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Brandenburg/Havel Medizinstudenten lernen jetzt praktisch
Lokales Brandenburg/Havel Medizinstudenten lernen jetzt praktisch
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02:15 23.03.2017
Emma (6) interessierte sich auch schon für die tollen Puppen der Medizinstudenten. Quelle: Jürgen Lauterbach
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Brandenburg/H

Die Medizinische Hochschule Brandenburg (MHB) nimmt Fahrt auf an ihrem Standort Brandenburg/Havel. Am 10. April beginnen 46 Medizinstudenten ihr insgesamt fünftes Semester und das erste auf dem Campus im ehemaligen Nicolaischulgebäude. Dort übergab die Bürgerstiftung Brandenburg am Montag 50 000 Euro High-Tech-Puppenmodelle, an denen der Ärztenachwuchs lernt, wie sich kranke Herzen und Lungen anhören.

Aus eigenen Mitteln könnte die private Brandenburger Medizinhochschule sich „Sam“ und die anderen teuren Simulationsmodelle nie leisten, betont der Studiendekan und Professor für innere Medizin Internist Wilfried Pommerien.

Der Stiftungsvorsitzende Frank Robby Wallis überreichte den 50 000-Euro-Scheck an den MHB-Geschäftsführer Martin Pangritz und die Brandenburger Klinikum-Geschäftsführerin Gabriele Wolter.

Die Summe setzt sich aus 15 000 Euro Eigenmitteln der Bürgerstiftung und 35 000 Euro Spenden zusammen, die Privatpersonen und Unternehmen beigesteuert haben. Sie unterstützen damit die praktisch orientierte Ärzteausbildung an den Hochschulstandorten Brandenburg/Havel und Neuruppin.

Dazu gehört ein sogenanntes „Skills Lab“. In diesem Lehrraum erfahren die Studenten mit Hilfe von lebensnahen Simulationsmodellen, wie sie verbreitete Krankheiten erkennen und behandeln können. Herzstück der durch Spenden ermöglichten Ausstattung ist „Sam“, eine in den USA entwickelte Unterrichtsfigur, die laut Pommerien „vollgestopft ist mit Elektronik“.

Sam kann normale und Krankheitsgeräusche simulieren, die vom Herzen, von der Lunge und vom Oberbauch ausgehen. Die Studenten lernen zum Beispiel die verschiedenen Herzrhythmusstörungen zu erkennen.

Die Trainingspuppe lässt sich auf einen sehr dicken Menschen ebenso einstellen wie auf einen ganz sportlichen. Zwei dieser Untersuchungsmodelle hat die MHB von dem Spendengeld angeschafft, außerdem sechs sehr gute Mikroskope, wie Pommerien berichtet.

Brandenburger Start mit den Sinnesorganen

Das Medizinstudium an der MHB beginnt in Neuruppin. Nach vier Semestern wechseln die Studenten nach Brandenburg/Havel.

Im April kommt die erste Studentengeneration – 46 Frauen und Männer – nach Brandenburg an den Nicolaiplatz.

Im ersten Semester des Hauptstudiums befassen sie sich mit den Sinnesorganen, stehen die Fachgebiete HNO, Augenheilkunde und Neurologie im Vordergrund.

Die Gynäkologie, Hormone und Sexualität sind die folgenden Studienschwerpunkte.

Die MHB ist eine private Hochschule. Sie wird inzwischen getragen von 23 Kliniken, wie Studiendekan Wilfried Pommerien berichtet. Eingebunden in die Lehre sind Ärzte dieser Kliniken, vor allem aus Neuruppin und Brandenburg.

Damit ist die Wunschliste für das MHB-Kabinett noch längst nicht abgearbeitet. Und da beim jüngsten Ärzteball noch einmal 4000 Euro zusammengekommen sind, ist der Grundstock für die nächste Anschaffung schon gelegt.

Allein 100 000 Euro kostet der „Simulationsturm“, an dem die angehende Ärzte sogenannte knopflochchirurgische Eingriffe lernen, also Operationen, bei denen der Körper nicht großflächig aufgeschnitten wird, sondern die Chirurgen mit ihren feinen Instrumenten durch eine kleine Körperöffnung zur erkrankten Stelle gelangen.

Weil dieses Trainingsmodell veränderbar ist, können Frauenärzte, Chirurgen und Orthopäden damit arbeiten. Schon am 19. Mai beginnen die ersten Kurse zu den orthopädischen Knopflochtechniken. Für die Gebursthilfe lassen sich verschiedene Geburtslagen simulieren und somit auch die Geburt eines Kindes. Die von Bürgern gesponserte Ausstattung ist nicht ausschließlich der Hochschulausbildung vorbehalten. Mit einem vergleichsweise einfachen Modell können Bürgerinnen beim Tag der offenen Tür der MHB am Sonntag, den 9. April in Berührung kommen. Fachärzte werden ihnen anhand des lebensnahen Brustmodells zeigen, wie sich Veränderungen im Gewebe selbst ertasten lassen.

„Wir möchten unsere Ausstattung auch dafür nutzen, die Bevölkerung für bestimmte praktische Hilfen zu schulen“, sagt Studiendekan Pommerien. Zum Selbstverständnis der Medizinhochschule gehöre es, die Vorbeugung von Erkrankungen ins Zentrum zu rücken.

Am Montag nach dem Tag der offenen Tür geht es auf dem Nicolai-Campus los für die 46 jungen Leute, die bisher in Neuruppin studiert haben. „Wir freuen uns sehr, jetzt nach Brandenburg zu kommen“, versichert Geschäftsführer Pangritz.

Von Jürgen Lauterbach

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