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Brandenburg/Havel Menschenhandel auf dem Straßenstrich
Lokales Brandenburg/Havel Menschenhandel auf dem Straßenstrich
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02:15 11.02.2016
Jenö L. auf dem Weg in den Gerichtssaal. Quelle: Julian Stähle
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Brandenburg/H

Der 54 Jahre alte Ungar, der eine in Brandenburg lebende Landsfrau jahrelang zur Prostitution gezwungen und mit ihr schweren Menschenhandel getrieben haben soll, muss im Falle eines Schuldspruchs mit einer härteren Strafe rechnen als der Anklage bisher zu entnehmen war. Das ergab der 23. Verhandlungstag im Prozess gegen Jenö L. am Montag im Landgericht Potsdam.

Möglich erscheint nun einer Verurteilung wegen 19 Verbrechen und Vergehen. Der Staatsanwalt hatte zwei Straftaten angeklagt.

Als Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung bezeichnet es das Strafgesetz, wenn jemand die Zwangslage oder die Hilflosigkeit eine Frau in einem fremden Land ausnutzt, damit sie ihren Körper an Freier verkauft, sie somit zur Prostitution gezwungen wird.

Genau das soll Jenö L. in der Zeit zwischen November 2008 und Dezember 2013 in Bezug auf Elena B. 26, Name geändert) getan haben. Der Ungar, der seit mehr als einem Jahr in der JVA Brandenburg in Untersuchungshaft sitzt, bestreitet sämtliche Tatvorwürfe.

Sexuelle Ausbeutung und elf Vergewaltigungen

Staatsanwalt Peter Mitschke stützt die Anklage in wesentlichen Teilen auf die Aussagen von Elena B. (Name geändert). Demnach ging sie für den deutlich älteren Angeklagten, der zeitweise eine Art Partner für sie war, mehrere Jahre lang in Deutschland und anderen europäischen Ländern auf den Strich. Er kassierte.

Als sie im Jahr 2013 aussteigen wollte, übte er massiven Druck auf die Frau aus, schlug sie bis zur Bewusstlosigkeit zusammen, drohte damit, die Tochter ihrer Schwester ebenfalls auf den Strich zu schicken. So lauten die Vorwürfe

Richter Axel Gerlach, Vorsitzender der 4. Strafkammer des Potsdamer Landgerichts, listete am Montag 19 Straftaten auf, wegen denen Jenö L. verurteilt werden könnte, falls das Gericht dem Opfer Gauben schenkt. Dazu zählen mehrere Fälle des schweren Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung, mehrere Fällen von Zuhälterei, Körperverletzung, Raub und elf Vergewaltigungen.

So übel zugerichtet, dass kein Freier die Frau haben wollte

Der Konflikt zwischen dem mutmaßlichen Zuhälter und seiner mutmaßlichen Prostituierten spitzte sich von Mai bis Dezember 2013 zu. Im Juni 2013 soll der Angeklagte Elena B. so übel zugerichtet haben, dass kein Freier sie haben wollte, als sie auf dem Straßenstrich in der Berliner Bülow- beziehungsweise Kurfürstenstraße unterwegs war.

In diese Zeit fällt aber auch ihre Bekanntschaft zu dem Brandenburger Arzt, der sich in die Ungarin verliebte und ihr half, aus den Fängen des Zuhälters zu entkommen, mit dem sie inzwischen zusammenlebt. Allerdings gelang die Flucht der Darstellung Elena B.’s zufolge endgültig erst, nachdem Jenö L. sie im Dezember 2013 nach Nordwestengland verschleppt hatte. In Blackburn und Bolton habe sie abermals als Prostituierte anschaffen sollen.

In die Zeit vom 10. bis 19. Dezember fallen die elf vorgeworfenen Vergewaltigungen. Danach überrumpelte der Brandenburger Arzt den mutmaßlichen Zuhälter und rettete seine Partnerin. Der Prozess wird fortgesetzt.

Gericht ist bei Zeugen aus Ungarn ziemlich machtlos

Der Strafprozess gegen Jenö L. (54) hat am 14. Juli 2015 begonnen. Das lang andauernde Strafverfahren leidet daran, dass etliche Zeugen Ungarn sind, die zum Prozess geladen werden, jedoch nicht erscheinen.

Die deutsche Justiz hat keine Handhabe, etwa mit Hilfe von Ordnungsgeldern oder polizeilichen Vorführungen dafür zu sorgen, dass Zeugen aus dem Ausland zu einem Gerichtsprozess erscheinen.

Eine für Montag geladene Zeugin, die Ex-Ehefrau des Angeklagten, hatte zugesagt, nach Potsdam zu kommen. Doch sie machte das Versprechen wie andere Zeugen vor ihr nicht wahr. Ihre Erklärung: Der Sohn des Angeklagten habe sie nach Deutschland fahren sollen, habe sie aber nicht abgeholt. Seine Telefonnummer besitze sie nicht, daher befinde sie sich weiterhin in Ungarn.

Einige ungarische Zeugen, darunter auch die Ex-Frau von Jenö L., haben sich bereit erklärt, an Audio-Video-Konferenzen teilzunehmen. Sie würden dann in ein Gericht ihres Heimatlandes geladen und dort im Beisein eines ungarischen Richters per Videokonferenz von Potsdam aus befragt.

Solche Video-Zeugenvernehmungen sind für den 23. und 24. Februar vorgesehen. Richter Gerlach sieht derzeit aber noch organisatorische Hürden.

Die Ex-Ehefrau soll etwas dazu sagen, ob Jenö L. sie früher ebenfalls auf den Strich geschickt hat. Andere Zeugen wie der Neffe des Angeklagten sollen etwas über die Vorgänge in England wissen und womöglich bezeugen, dass Jenö L. dort nur zum Einkaufen und keineswegs als Zuhälter und Vergewaltiger aktiv war.

Jenö L. möchte aus der U-Haft heraus mit seinem Sohn telefonieren. Das Gericht erlaubt das aber nicht, weil er seinen Sohn dazu bringen könnte, Druck auf Zeugen auszuüben.

Von Jürgen Lauterbach

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