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Brandenburg/Havel Mister Teflon geht nach Hause
Lokales Brandenburg/Havel Mister Teflon geht nach Hause
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16:16 01.12.2015
Nach 24 Jahren ist Schluss: Bernd Kreykenbohm tritt zur Bürgermeisterwahl 2016 nicht mehr an. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Kloster Lehnin

„Das ist meine letzte Weihnachtsrede in meiner letzten Wahlperiode.“ Eingeweihte wussten es längst. Am Freitag ließ Bürgermeister Bernd Kreykenbohm (57) vor seinen Mitarbeitern im Rathaus die Katze endgültig aus dem Sack. Wenn die Kloster Lehniner am 20. März 2016 zur Wahl eines neuen Gemeindeoberhauptes aufgerufen sind, ist ihr langjähriger Chef nicht mehr dabei. Der Amtsinhaber verzichtet auf eine weitere Kandidatur. Die Ära Kreykenbohm, die 1992 mit ihm als Amtsdirektor begann, geht damit unwiderruflich zu Ende.

Eine Entscheidung, die polarisiert. Während Gemeindevertreter Andreas Bernig (Die Linke/Bürgernähe) seit langem fordert, das System Kreykenbohm gehöre abgeschafft, müssen sich andere Abgeordnete erst an den Gedanken gewöhnen ohne ihre Galionsfigur Kommunalpolitik zu machen. So findet Harry Grunert (CDU): „In fast zweieinhalb Jahrzehnten hat Bernd Kreykenbohm eine Erfolgsbilanz hingelegt, die Kloster Lehnin mit an die Spitze in Potsdam-Mittelmark gebracht hat. Wo immer ein Fördertopf nur gelüftet wurde, war der Antrag schon da.“

Zeit für Bewerber läuft

Am 20. März 2016 sind die rund 9800 Wahlberechtigten in den 14 Ortsteilen von Kloster Lehnin aufgerufen einen neuen hauptamtlichen Bürgermeister zu wählen.

Die organisatorischen Fäden hält Wahlleiter Stephan Arnold in der Hand. Amtsinhaber Bernd Kreykenbohm tritt nicht wieder an. Er hat dann 40 Jahre als Beamter hinter sich.

Wahlvorschläge müssen spätestens bis zum 14. Januar 2016, 12 Uhr, beim Wahlleiter für die Gemeinde Kloster Lehnin, Friedensstraße 3, schriftlich eingereicht werden.

Wählbar sind unter anderem Personen, die in der Bundesrepublik ihren ständigen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt haben. Der Wahlvorschlag muss von mindestens 44 wahlberechtigten Personen unterzeichnet sein.

Von Unterstützungsunterschriften befreit sind Wahlvorschläge von Parteien, politischen Vereinigungen und Wählergruppen sowie Einzelbewerbern, die bereits seit der letzten Wahl ununterbrochen in der Gemeindevertretung vertreten sind.

Lange hatte Kreykenbohm mit einer öffentlichen Erklärung gezögert. Auch aus Rücksicht auf die in der Gemeindevertretung agierenden Parteien. Es war eine Listenvereinigung aus SPD, CDU und Bauernverband, die Kreykenbohm zur Bürgermeisterwahl 2008 aufgestellt hatte. Sogar die Links-Partei hatte damals ihre Unterstützung zugesagt. Eine solche breite Basis wünscht sich der Noch-Bürgermeister auch für seinen Nachfolger, aber die verschiedenen Interessengruppen sind noch nicht so weit.

Ob die heimischen Parteien dem Wahlvolk erneut einen gemeinsamen Vorschlag präsentieren werden, dürfte sich in den nächsten zehn Tagen herausstellen. Heiß gehandelter Kandidat ist der parteilose Damsdorfer Ortsvorsteher Uwe Brückner. Kreykenbohm selbst mag keinen Namen in den Mund nehmen. Doch Brückner entspricht wohl am ehesten seinen Vorstellungen von einem Kommunalpolitiker, der nicht nur den Kloster Lehniner Stallgeruch mitbringt, sondern der weiß, wie eine Verwaltung funktioniert und der den Prozess des Zusammenwachsens von 14 Ortsteilen aktiv begleitet hat.

Ämtermodell zu schwerfällig

Einem Nachfolger hinterlässt der Bürgermeister in der Tat ein gut bestelltes Feld. Nun zahlt sich aus, dass Kreykenbohm 2002 konsequent Kurs auf eine Großgemeinde nahm. Damals die einzige ihrer Art im Altkreis Brandenburg. „Vor uns lagen gewaltige Aufgaben. Zu lösen waren diese nur im Schulterschluss einer amtsfreien Gemeinde. Das Ämtermodell hat sich nach meiner Erfahrung als zu schwerfällig erwiesen“, erinnert sich Kreykenbohm.

Fast vergessen sind die Zeiten, als Grebs bis über beide Ohren verschuldet war. Reckahn stand am Rande der Pleite. Es gab den TAZV Lehnin mit seinen Verbindlichkeiten. Der Schulstandort Lehnin wackelte. Noch vor wenigen Jahren wäre ein durchgehender Radweg von Lehnin bis Prützke unvorstellbar gewesen. Mit Hartnäckigkeit und Ausdauer hat es Kloster Lehnin unter Kreykenbohms Regie geschafft sich aus den größten finanziellen Zwängen zu befreien. Und trotzdem wurde investiert. In die Dorferneuerung, in den Schulcampus, in Kitas, Sportstätten und Feuerwehren.

Nicht aus der Bahn geworfen

„Ich habe Lehnin immer verteidigt – manchmal mit unkonventionellen Methoden“, sagt Kreykenbohm, wenn man ihn nach einem persönlichen Fazit seiner Dienstjahre befragt. Die bestanden nicht nur aus Erfolgen. Ein Tiefschlag war die Untreueanklage gegen ihn im Zusammenhang mit dem Bau der Lehniner Rettungswache 1993/94. Am Ende kam der aus dem niedersächsischen Lengede stammende Kreykenbohm unbeschadet aus der Sache raus.

Zum Nachteil gereichten ihm auch nicht die Schlagzeilen über die Erweiterung seines Bungalows am Netzener See ohne Baugenehmigung. Die Mehrheit der Abgeordneten stellte sich demonstrativ hinter ihren Bürgermeister. Selbst zwei schwere Erkrankungen und die wilden Spekulationen über seine Dienstfähigkeit warfen Kreykenbohm nicht aus der Bahn. Er ist wieder da, als wäre er nie weg gewesen. „Mir geht es gut. Ich bin froh, dass ich nicht hingeschmissen habe“, sagt der Bürgermeister, den Amerikaner einen Mister Teflon nennen würden, Leute an denen nichts kleben bleibt. Erst der 2. Juli 2016 ist sein letzter Arbeitstag. Bis dahin will Kreykenbohm noch einiges in Kloster Lehnin auf den Weg bringen. Für einen weihnachtlichen Abgesang ist es noch zu früh.

Von Frank Bürstenbinder

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