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Mit Milch in die Krise

Golzow will verkaufen Mit Milch in die Krise

Die Schmerzgrenze in der Milchproduktion hat die Agrargenossenschaft Planetal in Golzow erreicht. Das Unternehmen ist offenbar bereit sich von der Milchsparte zu trennen. Grund ist der ruinöse Erzeugerpreis. Milch ist zu einem Zuschussgeschäft für die Bauern geworden.

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Die heile Welt der Landwirtschaft in Golzow gibt es nur noch auf einem Wandbild in der Agrargenossenschaft.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Golzow. „Täglich machen wir mit der Milch 1500 bis 2000 Euro Miese. Wenn das so weitergeht, ist ein Kassensturz fällig.“ Das war 2009. Was der Golzower Agrarchef Mathias Nadler vor sieben Jahren prophezeite, steht jetzt auf der Tagesordnung. Wie die MAZ in Erfahrung brachte, denkt die Agrargenossenschaft Planetal in Golzow ernsthaft darüber nach sich von der in Grüneiche konzentrierten Milchviehhaltung zu trennen. Darauf verständigten sich die Eigentümer mehrheitlich auf ihrer jüngsten Mitgliederversammlung. Zu den Gründen gehört der ruinöse Verfall der Erzeugerpreise. Dieser geht mit einem anhaltendenden Kapitalverzehr einher. Experten sehen bei den Preisen keine Wende. Nicht nur in Golzow ist die Milchproduktion zu einem Verlustgeschäft geworden, bei dem die Bauern draufzahlen.

Mit Milch in die Krise

Die niedrigen Erlöse aus der Milchproduktion führten die Branche schon einmal in die Krise. 2009 sackte der Grundpreis auf 18 Cent je Liter ab. Damals waren auch Mitarbeiter der Agrargenossenschaft Golzow mit ihren Traktoren bei einer Sternfahrt zu einer Protestveranstaltung in Berlin dabei.

Derzeit liegt der Milchpreis bei 24 Cent je Liter. Kostendeckend wären heute rund 40 Cent. Erzeuger buttern im Monat zum Teil mehrere zehntausend Euro in die Produktion. Diesen Zustand halten auf Dauer nicht alle Milchbauern durch.

Vorstandsvorsitzender Nadler wollte sich auf telefonische Nachfrage nicht zur aktuellen Entwicklung im Unternehmen äußern. Für jedermann nachlesbar war jedoch die von einem Immobilienbüro in Vechta (Niedersachsen) bei einem Internetportal in Auftrag gegebene Anzeige über den Verkauf beziehungsweise die Verpachtung der Golzower Milchviehanlage. Das der MAZ vorliegende Exposé verweist nicht nur auf eine „Top-Milchviehanlage“mit zwei 2004/2005 errichteten Boxenlaufställen, einem modernisierten Altstall und Aufbauten für Jungvieh, sondern auch auf die Möglichkeit der Anpachtung notwendiger Flächen für die Futterversorgung. Interessenten wurden um die Kauf-und Pachtangebote gebeten. Inzwischen ist die Offerte aus dem Internetportal verschwunden und kann nicht mehr aufgerufen werden. Möglicherweise gibt es längst einen Interessenten.

KBV-Vorsitzender Jens Schreinicke befürchtet, dass sich noch so mancher Milcherzeuger in Potsdam-Mittelmark  von seinen Tieren trennt

KBV-Vorsitzender Jens Schreinicke befürchtet, dass sich noch so mancher Milcherzeuger in Potsdam-Mittelmark von seinen Tieren trennt.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Überraschend wäre die Abkehr von der Milchproduktion als Geschäftsmodell nicht. Andere Betriebe, wie die Havelland agrar e.G. in Weseram haben ihre Melkanlagen schon vor Jahren still gelegt. Bisher ist es jedoch zwischen Havelland und Fläming bei Einzelfällen geblieben. Geschieht kein Wunder, dürfte der Ausstieg aus der Milch auch in Potsdam-Mittelmark zahlreiche Nachahmer finden. „Spätestens im Sommer kommt die Stunde der Wahrheit. Wir werden noch den einen oder anderen Betrieb erleben, der seine Rinder abschafft“, befürchtet der Vorsitzendes des mittelmärkischen Kreisbauernverbandes Jens Schreinicke. Die Entwicklung sei traurig, denn eine einmal stillgelegte Milchproduktion lasse sich nicht so schnell wieder aufbauen, so der KBV-Vorsitzende.

Die Agrargenossenschaft Planetal verfügt zur Zeit über einen Tierbestand von rund 750 Milchkühen. Dazu kommen etwa 850 Färsen. Die Gülle wird in eine angegliederte Biogasanlage gepumpt. Dafür erhält der Betreiber der Milchviehanlage die anfallende Wärme aus der Biogasanlage kostenfrei zur Verfügung gestellt, heißt es in dem Exposé. Nach einer Veräußerung der Milchsparte würde die Agrargenossenschaft ein reiner Ackerbaubetrieb werden. Derzeit werden über 3000 Hektar Acker und Grünland bewirtschaftet. Die Schweinehaltung, die ebenfalls unter dem Preisdruck leidet, bewirtschaftet die Genossenschaft bereits nur noch als Dienstleister für einen externen Schweineproduzenten.

Von Frank Bürstenbinder

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