Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 5 ° wolkig

Navigation:
„Medienkompetenz sollte ein roter Faden sein“

MAZ-Schulreporter 2.0 „Medienkompetenz sollte ein roter Faden sein“

Christian Ziesmer ist Lehramtsstudent in Potsdam und schrieb seine Facharbeit über Mediennutzung im Unterricht. Mit ihm sprach die MAZ über die Medienkompetenz der Jugendlichen. Derzeit läuft das Projekt MAZ-Schulreporter 2.0 an 25 Schulen. An einer von ihnen absolviert der 32-Jährige sein Praxissemester und bezieht dabei die MAZ in den Schulstoff mit ein.

Voriger Artikel
Netto auf der Scholle öffnet am 29. November
Nächster Artikel
Silberstreif am Theaterhimmel

Christian Ziesmer ist Lehramtsstudent für Geschichte und Deutsch und unterrichtet in seinem Praxissemester noch bis Februar an der Gesamtschule Lehnin.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Lehnin. Der Potsdamer Lehramtsstudent Christian Ziesmer hat im Wintersemester 2016/ 2017 seine Facharbeit über Mediennutzung im Unterricht geschrieben. Damit ist er ein Fachmann für die Mediensozialisation von Jugendlichen und für das Projekt MAZ-Schulreporter 2.0, das seit anderthalb Wochen läuft.

Herr Ziesmer, Sie absolvieren ihr Praxissemester an der Lehniner Gesamtschule. Dort erhalten derzeit 149 Schüler für vier Wochen täglich die MAZ. Wie binden Sie die Märkische Allgemeine in den Unterricht ein?

Ich integriere zum Beispiel am Mittwoch die gescheiterte Jamaika-Koalition in den Unterricht, um die Weimarer Republik vorzubereiten. Dazu lasse ich die Schüler einen Artikel schreiben und als Vorlage nehmen wir MAZ-Artikel über die gescheiterten Jamaika-Gespräche. So lässt sich der aktuelle Lebensfeldbezug wunderbar schaffen.

Wie wichtig ist Medienpädagogik an Schulen?

Ich halte solche Projekte wie MAZ-Schulreporter für sehr wichtig, wie alle Projekte, die sich mit Mediensozialisierung beschäftigen.

Warum?

Medienkompetenz ist besonders für Jugendliche wichtig, weil sich in diesem Alter die Persönlichkeit bildet, es ist eine intensive Lebensphase, in der viel aufgesogen wird und die noch sehr unreflektiert ist. Das, was die Jugendlichen lesen, nehmen sie als wahr hin. Internet kann Meinungen und moralischen Einstellungen prägen. Da sehe ich die Gefahr, dass ohne Medienkompetenz Identitäten entstehen können, die in eine problematische Richtung tendieren. Der Erfolg populistischer Parteien ist auch durch Fake News möglich geworden.

Ein Niedersachse in der Mark Brandenburg

Christian Ziesmer ist 32 Jahre alt und wurde in Bremen geboren. Aufgewachsen ist er in Munster in der Lüneburger Heide. Dort arbeitete sein Vater als Bundeswehrsoldat und Kampfmittelbeseitiger. Ziesmer studiert in Potsdam, sein Lebensmittelpunkt aber ist die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover. Christian Ziesmer arbeitet als Tutor in einem Seminar für Geschichtsdidaktik und für das Theodor-Fontane-Archiv.

An dem medienpädagogischen Projekt MAZ-Schulreporter 2.0 nehmen noch bis zum 9. Dezember 25 Schulen in Potsdam-Mittelmark, Brandenburg, im Havelland und in der Stadt Potsdam teil. 1444 Schüler der 7. bis 10. Klassen erhalten vier Wochen lang jeden Tag eine eigene MAZ und behandeln diese im Unterricht.

MAZ-Schulreporter will Jugendliche wappnen gegen Fake News. Wie fördern Sie das?

Ich gebe den Schülern einen Kriterienkatalog dafür, schaut die Internetseite an, hinterfragt, ob das Kriterium der Aktualität erfüllt ist, also die Seite ständig aktualisiert wird. Gibt es ein Impressum?

Was macht eine seriöse Seite aus?

