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Brandenburg/Havel Der Flugfuchs und der Papagei
Lokales Brandenburg/Havel Der Flugfuchs und der Papagei
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08:21 01.08.2018
Absprung: Auch die Ferienlagerkinder aus Wittstock erleben den Sommer im Marienbad. Quelle: JACQUELINE STEINER
Brandenburg/H

Flucht vor der Hitze: Schon am Morgen zur Öffnungszeit des Freibades am Marienberg bilden sich lange Schlangen. Zwei Busse aus Ostprignitz-Ruppin laden ein ganzes Ferienlager von Kindern aus Wittstock und Neustadt (Dosse) ab. Und wieder wird ein Besucherrekord purzeln: Bislang war der 25. Juli der beste Tag mit 1611 Besuchern. Zum Vergleich im Juli 2017 kamen an einem Tag 1190 Gäste, im Jahr zuvor waren es am besten Tag 1094.

Was gibt es Besseres als mit dem Allerwertesten voran ins Wasser abzutauchen? Hunderte Kinder stürmten am Dienstagmorgen mit der Öffnung des Freibades im Marienbad ins kühle Nass.

Lars (7) weiß den Drei-Meter-Turm und die 80-Meter-Rutsche zu schätzen, „die bin ich auch schon auf dem Bauch runtergeschlittert“. Die Ausstattung gibt es am Riewendsee nicht, wo er sonst manchmal badet. Außerdem trifft er viele Freunde aus der Klingenberg-Grundschule hier. Tommy (11) kommt aus dem bayerischen Garmisch-Partenkirchen, im Marienbad war er schon ein halbes Dutzend Mal. Papa Olaf Märter kommt aus der Havelstadt, ist vor 20 Jahren weggezogen, auch seine Frau ist aus der Gegend. „Deshalb kommen wir einmal im Jahr zum Heimaturlaub hierher.“ Tommy ist begeistert von Rutsche, Sprungturm und Cabrio-Dach. „Wir haben auch ein Alpspitzbad mit Wellenanlage, aber hier ist alles viel größer. Außerdem ist das Wetter besser.“ Platsch, schon ist der Junge wieder im Wasser.

Trommeln gehört zum Handwerk

Mit einer ganzen Reihe von Marketing-Aktionen kurbelt Marienbad-Vermarkter Guido Schütz das Geschäft an.

So gab er über den Stadtsportbund an insgesamt 10.700 Vereinsmitglieder Eintrittskarten mit 20 Prozent Rabatt ab.

In den Paukerwochen bekamen 10.500 Kinder in der Region mit dem Zeugnis eine Zwei-für eins-Karte ausgehändigt.

An Kindergartenkinder gingen 5000 Freikarten. Da kommen immer die zahlenden Eltern mit, so die Überlegung.

Im September folgt eine 15-Prozent-Aktion mit Sportvereinen im Havelland und in Potsdam-Mittelmark.

Um den Saunabetrieb anzukurbeln, ist eine Gemeinschaftsaktion mit Real geplant: Ein Sauna-Paket im Präsentkorb mit Handtüchern, Peelingcreme und Eintrittskarte soll dort verkauft werden.

Schwimmmeister Sebastian Lucht beobachtet das Treiben durch seine Sonnenbrille. Er ist entspannt, muss niemanden zur Ordnung rufen. „Es klingt paradox, aber wenn weniger Menschen da sind, passiert mehr. Wenn es voll ist, passt einer auf den anderen auch besser auf“, erzählt er aus seinen Erfahrungen. Gleichwohl sei mehr Personal im Einsatz, für die besucherstärksten Zeiten wurde eine so genannte Mittelschicht von 11 bis 18.30 Uhr zusätzlich eingerichtet.

Guido Schütz ist seit April der Marketingchef im Marienbad. „Es kommen gerade viele Faktoren zusammen, die positiv auf die Besucherzahlen wirken: Unsere eigenen Aktionen, die Ferien, das Bombenwetter und die teilweise in den Freigewässern schon auftretenden Blaualgen.“ Das treibe die Gäste in die Anlage. Noch immer grüßt ein lebensecht aussehender Ara aus fünf Metern Höhe von einem riesigen Ahorn, das war nur einer von vielen frischen Marketingideen, die Schütz mitgebracht hat (siehe Infokasten).

Bei den Kindern am besten angekommen war das Sommerquiz, Schütz hat 1000 Quizkärtchen drucken lassen, die Kindern durften ausfüllen: Auf welchem Baum sitzt der Ara? Oder: Was ist die Lösung der Aufgabe an der Grottendecke im Funbad? Noch besser: Was ist orange und fliegt manchmal übers Marienbad? Der vorgeschlagene Flugfuchs ist es nicht, also muss es der Rettungshelikopter Christoph 35 sein. Als Gewinn gab es für jedes Kind ein Poster vom Marienbad-Maskottchen Balli.

Freuen können sich Annik und Dirk Rauh: „Ich stehe supergerne bei 40 Grad im Kiosk, für uns als Familienbetrieb ist dieser Sommer nach dem verregneten Vorjahr wichtig. Die Gäste haben auch Verständnis, wenn es mal nicht ganz so schnell geht.“ Annik Rauh hat Personal aufgestockt, beschäftigt auch Flüchtlinge aus Kamerun, Afghanistan und Syrien – teilweise zu dritt bedienen sie am Außenkiosk bis 20 Uhr. „Pommes und Eis sind die Renner. Natürlich auch Wasser und Bier, als Radler oder alkoholfreies Weizen meist.“ Da kann die Bistro-Chefin noch so tolle leichte Gerichte an die Tafel schreiben, sie verkauft derzeit 90 bis 100 Kilogramm Pommes frites am Tag. 180 Kartons Eis reichen höchstens vier Tage, der Tiefkühler selbst muss schon mit Eiswürfeln gekühlt werden, solche Schwerstarbeit verrichtet er. Und dann war da noch die Dame, die es mit dem Schöller-Eis-Aufsteller ganz genau nahm und darauf bestand, auch am Außenkiosk das „Big Sandwich“ zu erwerben. Am dritten Tag ließ sich Annik Rauh erweichen und stellte eine Kiste davon in den Kiosk. Die Dame kauft nun jeden Tag vier Stück davon und hat sich bei der Bistro-Chefin mit einem riesigen „Merci“-Herz bedankt.

Von André Wirsing

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