brandenburg/H. Der Angeklagte ist groß, kahlköpfig und 34 Jahre alt. Er steht als eine Art Mädchenschreck vor der Jugendstrafkammer des Landgerichts Potsdam. Dort wehrt er sich gegen die Geldstrafe in Höhe von 1600 Euro, die das Amtsgericht Brandenburg/Havel wegen Beleidigung verhängt hatte. Denn er soll ein zur Tatzeit 16 Jahre altes Mädchen in Brandenburg/Havel obszön belästigt haben.

Der Fall, den die Strafkammer verhandelt, ist auf den ersten Blick eher banal, zieht aber immer größere Kreise. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen einen der beiden Hauptzeugen, den Kumpel des Angeklagten. Ihn verdächtigt sie der Falschaussage vor Gericht und der Strafvereitelung, Deliktte, die strenger bestraft werden, als der eigentliche Vorfall am 14. November 2015.

An jenem Sonnabend wartet die 16 Jahre alte Jasmin an der Haltestelle Potsdamer Landstraße auf ihren Bus in Richtung Wust, sie will zur Arbeit ins Einkaufszentrum. Sie telefoniert mit ihrem Freund, als ein Auto an ihr vorbeifährt und der Beifahrer mit Finger im Mund eine obszöne Geste in ihre Richtung macht, so dass sie es „schon ein bisschen mit der Angst zu tun bekommt“, wie sie vor Gericht aussagt.

Kurz darauf habe der Wagen gewendet, sei auf der anderen Fahrspur an ihr vorbei gefahren, habe wieder gedreht und schließlich direkt neben ihr angehalten. „Steig ein, dein Bus ist jetzt da“, habe der Mann der obszönen Geste ihr nun zugerufen.

Das Mädchen bekommt erneut Angst, fordert die beiden Männer im Auto jedoch auf abzuhauen. Das tun der wiederholt vorbestrafte und nun erneut angeklagte Christian N. und sein Kumpel Gordon G., die aus Luckenwalde nach Brandenburg/Havel gekommen sind, um ein Auto zu kaufen.

Die junge Frau, die Christian N. im Gerichtssaal als Täter erkennt, zeigt den ihr damals noch Unbekannten an. Der Jugendrichter des Amtsgerichts Brandenburg verurteilt ihn im September 2016 in erster Instanz zu 1600 Euro Geldstrafe wegen Beleidigung. Da der 34-Jährige jedoch jede Schuld von sich weist, legt er gegen das Urteil Berufung ein.

Nach seinen Worten und denen seines Begleiters hat er das Mädchen keineswegs belästigt. Gewendet hätten sie nur, weil sie nicht mehr genau gewusst hätten, wo es zum Burger King am EKZ Wust ging, den sie noch von früher kannten. Sie hätten an der Haltestelle zwar kurz angehalten und die scherzhafte Bemerkung gemacht, sonst aber nichts.

Sein Begleiter bestätigt genau diese Angaben. Daraufhin fragt Richter Jörg Tiemann: „Finden Sie es angemessen als Männer von Mitte 30, ein allein an der Bushaltestelle stehendes Mädchen anzusprechen?“

Der Prozess in Potsdam wird neu aufgerollt, das nächste Mal mit vielen Zeugen, die einige Widersprüche aufhellen sollen. Denn strittig ist, wer Fahrer und wer Beifahrer war. Außerdem hatte das Mädchen ihren Widersacher zunächst als blond beschrieben und ihm auffallend schiefe Zähne im Unterkiefer bescheinigt. Dabei hat er zumindest aktuell eine Glatze und deutlich gerade Zähne.

Aussagen müssen beim nächsten Mal die Mutter und die Zahnärztin des Angeklagten, der Autoverkäufer in Brandenburg sowie zwei Polizisten sowie der Richter und die Staatsanwältin der ersten Instanz.

Von Jürgen Lauterbach

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