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Maschendraht wird zur Falle

Mehr Wildunfälle bei Groß Kreutz Maschendraht wird zur Falle

Eine rätselhafte Häufung von Wildunfällen hält die Jäger zwischen Groß Kreutz und Bochow (Potsdam-Mittelmark) auf Trab. Nach jedem Crash müssen die Waidleute Kadaver von den Straßen beseitigen oder verletzten Tieren nacheilen. Unfallursache sind Zaunanlagen der ehemaligen Obstproduktion.

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Vorsicht Wildwechsel: Klaus Mordhorst am alten Plantagenzaun zwischen Groß Kreutz und Bochow, vor dem es immer wieder zu Unfällen kommt.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Groß Kreutz. Eine rätselhafte Häufung von Wildunfällen hält die Jäger zwischen Groß Kreutz und Bochow auf Trab. Nach jedem Crash müssen die Waidleute Kadaver von den Straßen beseitigen oder verletzten Tieren nacheilen, um sie mit einem Gnadenschuss von ihren Qualen zu befreien. Vor allem Rehe und Wildschweine kommen auf der Landesstraße zwischen Groß Kreutz und Damsdorf sowie auf den beiden Verbindungsstraßen nach Bochow unter die Räder.

Klaus Mordhorst (79) von der Groß Kreutzer Jägerschaft berichtet von bis zu 30 Wildunfällen im Jahr in beiden Jagdbezirken. Normal waren einmal zehn Zusammenstöße, die für Menschen in der Regel glimpflich, aber oft nicht ohne Schock und Blessuren, ausgehen. Über die Summe der Blechschäden kann nur spekuliert werden. „Wenn nachts das Telefon klingelt, weiß ich schon Bescheid. Dann ist die Polizei dran“, berichtet der erfahrene Jäger, der immer einen Spaten im Auto hat.

Für Verwertung tabu

Unfallwild ist für eine Verwertung tabu. Jährlich geht den Jägern auf der Straße Wildbret im Wert von weit über 1000 Euro verloren. Die Kadaver müssen ausreichend tief in der Erde vergraben werden. „Im Sommer kein Problem. Aber buddeln sie mal einen dreijährigen Keiler im Dauerfrostboden ein“, so Mordhorst. Er und seine Jagdkollegen beklagen sich nicht über die Arbeit. „Unfallwild entsorgen gehört zu unseren Aufgaben. Aber gegen die Häufung hätten Behörden längst etwas unternehmen müssen“, beklagt sich Mordhorst.

Die Jäger haben den Hauptgrund für die vielen Wildunfälle zwischen Groß Kreutz und Bochow ausgemacht. Schuld sind alte DDR-Zaunanlagen aus den Zeiten der Obstproduktion. Die Apfelplantagen sind längst gerodet, der kilometerlange Maschendraht steht immer noch. Veränderte Äsungs- und Deckungsbedingungen führen zu einem vermehrten Überqueren der Straße. Neue Wildwechsel entstehen. Doch wenn Rehwild und Schwarzwild nicht gerade eine Lücke im Zaun oder ein offenes Tor entdeckt, irrt es vor den Zaunanlagen umher. Die Tiere geraten auf die Straße, gefährden sich und Kraftfahrer.

Schilder warnen vor Wildwechsel

Bereits vor einem Jahr hatten die Jäger das Landratsamt über die besorgniserregende Lage informiert. Bis auf einen Schriftwechsel tat sich lange Zeit nichts. Im Januar 2015 legten die Waidleute nach. An Heike Vierke-Eichler von der kreislichen Verkehrsbehörde richteten sie die Anfrage, ob erst ein größer Schaden oder menschliches Leid geschehen muss, um Abhilfe zu schaffen. Inzwischen warnen Verkehrsschilder vor Wildwechsel. „Das Problem ist damit nicht gelöst. Die Zaunanlagen müssen zurückgebaut werden“, fordert Jäger Mordhorst.

Rückendeckung gibt es von der Unteren Jagdbehörde. „Wir können die Sorgen der Jäger in diesem speziellen Fall nachvollziehen“, sagte Behördenleiter Torsten Fritz. Die Zäune hätten ihre Funktion verloren und erfüllten vielmehr einen Verbotstatbestand nach dem Naturschutzgesetz, so Fritz. Kreisweit sind die Wildunfälle eher rückläufig. Rund 800 Mal hat es im vergangenen Jahr in Potsdam-Mittelmark zwischen Mensch und Tier gekracht. Es gab schon Jahre mit über 1000 Unfällen.

Öffnung zugesagt

Doch mit dem Flächeneigentümer bei Groß Kreutz hat offenbar noch niemand gesprochen. Dabei handelt es sich um die Firmengruppe von Gerrit van Schoonhoven. Deshalb hat sich jetzt Gemeindebürgermeister Reth Kalsow (CDU) eingeschaltet. Der Landwirt sicherte dem Bürgermeister eine kurzfristige Reaktion zu. Danach soll der Zaun entlang der Straße zwischen der B 1 und Bochow an mehreren Stellen großzügig geöffnet werden, um dem Wild bessere Wechselmöglichkeiten zu bieten. Für Jäger Mordhorst lediglich eine erste Maßnahme, deren Effekt abzuwarten bleibe.

Von Frank Bürstenbinder

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