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Mit Jesus zu Tisch: Neue Ausstellung

Brandenburg an der Havel Mit Jesus zu Tisch: Neue Ausstellung

Wie kam die Reformation in die Neustadt? Darüber gibt die Geschichte über das erste Abendmahl in der St. Katharinenkirche 1537 Aufschluss. Das galt nämlich als offizielles Bekenntnis zur Reformation. Eine neue Ausstellung in der Kirche entführt in unruhige Zeiten.

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Pfarrer Jonas Börsel und Besucher der Ausstellung vor der Grabplatte des Pfarrers Thomas Baitz.

Quelle: Annika Jensen

Brandenburg/H. In der Brandenburger St. Katharinenkirche eröffnete am Donnerstagabend die Ausstellung „Mit Christus zu Tisch und die Freiheit der Reformation“. An mehreren Stationen im gesamten Kirchenschiff erfahren die Besucher alles über das erste evangelische Abendmahl in der Brandenburger Neustadt. Wann war es? Welche Personen steckten dahinter? Was passierte vorher?

Noch besteht die Ausstellung hauptsächlich nur aus vier Stellwänden. Doch bald kommen wertvolle Bücher aus jener Zeit dazu und auch der Kelch des besagten Abendmahls wird zu sehen sein. Die Bücher lagen bis Donnerstagabend noch in einer Leipziger Restaurationswerkstatt. In der DDR waren sie mit dem Schädlingsbekämpfungsmittel DDT behandelt worden. In Leipzig haben die Restauratoren sie entgiftet. Zum Gemeindefest am Sonntag, 11. Juni, können die Besucher die Ausstellung komplett sehen. Pfarrer Jonas Börsel kommentierte diese Unvorhersehbarkeit mit Humor: „Wir feiern die Reformation nicht als etwas Statisches. Die Kirche verändert sich stetig“, so Börsel. „Deswegen ist die Ausstellung auch noch nicht ganz fertig.“

Zur Eröffnung der Ausstellung hielt der Potsdamer Historiker Felix Engel einen Vortrag zum Thema. Er stellte heraus: „Die St. Katharinenkirche war die geistige Keimzelle des reformatorischen Gedankengutes in der Stadt Brandenburg an der Havel.“ Deswegen sei es auch nicht verwunderlich, dass hier 1537 das erste Abendmahl unter beiderlei Gestalt, also mit Brot und Wein, abgehalten wurde. Und das ein Jahr vor dem ersten Abendmahl in der kirchlich und weltlich von der Neustadt getrennten Altstadt sowie zwei Jahre vor dem ersten offiziellen Abendmahl in der Mark Brandenburg. Das erste Abendmahl ist insofern so wichtig, als dass es das offizielle Bekenntnis einer Gemeinde zur Reformation bekundet.

In der St. Katharinengemeinde war der Pfarrer Thomas Baitz die zentrale Figur für die Initiierung des ersten Abendmahls. Er trieb damit die Reformation in der Neustadt stark voran. Zugestanden hatte es ihm Kurfürst Joachim II., dessen Vorgänger Joachim I. noch ein vehementer Gegner der Reformation war. Als Teil der Ausstellung ist Baitz’ Grabplatte zu sehen. Außerdem ist die Abbildung des ersten Abendmahls in einem Entwurf für die Kirchenfenster von 1912 ausgestellt.

Lange Zeit haben Experten angenommen, das erste Abendmahl fand 1536 statt. Das korrekte Jahr hatte Engel im Zuge seiner Recherchen herausgefunden. Die Ausstellungstexte hatte er geschrieben – als Ergebnisse seiner Promotionsarbeit über die Reformation in den brandenburgischen Städten. Zudem fanden andere Historiker vor wenigen Jahren heraus, dass das erste Abendmahl in der Mark nicht in Berlin-Spandau, wie ebenfalls lange angenommen, sondern in Berlin-Cölln abgehalten wurde.

1989 wurde am 1. November in Spandau 400. Jubiläum gefeiert. Werner Kubina war dabei. Der heute 82-Jährigen war damals Mitglied im Kreiskirchenrat. „Unser Superintendent hatte mich völlig überraschend angerufen und mir gesagt, ich könnte hinfahren. Und so war ich für ein paar Stunden im Westen der Stadt.“

Der Abend hatte für ihn einen weiteren emotionalen Effekt. „Ich konnte meine Tochter treffen, die nur wenige Monate vorher offiziell ausgereist war.“ Dass er sie nur eine Woche später aus anderen Gründen wiedersehen würde, konnte er da noch nicht wissen.

Die Ausstellung ist bis zum 31. Oktober 2017 täglich von 10 bis 16 Uhr zu sehen.

Von Annika Jensen

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