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Meditatives Konzert: Bach auf dem Akkordeon

Brandenburg an der Havel Meditatives Konzert: Bach auf dem Akkordeon

Es steht außer Frage, dass das Akkordeon längst den Konzertsaal erobert, dass es sein Image eines Schmuddelkindes aus Schifferkneipe und Volksmusik verloren hat. Es muss eben hervorragend gespielt werden. So, wie Susanne Stock es in der Brandenburger Katharinenkirche vorgemacht hat.

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Das Konzert von Susanne Stock in St. Katharinen hatte einen eher meditativen Charakter. Die Besucherreihen waren gut gefüllt.

Quelle: Foto: Rüdiger Böhme

Brandenburg/H. Es steht außer Frage, dass das Akordeon längst den Konzertsaal erobert, dass es sein Image eines Schmuddelkindes aus Schifferkneipe und Volksmusik verloren hat. Bestens ausgebildete Musiker machen deutlich, wie facettenreich das Akkordeon klingen kann. Es muss eben hervorragend gespielt werden.

Die in Weimar lebende Susanne Stock, die an der Potsdamer Universität und an der Brandenburger Musikschule lehrt, war am Sonntagabend mit einem Solokonzert zu Gast in der St. Katharinenkirche. Der Altarraum war mit Zuhörern gut gefüllt. Man spürte, dass sie ein atmosphärisch dichtes Konzert erwarteten. Es erfüllte sich.

Susanne Stock musizierte nicht das erste Mal in der großen gotischen Kirche, die sich für das Instrument als günstig erwies. Die Musikerin zeigte nicht nur ihr großes Talent und ihre weitgehend technische Präzision, sondern mehr noch ihre musikalische Kreativität und Wandlungsfähigkeit. Sie weiß in ihrem Programm mit Leichtigkeit und Eindringlichkeit Musik aus drei Jahrhunderten auf dem Akkordeon zum Klingen zu bringen. Nur den Choralbearbeitungen „Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen“ und „O Welt, ich muss dich lassen“ von Johannes Brahms fehlte der weite romantische Atem.

Die Instrumentierungen von Werken Johann Sebastian Bachs sind so verschieden wie die Geschmacksrichtungen des Menschen. Vom originalen Cembalo oder Orgel über den modernen Flügel, Streichtrio mit und ohne Live-Elektronik bis hin zu verschieden dimensionierten Orchesterbesetzungen reicht die Auswahl der Bearbeitungen. Das Akkordeon hat Bach ebenfalls erobert. Das sagt etwas über die Verschiedenartigkeit der Vorlieben, belegt aber auch die Wahrheit der alten Feststellung, dass Besetzungsfragen Bachs Musik im Grundsatz zunächst wenig anzuhaben

Susanne Stock beim Konzert

Susanne Stock beim Konzert

Quelle: Rüdiger Böhme

vermögen.

Susanne Stock musizierte mit feinsinniger Klanggebung zunächst den immer wieder beliebten Ohrwurm „Jesu bleibet meine Freude“, dann die kunstvolle Choralbearbeitung „Nun komm der Heiden Heiland“ sehr farbig. Man hatte den Eindruck, die Werke würden von der Künstlerin auf der Orgel musiziert. Die „Königin der Instrumente“ und das Akkordeon sind sowieso verwandter, als es Feinschmeckern recht sein mag. Beide sind Balginstrumente und werden über Tasten bedient. Das Akkordeon ist eine Art „Bauchorgel“, in der Klanggrundierung der großen Schwester ähnlich, nur gestaltungsfähiger.

Auch Bachs Goldberg-Variationen waren auf dem Akkordeon gut aufgehoben. Sehr plastisch vermochte die Musikerin die Aria und sieben Variationen zu spielen, so dass der Hörer die polyphonen Strukturen wunderbar nachvollziehen konnte. Aber auch die tiefen Dimensionen machte sie bewusst.

Das Konzert in St. Katharinen hatte einen eher meditativen Charakter. Die virtuosen Passagen wurden von Susanne Stock nicht vordergründig vorgetragen, sondern klangen zurückhaltend. Teilweise Verspieltes stand mit dem 2011 entstandenen Stück „Brummen, Kreiseln“ von Benjamin Schweitzer auf dem Programm. Die im Notentext vorhandenen brummenden Tiefen und die in sich selbst kreisenden Tonketten des Kreisels musste die Musikerin mit ihrer musikalischen Fantasie zu einem Ganzen führen. Das fiel Susanne Stock hörbar nicht schwer und der Besucher hatte sicherlich dabei seine eigenen Assoziationen.

Abschließend kamen drei Stücke des Argentiniers Astor Piazzolla zum Zuge: feierlich, nachdenklich und fröhlich.

Von Klaus Büstrin

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