Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg/Havel Miese Preise: Breite Taxi-Front gegen die AOK
Lokales Brandenburg/Havel Miese Preise: Breite Taxi-Front gegen die AOK
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:23 02.04.2018
Krankenfahrten gehören zum täglichen Geschäft der Brandenburger Taxifahrer. Doch für die AOK fahren sie nicht oder nicht gern. Denn die Kasse zahlt so schlecht. Quelle: JACQUELINE STEINER
Anzeige
Brandenburg/H

Oft sind sich die Taxiunternehmer in Brandenburg/Havel nicht einig. Doch in einem Punkt sprechen sie mit einer Stimme. Nämlich wenn von der Krankenkasse AOK die Rede ist.

Sie zahle für Krankenfahrten ihrer Versicherten so mies, dass es zum Himmel schreit. Manche Firmen fahren daher nicht mehr für die AOK. Andere erfinden Ausreden, um die unattraktiven Touren zu vermeiden.

Taxifahrer nimmt keine Neu-AOK-Kunden mehr

Peter Müller (Name geändert) ist noch Vertragspartner der AOK. Der Taxifahrer übt den stillen Protest. Seine alten AOK-Kunden fährt er noch. Doch wer neu ist, den will er nicht haben. Er sagt solche Fahrten ab, begründet das damit, dass er in der fraglichen Zeit besetzt sei.

Dabei hat Peter Müller gar nichts gegen AOK-Versicherte. Sie tun ihm sogar leid. Denn sie könnten ja nichts dafür, dass sich die Tour mit ihnen hinten und vorne nicht rechnet. Peter Müller gibt ein Beispiel: Er steht mit seinem Wagen am Hauptbahnhof, ein AOK-Kunde ruft ihn zum Görden, um zum Arzt in die Innenstadt gebracht zu werden.

AOK bezahlt nur die besetzte Fahrt

Womöglich kann der Kunde schlecht laufen, doch die Arbeitszeit läuft trotzdem. Müller ist etwa 40 Minuten unterwegs, bekommt aber nur die besetzte Fahrt bezahlt. Die AOK Nordost vergütet den ganzen Aufwand mit 9 Euro. Soviel ist ihr eine „einfache“ 5-Kilometer-Krankenfahrt wert so wie auch eine fünf Kilometer lange Tour zur Dialyse, zur Chemo- und Strahlentherapie und zur Tagesklinik.

Stadt kann die AOK nicht in die Plicht nehmen

Taxifahrer in Brandenburg/Havel, die Vertragspartner der AOK Nordost sind, werden von der Kasse gemäß „Preisvereinbarung für gehfähige Krankenfahrten ab 1.1.2015“ bezahlt.

Die AOK Nordost unterliege nicht der Rechtsverordnung der Stadt über die Beförderungsentgelte (Taxentarifordnung), teilt Ordnungsamtschef Michael Scharf mit. Es existiere keine Rechtsgrundlage, welche die AOK Nordost verpflichten würde, sich bei der Ausgestaltung ihrer Sondervereinbarungen an der Taxentarifordnung der Stadt zu orientieren.

In den nächsten Monaten sind laut AOK Nordost Gespräche mit den Brandenburger Vertragspartnern hinsichtlich einer Vergütungsanpassung geplant.

Die Ersatzkassen zahlen mehr, denn sie orientieren sich im Gegensatz zur AOK an der verbindlichen Taxitarifordnung der Stadt. Danach kostet die 5-Kilometer-Tour 17,50 Euro – ein Unterschied von 8,50 Euro. Legt ein Taxifahrer 20 Kilometer für die Krankenfahrt zurück, ist er bei den Ersatzkassen mit 39,50 Euro im Boot. Die AOK gewährt je nach Erkrankung 25 oder 28 Euro.

„Die AOK-Tarife, da schüttelt’s ’ne Kuh“, sagt Karola Kaufmann, die mit ihrem Vater Harald Schlund das kleine Taxiunternehmen am Laufen hält. „Für die AOK zu fahren wäre ein Minusgeschäft für uns, deshalb gehen wir den Vertrag mit ihr nicht ein.“

Taxifahrer sehen Verstoß gegen geltendes Recht

So wie Karola Kaufmann erkennt Ruben Jordanov in den Preisen einen Verstoß gegen geltendes Recht. Denn es gebe eine Tarifpflicht der Taxen. Sondertarife müssten genehmigt werden. „In der Praxis werden sie geduldet“, sagt Jordanov, der die Preispolitik der AOK als „Gutsherrenmanier nach dem Motto, friss oder stirb“ bezeichnet. Andere Kassen seien zwar auch keine Engel, treiben es aber nach seinen Worten aber nicht wie die AOK auf die Spitze.

„Traurig, dass die AOK sich so dreist verhält, aber sie ist wohl zu groß und zu mächtig“, mutmaßt Steffen Kraft, ebenfalls ein etablierter Taxiunternehmer in der Stadt, der „schon seit Jahren“ nicht mehr für diese Krankenkasse fährt. Solange es aber noch Firmen gebe, die dafür fahren, ändere ich nichts.

„Die nehmen uns ganz frech aus“

Andreas Krone, der in Brandenburg und Wusterwitz fährt, mag das Wort AOK gar nicht hören. „Unter aller Kanone, die nehmen uns ganz frech aus“, fasst er seine Unzufriedenheit in Worte.

AOK sieht kein Problem

Dirk Becker, Referent der AOK Nordost, sieht das beschriebene Problem nicht. Die AOK Nordost habe mit 25 Unternehmen in Brandenburg/Havel Verträge für die Durchführung von Krankenfahrten geschlossen. Doch als zusätzliche Einnahmequelle könnten Krankenfahrten eben nicht das Hauptgeschäftsmodell von Taxiunternehmen darstellen.

Der AOK-Referent versichert: „Aus Sicht der Patienten funktionieren die Krankenfahrten in der Havelstadt flächendeckend und ohne Beanstandungen.“

Ganz so scheint das aber nicht zu sein. Denn der Stadtverwaltung ist das Problem bekannt. Sie hat sich daher im Interesse der AOK-Versicherten und der ortsansässigen Taxenunternehmen zurückliegend an das zuständige Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg gewandt und darum gebeten, ministerial auf die AOK Nordost zuzugehen. Doch das Ministerium sehe keine Regulierungsmöglichkeiten.

Von Jürgen Lauterbach

Die Wredowsche Zeichenschule in Brandenburg an der Havel hat jetzt eine Chefin: Zum 1. April dieses Jahres übernimmt Jana Wilski die Leitung der renommierten Bildungseinrichtung. Amtsinhaber Tobis Öchsle verlässt seinen Posten zum Monatsende. Die plötzliche Personalie überrascht.

29.03.2018

Die Gemeinde Groß Kreutz (Havel) verkauft jetzt gegen Höchstgebot ihr früheres, 37 Jahre altes Einsatzfahrzeug. Wer auch immer es erwirbt: Die Familie passt zwar hinein, aber mit Diesel-Euronorm 1 kommt man nicht überall hin.

10.04.2018

Die Zuneigung einer Frau aus Ziesar nutzt ein Internet-Betrüger schamlos aus. Erst schleicht er sich in das Vertrauen der 48-Jährigen ein, dann bittet er unter Vorwänden um Geld. Sie zahlt, er kassiert. Bis sie eines Tages misstrauisch wird.

10.04.2018
Anzeige