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Metzgersohn will CDU-Landrat werden

Wahl in Potsdam-Mittelmark Metzgersohn will CDU-Landrat werden

Am 25. September ist in Potsdam-Mittelmark Landratswahl. Für die CDU steigt Franz Herbert Schäfer (57) aus Schenkenberg in den Ring. Der Bewerber will die Kreisverwaltung bürgerfreundlicher machen. Von noch größeren Einheiten im Zuge einer Kreisgebietsreform hält der Familienvater nichts.

Ziesar. „Ich weiß, welche Mühe es macht, bis ein Pfund Fleisch auf den Tisch kommt. Sollte ich Landrat werden, trete ich als Freund der Landwirtschaft auf.“ Sätze wie diese kommen an beim bodenständigen Publikum. Der Sohn eines Metzgers, Gastwirts und Bauern aus dem Siegerland verweist gerne auf seinen Stallgeruch. So wie beim jüngsten Verpächtertreffen der Fiener Agrargenossenschaft in Ziesar. Der CDU-Ortsverband hatte den zehnminütigen Auftritt von Franz Herbert Schäfer (CDU) bei einer Feierstunde des Unternehmens eingefädelt. Die Landbesitzer quittieren dessen Bekenntnis zum ländlichen Raum, wo die Schulen erhalten bleiben sollen, die ärztliche Versorgung stabilisiert und das Internet schneller gemacht werden muss, ohne Euphorie aber mit höflichem Applaus.

Schäfer möchte am 25. September von den Mittelmärkern zum neuen Landrat gewählt werden. Als Personaldezernent am Brandenburger Oberlandesgericht hat er es seit 20 Jahren mit 1300 Mitarbeitern zu tun. „Ich traue mir deshalb die Führung von 1000 Leuten in der Kreisverwaltung durchaus zu“, ist der katholische Christdemokrat überzeugt. Dass man es schaffen kann, Menschen mit unterschiedlichen Auffassungen zur friedlichen Koexistenz zu bewegen, hat Schäfer hinlänglich bewiesen. Er ist seit 2008 Vorsitzender der Gemeindevertretung in Groß Kreutz (Havel), eine Kommune mit einer heillos zerstrittenen Vorgeschichte.

Bewerber fährt Motorrad

Die Direktwahl zum Landrat findet am 25. September 2016 statt. Es bewerben sich Amtsinhaber Wolfgang Blasig (SPD), Franz Herbert Schäfer (CDU), Klaus-Jürgen Warnick (Die Linke), Sven Schröder (AfD) und Andreas Schramm (Piraten). Die Grünen und die FDP verzichten auf einen Kandidaten.Für die Kreistagsabgeordneten von Potsdam-Mittelmark endet die aktuelle Wahlperiode erst 2019.

Bewerber Franz Herbert Schäfer (CDU) wurde am 3. September 1959 im Siegerland geboren. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne. Seit 1996 wohnt er in Schenkenberg. Beruflich ist Schäfer Personaldezernent beim Oberlandesgericht Brandenburg. Er bekleidet zahlreiche Ehrenämter. Hobbys: Motorrad, Schach, Tischtennis, Kartenspiel, Politik und Geschichte.

Was er anders machen würde als der sozialdemokratische Amtsinhaber Wolfgang Blasig? Frischen Wind könnte der auf mehrere Dienstorte verteilte Behördenapparat gebrauchen. Schäfer will Mitarbeiter zu mehr Mut bei Genehmigungsverfahren ermuntern. Bei Abwägungen sollen Ermessensspielräume besser ausgenutzt werden. „Schluss mit der Salamitaktik und den teilweise rüden Umgangsformen. Im Zweifel für den Antragsteller“, überschreibt der Landratsbewerber sein Wahlprogramm. Auf die Erfahrungen und Wahrnehmungen der Führungskräfte möchte Schäfer freilich nicht verzichten. „Ein Verwaltungschef kann unmöglich alles regeln, aber er kann Stimmungen aufnehmen. Das vermisse ich bei Wolfgang Blasig. Der jetzige Landrat ist nicht im Bewusstsein der Bevölkerung“, meint Schäfer. Vor allem im Altkreis Brandenburg lässt sich Blasig auffallend gern von seinem in Pritzerbe lebenden Stellvertreter Christian Stein (CDU) vertreten.

Doch auch Schäfer hat ein Problem: Über Groß Kreutz (Havel) hinaus, wo der Bewerber mit seiner Familie im Ortsteil Schenkenberg lebt, ist er der Öffentlichkeit so gut wie unbekannt. Deshalb entdeckt der CDU-Bewerber Potsdam-Mittelmark gerade für sich. Von Ziesar bis Kleinmachnow ist Schäfer Gast bei Podiumsdiskussionen, Festen, Zusammenkünften und Parteiveranstaltungen. Seine wichtigste Zwischenbilanz: „Es macht mir eine große Freude viele Orte von der Havel bis zum Hohen Fläming kennenzulernen. In unserem Landkreis haben die Menschen ein gutes Lebensgefühl. Ich betrachte es als reizvolle Aufgabe Potsdam-Mittelmark weiter voran zu bringen.“

Einer Kreisgebietsreform mit noch größeren Einheiten steht Schäfer skeptisch gegenüber. Der Landratsbewerber sieht keine überzeugenden Einspareffekte. Bei noch mehr Fusionen hätten die Verwaltungen über lange Zeit nur mit sich zu tun, befürchtet Schäfer gegenüber der MAZ. Auch von einer Einkreisung der Stadt Brandenburg hält der CDU-Mann nichts. „Die Havelstadt hat ihre Besonderheiten und spezifischen Interessen, die man berücksichtigen muss“, ist Schäfer überzeugt.

Welche Chancen er sich bei der Landratwahl am 25. September ausrechnet? Immerhin steht hinter Amtsinhaber Blasig die bevölkerungsreiche Hausmacht des sogenannten Speckgürtels mit Kleinmachnow, wo der SPD-Verwaltungschef lange Jahre Bürgermeister war. So leben in der Region Teltow-Kleinmachnow-Stahnsdorf etwa 70 000 Menschen. Doch Schäfer macht eine andere Rechnung auf: „Das ist eine Zahl, die allein nicht zum Sieg reicht. Die Landratswahl wird auf dem Lande entschieden.“

Von Frank Bürstenbinder

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