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Brandenburg/Havel Menschenhändler muss in den Knast
Lokales Brandenburg/Havel Menschenhändler muss in den Knast
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07:34 29.09.2016
Zeigte vor Gericht keinerlei Reue und stritt bis zum Schluss alles ab – der nun verurteilte Ungar Jenö L. Quelle: Julian Stähle
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Brandenburg an der Havel

Acht Jahre muss der Ungar Jenö L. (55) im Gefängnis dafür büßen, dass er einer jungen Frau aus Brandenburger/Havel das Leben jahrelang zur Hölle gemacht hat. Die 4. Strafkammer des Landgerichts Potsdam verurteilte ihn am Mittwoch wegen mehrfachen schweren Menschenhandels. Besonders schwer wog, dass er die Frau in einen Selbstmordversuch getrieben hat.

Das Martyrium der heute 27 Jahre alten Ungarin endet kurz vor Weihnachten 2013 im Hilton-Hotel im englischen Manchester. Der vorsitzende Richter Axel Gerlach spricht von einem „Showdown“ in der Nobelherberge.

Showdown im Luxushotel – Prostituierte wird von Freund befreit

Annemarie G., seit Jahren schon zur Prostitution in vielen Ländern Europas gezwungen, soll an jenem 21. Dezember 2013 einen Freier im Hilton der nordenglischen Stadt treffen. Was ihr Zuhälter, der Menschenhändler Jenö L., nicht weiß: Der Freier meint es gut. Er ist ein Freund ihres Partners aus Brandenburg an der Havel. Beide Männer sind heimlich gekommen, um die junge Frauen aus den Fängen ihres Peinigers zu befreien. Jenö L. sieht also mit an, wie die beiden Retter Annemarie G. vor dem großem Hilton-Publikum in ihre Obhut nehmen. Danach fliegen alle drei nach Berlin. Das Ticket ist schon gebucht. Der Zuhälter setzt sich daraufhin ohne seine Prostituierte in die ungarische Heimat ab. Doch schon bald sitzt er in Auslieferungshaft und seit April 2014 in einem deutschen Untersuchungsgefängnis.

Bestrafung wegen Vergewaltigung nicht möglich

Jenö L. wurde wegen dreier Delikte verurteilt. Laut Gericht ist er schuldig, Annemarie G. In jugendlichem Alter auf den Strich geschickt zu haben. Er wurde außerdem verurteilt wegen Zuhälterei in Bremerhaven und Berlin.

Am schwersten wiegen bei der Strafzumessung die vier Fälle von schwerem Menschenhandel, deren Opfer seine einstige Partnerin Annemarie G. wurde.

Nicht verurteilt wurde der Angeklagte wegen der Zuhälterei und der Vergewaltigungen in fremden Staaten. Dazu reicht die deutsche Strafgewalt nicht.

Der Angeklagte muss die Kosten des Verfahrens tragen. Die Richter haben beschlossen, zu diesem Zweck 33 000 Euro seines Vermögens einzuziehen (zu arretieren), denn sie vermuten Einnahmen aus seiner Zuhälterei.

Gegen das Urteil ist die Revision möglich.

Die Flucht aus England ist bereits die zweite Hilfsaktion für die Ungarin. Bereits einige Monate vorher schafften sie und ihr Brandenburger Partner es, Jenö L. zu entkommen. Der Zuhälter hatte seine Einnahmequelle derart zusammengeschlagen, dass sie keinem Freier in Deutschland mehr anzubieten war. Er fliegt daher mit ihr im September 2013 nach Ungarn, wo er sie unter schlimmsten Drohungen gefangen hält. Er fürchtet, dass sie zu ihrem Brandenburger Arzt entkommt, der sie auf dem Berliner Straßenstrich kennen- und liebengelernt hatte.

Zuhälter entführt die Frau und bedroht sie mit einem Messer

Annemarie G. verabreicht ihrem Zuhälter ein Schlafmittel und nutzt dessen vorübergehende Schwäche, um in die Arme ihres Liebsten zu flüchten, der im Nachbarort schon auf sie wartet. Beide reisen ab nach Brandenburg.

Der gewalttätige Ungar gibt aber nicht auf, spürt sie in der Wohnung des Arztes in Brandenburg auf und entführt sie mit vorgehaltenem Messer nach Ungarn. Trotz ihres Selbstmordversuchs und Krankenhausaufenthaltes muss sie von dort wenige Tage später wieder mit ihm nach England fliegen, wo er sie bis zum 21. Dezember täglich vergewaltigt und wieder auf den Strich schicken will.

Nach fünf Jahren Zwangsprostitution, Schlägen, gemeinen Drohungen gegen sie und ihre Familie lebt Annemarie G. inzwischen mit ihrem Partner in Brandenburg. Das Urteil und seine Begründung verfolgten am Dienstag beide. Jenö L. hatte bis zuletzt alles abgestritten.

Von Jürgen Lauterbach

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