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Brandenburg/Havel Mit Krawumms durch die Ferien
Lokales Brandenburg/Havel Mit Krawumms durch die Ferien
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16:23 26.08.2016
Sibylle Stockmann auf ihrem Hof in Hohenlobbese. Quelle: JACQUELINE STEINER
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Hohenlobbese

Ein schmuckes Bauernhaus in Waldrandlage. Kein Durchgangsverkehr, die nächste Autobahn ist weit genug entfernt. Und mit ein wenig Glück sieht man den Wolf. Sibylle und Ulf Stockmann haben mit ihren Kindern viel dafür getan, um aus dem einst ruinösen Anwesen ganz am Ende Hohenlobbeses ein gemütliches Ferien- und Freizeitquartier zu machen. Sie wohnen JWD – janz weit draußen, wie die Berliner sagen.

Im Westen grenzt der Truppenübungsplatz Altengrabow an Hohenlobbese. Wo die Rauchsäule aufsteigt, liegt das Zielgebiet der Artillerie. Quelle: Dirk Fröhlich

Doch die Idylle ist trügt. Es macht mächtig Krawumms in der Nachbarschaft. Kein bewohntes Haus im Dorf liegt näher am Truppenübungsplatz Altengrabow als der sanierte Hof von Familie Stockmann. Nur etwa 1000 Meter sind es bis zur Schranke auf Brandenburger Seite. Vom Zielgebiet, wo die 155-Millimeter-Geschosse der schweren Artillerie einschlagen, bis zu den Schlafzimmerfenstern der Familie sind es vielleicht drei Kilometer.

Das KSK rückt an

Die zweiwöchige Übung des Artillerielehrbataillons 325 aus Munster ist inzwischen zu Ende gegangen. Die Truppe hat sich in Altengrabow auf künftige Nato-Einsätze vorbereitet.

Der Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen im Jerichower Land hat das Manöver kritisiert. Vorsitzender Nils Rosenthal aus Schopsdorf sprach von einer bedrohlichen Entwicklung. Zarte Bemühungen für einen sanften Tourismus würden im Keim erstickt.

Mitglieder der Partei und die „Baumfreunde Jerichower Schweiz“ haben bei einer Protestaktion 99 Luftballons am Rande des Übungsplatzes aufsteigen lassen.

Der nächste Übungsbetrieb ist bereits angekündigt. Das Kommando Spezialkräfte (KSK) aus Calw führt vom 31. August bis 7. September eine Ausbildung in Altengrabow durch.

An der KSK-Übung nehmen 50 Soldaten mit 15 Fahrzeugen teil. Im Einsatz sind eine anfliegende Transall sowie zwei Hubschrauber (CH 53). An drei Tagen soll es Außenlandungen und Fallschirmsprünge geben. Übungsschäden sind über das Landratsamt bei der Bundeswehr geltend zu machen.

„Der normale Übungsbetrieb ist auszuhalten. Außerdem wissen wir natürlich, dass sich die Sicherheitslage auf der Welt verändert hat. Aber der wieder zunehmende Einsatz schwerer Waffen ist für uns als Anwohner nicht erträglich“, moniert Sibylle Stockmann. Das Fass zum Überlaufen brachte das Nachtschießen vom Dienstag zum Mittwoch. Während das Artillerielehrbataillon 325 aus Munster in Altengrabow mit ihren Panzerhaubitzen 2000 den Ernstfall probte, wackelten in Hohenlobbese die Schränke, zitterten die Fenster, schüttelten sich ganze Gebäude.

Eine Panzerhaubitze 2000 aus Munster fährt auf den neuen Fahrzeugabstellplatz des Truppenübungsplatzes Altengrabow. Quelle: Frank Bürstenbinder

Als die Familie 1992 das Anwesen kaufte, war sie noch guter Hoffnung, dass mit dem bevorstehenden Abzug der GUS-Streitkräfte eine neue und ruhigere Zeit im benachbarten Altengrabow anbrechen würde. Danach sah es zunächst auch aus. Zu einem Übungsgelände für Handfeuerwaffen und Laserschießbahnen sollte das über 120 Jahre alte Militärareal zwischenzeitlich werden. Doch davon ist keine Rede mehr. Ein verändertes Nutzungskonzept machte Altengrabow vor ein paar Jahren wieder zu einem vollwertigen Truppenübungsplatz. Millionen werden derzeit in den Ausbau der Infrastruktur investiert.

Es könnte so schön sein in Hohenlobbese. Quelle: JACQUELINE STEINER

Den Stockmanns schwant, das alles ganz anders kommt. Deshalb will Sibylle Stockmann an Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und Brandenburgs Ministerpräsidenten Dietmar Woidke schreiben. Der Geschützlärm passe nicht zum Naturpark Hoher Fläming und zum Tourismus in der Region, ist die aus Berlin stammende Ärztin überzeugt. Aufgeschreckt hat die Menschen an der Platzgrenze auch die Ankündigung von Tornadoflügen mit scharfen Bombenabwürfen. Wegen technischer Probleme wurden die Manöver in letzter Minute abgeblasen.

Es wäre seit dem Abzug der Russen vor 22 Jahren das erste Mal gewesen, dass in Altengrabow wieder Bomben fallen. Gerüchten, wonach das Brandenburger Innenministerium bei der Bundeswehr gegen die Bombenabwürfe interveniert haben soll, widersprach am Freitag Vize-Pressesprecher Wolfgang Brandt. „Da ist nichts dran. Für den Platz ist allein Sachsen-Anhalt zuständig“, sagte Brandt der MAZ. Dennoch befindet sich ein Drittel des 9000 Hektar großen Übungsgeländes auf Brandenburger Gebiet. Der Truppenübungsplatz könnte noch größer werden. Platzkommandant Eugen Poch liebäugelt mit der Übernahme des 400 Hektar großen Außenstandortes Rosenkrug bei Dörnitz im Norden. Dieser wird wegen seiner Aufbauten gern für urbane Gefechtsszenarien genutzt. Außerdem braucht man Rosenkrug als künftige Feuerbasis für die weit schießende Panzerhaubitze 2000. Doch eine Entscheidung der Bundeswehr über eine Übernahme vom Bund steht noch aus. Dann gibt es den rund 400 Hektar großen so genannten Reichswald außerhalb der jetzigen Platzgrenze bei Reppinichen im Süden, der ebenfalls dem Bund gehört. Die Fläche war schon vor dem Krieg für eine Erweiterung arrondiert worden. Alles keine ruhigen Aussichten für die Stockmanns und ihren Hof in Hohenlobbese.

Von Frank Bürstenbinder

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