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Brandenburg/Havel Menschenmassen überrennen Görzke
Lokales Brandenburg/Havel Menschenmassen überrennen Görzke
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09:29 28.03.2016
Günther Heinrich töpferte den Besuchern in Görzke etwas vor. Unter seinen geschulten Händen entstanden Töpfe und Krüge. Quelle: Silvia Zimmermann
Görzke

Unheimlich wurde es Peter Ludwig beim Töpfermarkt am Wochenende. Görzke war komplett zugeparkt. „Es sind so viele Menschen gekommen, das gab es noch auf keinem Markt“, meinte der Organisator des jährlichen Spektakels hin- und hergerissen. Menschenströme, so weit das Auge reichte, marschierten auf die Breite Straße zu. Ganz offensichtlich lockte der herrliche Sonnenschein wieder tausende Besucher aus nah und fern in den Handwerkerort. Die Mengen reihten sich in lange Schlangen ein und schoben sich langsam und bedächtig an den rund 70 Ständen mit Töpfern aus ganz Deutschland vorbei.

Förderverein organisiert

Görzke ist ein Töpferort mit einer langen Geschichte. 1706 schlossen sich die Töpfer des Dorfes zu einer Innung zusammen. Sie belieferten die umliegenden Dörfer und Städte mit ihren Tonwaren. In den 1950-Jahren wurden in der örtlichen VEB Tonwarenfabrik Puppen produziert – unter anderem das Sandmännchen. Die Produktion wurde nach der Wende eingestellt.

Längst veranstaltet der Förderverein Görzke den Töpfermarkt, den es mittlerweile seit 22 Jahren gibt. Der Einladung folgen in der Regel 60 bis 70 Töpferwerkstätten aus ganz Deutschland. Käufer haben angesichts des riesigen Angebots die Qual der Wahl. Tausende Besucher sind für die Görzker zu den Osterfeiertagen nicht ungewöhnlich.

„Du darfst hier nicht stehen bleiben, immer weiterlaufen.“ – „Aber ich möchte doch etwas sehen.“ Sätze, die immer wieder zwischen den sich vorwärts schiebenden Menschenmassen zu hören waren. Wer seine Lieblingskeramik entdeckte, hatte es in diesem Jahr schwerer. Kauflustige nahmen jedes Keramikteil genau unter die Lupe. Denn eine markante Vase oder ein besonderer Topf können Entscheidungen für eine kleine Ewigkeit sein. Clara Bandelow und Catharina Hoffman aus Berlin schauten sich Geschirr von der Keramikwerkstatt „Königsblau“ aus Schmerwitz an. „Mir gefällt das Königsblau so gut. Die Farbe verleiht Klarheit und erinnert mich ans Meer. Ich besuche diesen Töpfermarkt seit meinem 14. Lebensjahr. Meine Oma Regina Reif aus Belzig fuhr jedes Jahr mit mir hierher. So entstand meine Leidenschaft für den Töpfermarkt. Sogar mein kleiner Sohn hat bereits eine kleine Tasse zum Trinken aus Görzke“, berichtete Catharina Hoffmann.

Rund 70 Stände waren in Görzke aufgebaut. Quelle: Silvia Zimmermann

In diesem Jahr kam die 29-jährige Musikerzieherin in Begleitung der Großmutter und Mutter Claudia. „Ich trinke jeden Tag aus einer königsblauen Tasse, sagte diese. Clara Bandelow entschied sich für das grüne Geschirr mit blauer Pigmentierung. „Dieser Farbton erinnert mich an Urlaub. Jedes Jahr kaufe ich ein paar Stücke hinzu“, sagte die Studentin. Renate Friedrich aus Glienecke fand in der Masse auch ihren Lieblingskeramiker. Sie entschied sich für vier kleine Schalen von der Töpferei Peter Krause aus dem thüringischen Hermstedt. „Ich kaufte im letzten Jahr bei ihm bereits vier Tassen. Die Farbgebung in Schoko-Vanille gefällt mir sehr gut“, sagte Friedrich. Tochter Nicole entschied sich für einen Kartoffeltopf.

Clara Bandelow, Catharina Hoffmann, Claudia und Regina Reif am Stand von „Königsblau“ aus Schmerwitz. Quelle: Silvia Zimmermann

„Die Menschen waren interessiert. Es kamen viele langjährige Kunden. Und es wurde gut und gezielt gekauft“, lobte Peter Ludwig den Verlauf des zweitägigen Marktes. Neben den Keramiken wurden auch verschiedene andere heimische Produkte wie Bienenhonig, selbst gemachte Seifen, Obst, Kerzen, allerlei Gartengeräte und Pflanzen angeboten. Nicht nur die Töpfer und Händler waren zufrieden, auch die Besucher des Marktes.

Die Vielfalt der Keramikwaren war auch in diesem Jahr wieder riesengroß. Quelle: Silvia Zimmermann

Einziger Wermutstropfen bei so großer Nachfrage: Der Besucheransturm brachte in Görzke zeitweise den fließenden Verkehr zum Stehen. Die Ortsdurchfahrt der Bundesstraße 107 wurde von unvernünftigen Autofahrern zugeparkt, so dass die Polizei eingreifen musste.

Von Silvia Zimmermann

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