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Marienberg: Bas soll das Buga-Juwel pflegen

Umgang mit einem Gartendenkmal Marienberg: Bas soll das Buga-Juwel pflegen

Der Marienberg in Brandenburg an der Havel ist die wichtigste, schönste und größte öffentliche Grünanlage in der ganzen Stadt. Mit einem Riesenaufwand und vielen Millionen Euro sind Gartendenkmal und Bürgerpark zur Buga hergerichtet worden. Doch Fachfirmen sollen nun hinter der Bas zurückstehen.

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Die blühenden Buga-Gärten werden ab 2017 von Laien gepflegt.

Quelle: Astrid Israel-Krüger

Brandenburg/H. Die Arbeitsfördergesellschaft Bas soll ab dem kommenden Jahr den Marienberg komplett bewirtschaften. In einer zwölfseitigen Beschlussvorlage, die am Donnerstag erstmals im Wirtschaftsausschuss zu diskutieren ist, werden Argumente zusammengetragen, warum ausgerechnet das sensible Gartendenkmal als Pilotprojekt „Optimierung der Aufgabenwahrnehmung bei gleichzeitiger Integration von am Arbeitsmarkt benachteiligten Menschen“ herhalten muss.

Die Argumentation steckt allerdings auch voller Widersprüche. So heißt es an einer Stelle: „Zur Bewahrung und Sicherung dieser erreichten Qualität und Vermeidung neuerlicher Verluste durch unzureichende und unsachgemäße Pflegemaßnahmen bedarf es einer fach- und denkmalgerechten Parkpflege.“ Wenig später ist zu lesen: „Dies kann aus finanziellen Erwägungen heraus nicht auf Buga-Niveau fortgesetzt werden - nichts desto trotz soll der Park Verfall und Zerstörung entzogen werden.“

Argumentation voller Widersprüche

Die Bas soll sich nun um Grünpflege, Unterhaltung, Bewachung, Friedenswarte-Betreuung, Kulturveranstaltungen, einen Souvenirshop kümmern – und dafür eine eigene Abteilung gründen. Sowohl in dem von der Gesellschaft vorgelegten Konzept als auch im städtischen Beschlussvorlage mangelt es zwar nicht an Wörtern, dafür an Zahlen. Die Stadt kann nicht einmal sagen, ob es preiswerter oder teurer wird, die Bas einfach so zu beauftragen oder die Leistungen wie bisher auszuschreiben. Indirekt werden sogar mögliche Mehrkosten für eine Pauschalvergabe zugegeben, dafür spare man aber Verwaltungsaufwand.

Es gibt noch nicht einmal eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung, in der beispielsweise eine Eigenerledigung durch den Bauhof oder ein Beauftragen der Brandenburger Dienstleistungen BDL verglichen wird. Beide hätten den nötigen Maschinenpark. Schafft sich die Bas einen solchen erst an, muss sie nach Expertenschätzungen mindestens 100 000 Euro aufwenden – allein ein Rasenmäher in einer für den Marienberg angemessenen Größe kostet rund 25 000 Euro.

Bas muss immens viel Geld aufwenden

Auch das Argument des Integrierens von am Arbeitsmarkt benachteiligten Menschen wie Langzeitarbeitslosen, behinderten oder Flüchtlingen gilt nicht nur für die Bas. Eine für ein Integrationsprojekt sinnvolle Größe sind 30 Prozent von Stellen, die mit den benachteiligten Menschen besetzt werden. Das kann man auch als Vorgabe für Galabau-Firmen in eine Ausschreibung formulieren. Im Gegensatz zur Bas haben diese aber alle mindestens 70 Prozent Fachleute, die für die wertvollste Grünfläche der Stadt benötigt werden. Die Bas muss neu einstellen, etwa einen „Park-Gärtnermeister“, wie er im Konzept bezeichnet wird. Der Posten soll laut Insiderinformationen auch schon längst vergeben sein – an Lars Pekrul, ein ehedem selbstständiger Gartenbauer, zuletzt war er beim Klinik-Service-Center KSC angestellt.

Nicht betrachtet sind auch die Effekte auf die Grünflächenpflege in der Stadt und auf die etablierten Fachfirmen. Dort herrscht bereits Unruhe, aus Sorge um andere öffentliche Aufträge meldet sich keiner namentlich zu Wort. Doch sagen mehrere Firmenchefs übereinstimmend, sie müssten Personal entlassen, wenn die Bas in so großem Rahmen auf einem Feld agiert, auf dem sie den ersten Arbeitsmarkt gefährdet.

25 000 Slawendorf-Besucher

Die Bas GmbH ist seit mehr als 20 Jahren als kommunales, gemeinnütziges Unternehmen sowie Dienstleister in Arbeitsförderung und Strukturentwicklung tätig.

Um Arbeitsplatze und Beschäftigung für benachteiligte Menschen am Arbeitsmarkt wie Schwerbehinderte, Langzeitarbeitslose, Ältere, Alleinerziehende oder gesundheitlich beeinträchtigte Menschen zu schaffen, hat die Bas Projekte initiiert.

Erfahrungen gibt es mit dem Sozialen Kommunikationszentrum Hohenstücken, mit dem Alten Hafen und dem Alten Straßenbahndepot, mit dem Bürgerhaus Hohenstücken und dem Slawendorf Brandenburg mit dem Wasserwanderrastplatz.

Die Gesellschaft ist nach einem Sozial Audit Verfahren und nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV) zertifiziert.

Im Jahr 2015 haben unter anderem rund 25.000 Besucher die kulturellen Angebote des Slawendorfes wahrgenommen (ohne Besucher des Schankgartens).

Darüber hinaus gab es etwa 1.600 Anlege-Vorgänge am benachbarten Wasserwanderrastplatz.

Mit dem Bas-Konzept hat sich jetzt auch der Vorstand des sich seit Oktober in Gründung befindenden Fördervereins für den Bürgerpark Marienberg beschäftigt. Die Vorsitzende Margrit Spielmann ist in Kommunal- wie Bundespolitik erfahren genug, um beide Papiere erst einmal zu loben. „Der Bürgerpark soll ein Anziehungspunkt bleiben und helfen, das ,Sommermärchen Buga’ fortzusetzen. Die wichtigsten Punkte sind in den Vorlagen drin.“ Doch müsse genauer definiert sein, wie die Inklusion benachteiligter Menschen genau aussehen und gelingen soll. Zudem brauche der Verein „feste und verlässliche Ansprechpartner, das ist unabdingbar für eine Kooperation“.

Allerdings habe weder Verwaltung noch Bas vorher mit dem Förderverein gesprochen, eine Kooperation werde als selbstverständlich vorausgesetzt. Man wolle nun die Diskussion in den Ausschüssen und in der SVV genau verfolgen und daran die weitere Arbeit ausrichten – möglicherweise mit einem großen Tulpenfest im Frühjahr.

Von André Wirsing

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