Bei privaten Webseiten leuchten bei mir schon die Alarmlampen auf. Wichtig ist die klare Quellenbenennung. Skeptisch sollte man sein, wenn die angebliche Nachricht plakativ, oberflächlich und mit aggressivem Ton verfasst ist. Internetseiten von Tageszeitungen wie der MAZ oder von Nachrichtenmagazinen wie dem Spiegel sind grundsätzlich seriös. Auch viele Institutionen haben auf ihren Seiten gut recherchierte Informationen. Ich lasse Schüler die Triftigkeit prüfen. Zeitungsartikel sind dafür super geeignet. Die sind relativ kurz gefasst, haben die wichtigsten Fakten, so etwas kann gut in den verschiedenen Jahrgangsstufen überprüft werden.

Wie sehen Sie die Möglichkeiten von Eltern bei der Medienerziehung?

Es ist gut, wenn Eltern Kindern eine Tageszeitung anbieten. Kinder nehmen selten eine Tageszeitung von selbst in die Hand und Schule kann nicht alles abfangen. Es ist auch ein klarer Auftrag für die Eltern. Es ist doch toll, wenn Kinder lernen, dass sie Nachrichten nicht nur aus dem Internet ziehen können, sondern auch aus einer Tageszeitung, in der sie nicht mal eben abgleiten können auf einen Youtube-Kanal. Die Kontrolle der Eltern, wie ihrer Kinder das Internet nutzen, könnte sicher oft verbessert werden. Eltern sollten auch sagen, ,jetzt lege das Smartphone mal für zwei Stunden weg. Hier hast du mal eine Tageszeitung oder ein Buch oder wir setzen uns an einen schönen Frühstückstisch’. In meiner Kindheit hieß es, jetzt bleibt der Fernseher mal ausgeschaltet.

Wie kamen Sie auf das Thema Ihrer Facharbeit?

Medienkompetenz ist so wichtig wie Schreiben und Rechnen. Ich finde es wichtig, wie wir Studenten ausgebildet werden, um Medienkompetenz zu vermitteln. Man hat festgestellt, dass es relativ wenige Lehrer gibt, die in ihrem Studium Medienkompetenz als Fach hatten oder dass Lehrer dazu solche Fortbildungen besucht haben. Die Nutzung von Smartphones muss im Unterricht kritisch hinterfragt werden. Ich behandele in der 9. Klasse das Thema Quellenarbeit, die Internet-Recherche aufgezeigt und den Schüler sagt, dass man nicht alles glauben darf, was im Internet steht. Die Lehniner Grund- und Gesamtschule hat da schon viel geleistet. Medienkompetenz zu vermitteln, sollte sich wie ein roter Faden durch alle Klassen an weiterführenden Schulen ziehen.

Was ist aus Ihrer Sicht der Gewinn des MAZ-Schulprojektes?

Dass wir Schüler wieder heranführen an Zeitungen, dass sie Papier in den Händen halten, dass sie das Medium Zeitung für sich entdecken und es auch wertschätzen, weil es eine relativ sichere Quelle ist. Internet als Medium ist einfach sehr präsent. Zeitungsartikel sind sehr gut in den Unterricht zu integrieren.

Alle sprechen vom digitalisierten Unterricht. Wie sehen Sie das?

Wenn ich nur noch auf einem IPad lese und nur noch mit einem Klick etwas markiere, bin ich der festen Überzeugung, dass Wissen nicht mehr so vermittelt wird. Etwas selbst aufzuschreiben, fesselt den Gedanken viel mehr, die Schreibweise wird überlegt, die Rechtschreibung. Über die Hand in den Kopf, so funktioniert es. Man bleibt viel länger an den einzelnen Wörtern dran. Das gilt auch für Zeitungen: Bei einer Zeitung blättert man vor und zurück und schaut sie erst mal durch, beim Internet klicke ich drauf und fliege kurz darüber.

Gibt es im Leseverhalten eigentlich Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen?

Bei Jungen stellt sich das Interesse, Bücher zu lesen, irgendwann fast vollständig ein. Einige finden es wieder. Die übrigen lesen nur noch im Internet. Bei Mädchen ist das anders. Die meisten lesen weiter auch gerne Bücher.

Von Marion von Imhoff

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Brandenburg/Havel

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg