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Brandenburg/Havel Wildschweinfleisch-Preise fallen in den Keller
Lokales Brandenburg/Havel Wildschweinfleisch-Preise fallen in den Keller
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13:13 26.02.2018
Die Rekahner Wildhändler Olaf und Elke Andert mit Wildschwein-Wurst aus ihrem Hofladen.  Quelle: JACQUELINE STEINER
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Reckahn

 Die niedersächsische Landwirtschaftsministerin appelliert an die Bürger: „Leute, esst Wildschwein!“ In Mecklenburg-Vorpommern haben die Jäger schon Angst, Wildschweine für die Abfalltonne zu schießen.

Hintergrund ist der bundesweite Aufruf an die Jägerschaft, angesichts des befürchteten Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest, massiv Schwarzkittel zu bejagen und die Abschussquote drastisch zu erhöhen.

Bei Wildhändler Olaf Andert aus Reckahn ist die Wildschweinfleisch-Schwemme in diesem Maße noch nicht angekommen. Doch auch er bekommt mittlerweile zehn Prozent mehr Wildschwein von den Jägern angeboten als in den Vorjahren.

„Bei gut 50 Tieren die Woche liegt meine Kapazitätsgrenze“, sagt der 49-Jährige. Nur so viele Tiere könne er den Jägern abnehmen. Er lasse jedoch keinen Jäger im Regen stehen, sondern verweise notfalls auf andere Wildhändler.

Bauernverband fordert drastische Abschussquote

Der Deutsche Bauernverband fordert den Abschuss von 70 Prozent der Wildschweinpopulation. Karl-Heinz Hohmann, Vorsitzender des Jagdverbandes Brandenburg an der Havel, nennt das „Aktionismus. Die Forderung ist utopisch.“ Er selbst habe im aktuellen Jagdjahr, das im März zu Ende geht, etwa acht Wildschweine geschossen.

Das seien 50 Prozent mehr als im zurückliegenden Jagdjahr. Dass die Brandenburger mehr Wildschwein essen würden, glaubt Hohmann nicht. „Wer bisher kein Wildschwein gegessen hat, wird es auch künftig nicht tun.“

Der erfahrene Waidmann beklagt auch den Preisverfall für Wildschweinfleisch. Davon lasse sich weder die Patrone noch der verfahrene Sprit bezahlen, wettert Hohmann.

Keine Schonzeit mehr für Wildschweine

Politik und Bauern üben Druck auf Jäger aus: Die sollen mehr Wildschweine schießen, um einen Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland zu verhindern.

Die für Schweine tödliche Infektionskrankheit ist für Menschen ungefährlich. Sollte die bisher in Osteuropa auftretende Tierseuche in Deutschland ausbrechen, drohen Milliardenschäden für Schweinehalter, die Fleischindustrie und ein Exportverbot. Einen Impfstoff gibt es nicht.

Die amtierende Bundesregierung verstärkt Vorkehrungen gegen einen Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland. Dafür soll die Schonzeit für das Jagen von Wildschweinen aufgehoben werden, wie eine am Mittwoch vom Kabinett beschlossene Verordnung vorsieht.

Bisher ist die Jagd auf Schwarzwild nur von Mitte Juni bis Ende Januar erlaubt - für jüngere Tiere bis zwei Jahre aber schon ganzjährig.

Während die Reckahner Wildhändler pro Kilo Wildschwein im Schnitt 1,20 Euro an den Jäger zahlen, wie Elke Andert sagt, nehmen einige Wildhändler in der Uckermark oder der Lausitz kein Wildschwein mehr an. Davon jedenfalls berichtet Karl-Heinz Hohmann.

Andernorts werde nur noch 50 bis 60 Cent pro Kilo gezahlt. Elke Andert sagt: „Warum soll ich an der Preisschraube drehen. Es ist ein hochwertiges Produkt und die Nachfrage ist da. Preislich haben wir keine Einbußen.“ Hohmann nennt 1,20 Euro je Kilo „einen ordentlichen Preis“.

Keine Absatzprobleme bei Wildschweinfleisch

Etwa 50 bis 70 Prozent des Wildfleisches, das in Anderts Wildhandel verkauft wird, stammt vom Schwarzkittel. „Der Verbraucher liebt Wildschwein.“ Es sei wegen seines höheren Fettgehaltes im Vergleich zu Reh und Hirsch geschmacksintensiver.

Olaf und Elke Andert betreiben seit 2010 den Wildhof am Weinberg in Reckahn. Mittlerweile beschäftigt das Ehepaar vier Mitarbeiter, davon sind zwei gelernte Schlachter.

2017 hat der Betrieb 1200 Stück Wild verarbeitet, davon 700 Wildschweine. „Wir merken schon, dass mehr Strecke gemacht wird und damit mehr Wildschwein auf dem Markt ist“, sagt Andert.

Sogar aus anderen Bundesländern fragen ihn Jäger an, ob er noch Fleisch annehme. „Dass beißt sich jedoch mit unserem Konzept der regionalen Vermarktung, deswegen sagen wir da: Halt, Stopp.“

Bei zunehmendem Mond kommen mehr Jäger zu Anderts

Um die Vermarktung mache er sich keine Sorgen. Das, was sein Betrieb an Wurst und Fleisch herstelle, könne er auch absetzen. „Unsere Verbraucher fragen größtenteils nach Wildschwein.“

300 bis 500 Kunden zählt der Betrieb pro Monat. Bei zunehmendem Mond und in der Hauptsaison von September bis Ende Januar„fahren uns täglich die Jäger an“. Entweder kaufen Olaf und Elke Andert das Fleisch auf oder sie veredeln im Auftrag des Jägers für dessen Eigenbedarf das Fleisch.

Aus einem Wildschwein macht das Andert-Team Braten, Wiener, Knacker, Sülze, Bratwurst, Jagdwurst und Mett. Die Flut an Fleisch fordert auch neue Rezeptideen wie jenes für Leberkäs. „Wildschwein ist die Hauptwildart, die die Jäger auch für den Eigenbedarf verwerten“, sagt der Wildhändler.

Angesichts des hohen Jagddrucks auf Schwarzkittel befürchtet Andert, dass die Ethik auf der Strecke bleibt. Er sei in der Nacht zuvor jagen gewesen und hätte vier Wildschweine mit neun Frischlingen vor die Flinte bekommen, berichtet Andert.

Das Muttertier konnte er nicht klar erkennen: „Dann ist für mich klar, dass ich die Kugel nicht aus dem Lauf lasse.“

Dass der Wildschweinbestand zugenommen habe, liege an den milden Wintern. „Hauptproblem ist aber die Agrarpolitik, dass die Landwirte gar nicht mehr produzieren, um uns zu ernähren, sondern ihre Biogasanlagen zu füllen.“

Mais und Raps auf großen Flächen fördere den Wildbestand: „Das ist wunderbare Mast bis weit in den Winter.“ Er warnt davor, „eine Tierart auszurotten. In zwei Jahren haben wir die nächste Tierkrankheit.“

Von Marion von Imhoff

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