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Brandenburg/Havel Markthändler werden zur Kasse gebeten
Lokales Brandenburg/Havel Markthändler werden zur Kasse gebeten
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16:07 06.07.2018
Wochenmarkt an der Katharienkirche Quelle: JACQUELINE STEINER
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Brandenburg/H

Unruhe, Menschen die angeregt miteinander plaudern, das gehört zu einem Wochenmarkt. Die neue Unruhe auf den Brandenburger Wochenmärkten ist anderer Natur. Händler auf dem Katharinenkirchplatz sind bisher alles andere zufrieden mit dem Marktbetreiber, der seit dem 1. Juli die Regie übernommen hat.

Die Deutsche Marktgilde berechnet die Marktstandpreise aus der Vogelperspektive. Nicht mehr der laufende Meter zählt, sondern der Quadratmeter Fläche, der genutzt wird, und sei es nur mit einem Sonnenschirm oder dem ausgeklappten Dach des Marktwagens.

Helmut Berlin und Erika Nowak. Quelle: Jürgen Lauterbach

Seit Monatsbeginn müssen Brandenburgs Markthändler pro Markttag deutlich mehr für ihren Stand bezahlen, manche sogar das Doppelte des bisherigen, mindestens aber 50 Prozent mehr, wie die MAZ-Marktumfrage an diesem Freitag ergibt. „Man macht mit den Händlern Faxen“, so formuliert es Sven Ferchland.

„So ein Theater habe ich noch nie erlebt“, sagt Helmut Berlin, mit 80 Jahren der wohl älteste Marktteilnehmer. Er schimpft nicht, dafür machen dem Honig- und Obsthändler die Tage mit seinem kleinen Stand neben der Katharinenkirche noch immer zu viel Freude. „Ich werde auch das verkraften“, versichert er.

Heiko Huth Quelle: Jürgen Lauterbach

Deutlich größer ist die Verärgerung über die Preissprünge bei Heiko Huth, Ines Thiede, Sven Ferchland und Fred Suhle, alle vier mit ihren Obst- und Gemüseständen beziehungsweise dem Honig und den Blumen sind sie Institutionen im Schatten des Kirchturms.

Ihr Problem ist berechenbar: die Erhöhung der Standgebühr von rund 21 auf etwa 37 Euro pro Tag oder von 27 auf fast 45 Euro. Auch der Toilettengang und der Preis für Strom seien vor einer Woche in die Höhe gegangen.

Sven Ferchland Quelle: Jürgen Lauterbach

Sven Ferchland, der in dritter Generation Honig zu Markte trägt, zahlt eigenen Angaben zufolge nun sogar das Doppelte. „Da klappt einem schon das Messer in der Tasche auf“, sagt der Mann aus Kirchmöser.

Im März noch habe ihm ein Stadtverordneter angekündigt, dass mit dem neuen Betreiber alles besser werde. Das kann Ferchland so wenig feststellen wie Huth, dessen Großmutter das Gemüse schon mit dem Wagen auf den Marktplatz kam.

Der Gartenbauer aus Weseram vermisst das Interesse der Stadt an ihren Markthändlern. „Man hätte doch vor der Vergabe wenigstens einmal mit uns reden können, worum wir gebeten haben“, sagt er und berichtet, dass er und andere sich bei der Stadt schriftlich für die bisherigen Betreiber Michael Kilian und Mike Minuth ausgesprochen hätten.

Deren Firma habe vor drei Jahren die Preise zwar auch erhöht, aber lange nicht in der Dimension. „Wir sind mit Kilian klar gekommen, er hat sogar dafür gesorgt, dass wir in den Weihnachtsmarkt integriert wurden“, lobt Heiko Huth.

Wie die Händler reagieren werden, ist noch nicht klar. Huth überlegt, den Samstag als Markttag zu streichen, Ines Thiede will womöglich auf den Donnerstag verzichten. Sven Ferchland will „parallel nach Alternativen schauen – es muss sich doch auch noch rechnen“.

Benny Hesselink Quelle: Jürgen Lauterbach

Sein Standnachbar ist mit den Marktbedingungen in Werder zufriedener. „Funktionierender Markt, dreifacher Umsatz und zehn Euro weniger“, fasst Blumenhändler Fred Suhle die Vorteile zusammen.

Benny Hesselink war darauf vorbereitet, dass es mit der Deutschen Marktgilde preislich „erst einmal eine andere Hausnummer wird“, weil er Ähnliches in Frankfurt/Oder schon mit erlebt hat.

Daran dass „Elfis Käsespezialitäten“ aus Werder immer freitags nach Brandenburg kommen, will er nicht rütteln. „Hier erzielen wir ein Drittel unseres Wochenumsatzes“, berichtet der Käsehändler, der die doppelte Standgebühr deshalb hinnimmt, wenn auch nicht gerade erfreut.

Gudrun Spalke Quelle: Jürgen Lauterbach

Ähnlich sieht es Gudrun Spalke aus Rädel, deren Stand mit Ölen, Aufstrichen klein ist. Sie lebt von Stammkunden und das soll auch so bleiben.

Eine zweite Sorge der Händler könnte sich demnächst erledigen. Angedroht ist, dass der Wochenmarkt im Dezember und Januar komplett schließen muss.

Einige Händler sprechen daher von Arbeits- oder Berufsverbot“. Die Deutsche Marktgilde mit ihrem Regionalleiter Sebastian Stahl will die Plätze auch im Winter bewirtschaften.

Verwaltung prüft Schließung

Die Verwaltung prüft den Vorgang nun, wie Fred Ostermann sagt, der in der Verwaltung für die Wochenmärkte zuständig ist. Die aktuelle Unruhe der Händler ist auch ihm nicht entgangen.

Die Standpreise seien aber bei der Vergabe der Konzession kein Kriterium gewesen, heißt es. Die Stadtverwalter vertrauen darauf, dass Betreiber und Händler sich verständigen werden. Denn auch der Betreiber stehe unter Druck. Er müsse eine Mindestzahl von Ständen auf dem Wochenmarkt erreichen. Wenn ihm Händler reihenweise davonlaufen, könnte er seinen Vertrag nicht erfüllen.

Die Deutsche Marktgilde hat bisher nicht reagiert auf die Fragen der MAZ zum Thema Preise und Winterschließung.

Von Jürgen Lauterbach

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