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Manfred Stolpe erzählt aus seinem Leben

Brandenburg an der Havel Manfred Stolpe erzählt aus seinem Leben

In seinen 81 Jahren hat Manfred Stolpe vieles erlebt und viel bewegt. Im Paulikloster sprach der Brandenburgische Alt-Ministerpräsident über Stationen seines Lebens, den Krieg und die Kontakten zum Staatssicherheitsdienst. Die Zuschauer im gut gefüllten Saal lauschten bedächtig.

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Nach der gut besuchten Lesung signierte Manfred Stolpe sein Buch.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Brandenburg/H. „Meine Stimmung ist wunderbar, nur meine Stimme ist jämmerlich“, sagte Manfred Stolpe (81) zu Beginn den zahlreichen Zuhörern, die am Mittwochabend in Archäologische Landesmuseum gekommen waren.

Der frühere Brandenburger Ministerpräsident stellte mit André Förster vom Verlag für Berlin-Brandenburg das gemeinsam entwickelte biografische Buch „Von Pommern nach Potsdam. Ein Leben im Gespräch“ vor. Um die hörbar angegriffene Stimme Stolpes ein bisschen zu schonen, las Förster einige Passagen aus dem Gesprächsband vor, in dem Stolpe in Interviewform auf sein Leben zurückblickt. Die Ausschnitte aus dem Buch lieferten jeweils eine kurze Einleitung zu den wichtigsten Lebensstationen, über die Stolpe gut gelaunt und mit zahlreichen Anekdoten erzählte.

Die Heimatstadt Stettin hat Stolpe im Alter von acht Jahren verlassen müssen. „Der Bombenkrieg und die Tieffliegerangriffe haben mir damals nichts ausgemacht, alles schien eher wie ein Abenteuer“, erinnerte sich Stolpe. Die Mutter hatte größere Sorgen und hörte heimlich englische Radiosender. „Dort verfolgte sie, wie die Russen immer näherkamen und beschloss: jetzt müssen wir über die Oder.“ Gelandet ist die Familie schließlich in Greifswald, wo Stolpe 1955 sein Abitur machte und dann zum Jura-Studium nach Jena ging.

Manfred Stolpe erzählt aus seinem bewegten Leben

Manfred Stolpe erzählt aus seinem bewegten Leben.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Bei der Obrigkeit eckte Stolpe so an, dass er bei der Berufslenkung, der staatlich gesteuerten Stellenverteilung, nicht berücksichtigt wurde. Seine Mutter hatte die rettende Idee und fragte bei der evangelischen Kirche an. „Sie hätte sowieso am liebsten gesehen, dass ich Pfarrer werde“, sagte Stolpe. Letztendlich blieb er auf der juristischen Seite und wurde Leiter der Geschäftsstelle der evangelischen Kirchen in der DDR.

Auf dem Posten nahm er oft eine Vermittlerrolle zwischen Staat und Kirche ein und kam schon in den frühen 60er Jahren mit der Stasi in Kontakt. „Wenn man für die Menschen, die aufgrund ihrer Kirchenzugehörigkeit sehr große Probleme hatten, etwas erreichen wollte, musste man sich auch mit solchen Leuten einlassen und das Gespräch suchen“, sagte Stolpe und äußerte sich zu den späteren Stasi-Vorwürfen gegen ihn. „Ich habe immer darauf geachtet, nie angebotene Privilegien anzunehmen.“ Die Durchsetzung der Menschenrechte und der Freiheit waren die Richtlinie, „um für die Kirche und Kirchenleute etwas rauszuholen“.

Dass er nach dem Ende der DDR der erste Ministerpräsident Brandenburgs werden würde, war wenige Monate zuvor nicht abzusehen. „Ich habe schnell gemerkt, dass man ohne Mitglied einer Partei zu sein, nicht wirklich gehört wird.“ Von Johannes Rau kam dann die Aufforderung als Spitzenkandidat bei der Landtagswahl anzutreten. Die politische Karriere, die am Ende auch noch als Verkehrsminister in die Bundespolitik führte, hat letztendlich auch gesundheitliche Spuren hinterlassen. „Aber ich wollte immer meine Pflichten erfüllen.“

Von Christine Lummert

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