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Mahlenzien im Schockzustand

Nach dem Jagdunglück Mahlenzien im Schockzustand

Auch zwei Tage nach dem tödlichen Jagdunfall auf einem Feld knapp außerhalb des Dorfes Mahlenzien sind die 140 Bewohner immer noch geschockt. Der Todesschütze, der am späten Samstagabend seinen Jagdbegleiter erschossen hat, ist noch nicht vernehmungsfähig. Laut Polizei soll kein Alkohol im Spiel gewesen sein.

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Die Polizei untersucht den Ort, an dem die Schüsse fielen.

Quelle: dpa

Mahlenzienl. "Wir sind in einer Art Schockzustand“, sagt Karl-Dietrich Roth, Ortsvorsteher von Mahlenzien. Einen Tag nach den tödlichen Schüssen auf dem Feld knapp außerhalb des Dorfes war es am Montag ruhig auf den Straßen des 140-Seelen-Ortes. Roth: „Jeder grübelt zu Hause vor sich hin, denn man kennt ja beide.“

Beide – das sind der Unglücksschütze Adolf B. (73) und sein Opfer Jürgen W. (51) aus Mahlenzien. Beide Männer sind dick miteinander befreundet gewesen, waren fast jeden Tag zusammen. Tragischerweise auch am vergangenen Samstagabend, als sie kurz vor Mitternacht auf den Feldern jagten, obwohl sie das wegen ihrer fehlenden Jagdberechtigung nicht durften.

Ohrenzeugen wollen in jener fast mondhellen Nacht aus einiger Entfernung vier Schüsse vernommen haben – zumindest einer davon traf den Dachdecker und Familienvater Jürgen W. tödlich.

Soweit bisher bekannt streckte Adolf B. ein Wildschwein nieder und bat danach seinen Freund, den Transporter zu holen. Jürgen W. tat wie geheißen. Unklar ist, warum der Ältere sich so irren konnte und erneut feuerte. Weil er Geräusche am Rande des Maisfeldes wahrgenommen hatte, vermutete er offenbar ein zweites Tier und gab den tödlichen Schuss auf den 51 Jahre alten Mann ab, der mit neun Geschwistern in seinem Heimatdorf aufgewachsen ist und nun eine Ehefrau hinterlässt sowie eine Stieftochter, die mit ihrer Familie im gleichen Haus lebt.

645 registrierte Waffenbesitzer in der Stadt

  • 645 Bürger der Stadt Brandenburg haben nach Auskunft von Polizeisprecherin Jana Birnbaum derzeit die Erlaubnis, eine waffenscheinpflichtige Waffe zu besitzen. Die meisten von ihnen besitzen mehr als eine Waffe. Die Zahl der Waffenbesitzer ist laut Polizei relativ stabil.
  • Auch Erben sowie die Inhaber eines sogenannten kleinen Waffenscheins der zum Mitführen einer Schreckschusspistole, nicht jedoch zum Besitz anderer Schusswaffen berechtigt, fallen unter diese 645 Bürger.
  • Jeweils 170 bis 180 Sportschützen und Jäger sind in der Stadt Brandenburg registriert.
  • Gemeldet sind verschiedene Kaliber – sogenannte Langwaffen wie Büchsen und Flinten und Kurzwaffen wie Pistolen und Revolver.
  • Waffenbesitzer müssen laut Gesetz ein Bedürfnis nachweisen. Jäger weisen dies durch einen gültigen Jagdschein nach, Sportschützen durch eine Bescheinigung ihres Schießsportvereins.
  • 13 tödliche Unfälle mit Waffen gab es im Jahr 2011, berichtet Georg Baumann, Geschäftsführer des Landesjagdverbandes Brandenburg. Davon gehe einer auf die Jagd zurück. Baumann sagt: „Dank strenger Auflagen und guter Ausbildung ist das Jagen vergleichsweise sehr sicher.

Die Polizei hat den Unglücksschützen, der einen schweren Schock erlitt und im Asklepios-Klinikum behandelt wird, noch nicht vernehmen können. Wie es genau zu dem Unglück kam, ist daher noch nicht geklärt. „Alkohol war nicht im Spiel“, versicherte Polizeisprecherin Diana Jende gestern.

Die Polizei ermittelt gegen den 73 Jahre alten Mann, der vor etwa 50 Jahren nach Mahlenzien gezogen war, wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Nach bisherigem Erkenntnisstand waren nur die beiden Männer zur Tatzeit am Unglücksort.

Die Polizeisprecherin bestätigte gestern, dass beide Männer nicht im Besitz einer Jagderlaubnis waren. Daher prüfe die Polizei nun auch wegen des Verdachts der Jagdwilderei. Die Beamten haben das Jagdgewehr sichergestellt und prüfen auch, ob der gemeldete Sportschütze diese Waffe auch außerhalb seines Brandenburger Sportschützenvereins hätte führen dürfen. Zum Besitz der Waffe war der Sportschütze auf jeden Fall berechtigt.

Das Opfer Jürgen W. war im Dorf wegen seiner Hilfsbereitschaft bekannt. Er betrieb nebenher etwas Landwirtschaft. Daher besaß er viele Maschinen und war stets großzügig bereit, anderen Dorfbewohnern bei Bedarf damit auszuhelfen.

Von Jürgen Lauterbach

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