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Mit Musik die Seelen retten

Brandenburger Symphoniker im Konzert Mit Musik die Seelen retten

Das letzte Konzert vor der Sommerpause vereinte Opern- und Kirchenmusik mit einer Bruckner-Symphonie zu einem anspruchsvollen „katholischen Abend“. Peter Gülke (83) führt die Brandenburger Symphoniker zu neuen Ufern.

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Unprätentiös, bescheiden und doch jederzeit Herr der Lage: Peter Gülke (83) mit seinen Brandenburger Symphonikern.

Quelle: Foto: Volkmar Maloszyk

Brandenburg/H. Das letzte Konzert vor der Sommerpause vereinte Opern-und Kirchenmusik mit einer Bruckner-Sinfonie zu einem anspruchsvollen „katholischen Abend“. Der unendlich schüchterne und immer um Anerkennung suchende Spätromantiker Anton Bruckner (1824-1896) rang ein Leben lang in ständiger Zwiesprache mit Gott um seine neun Sinfonien. Er litt sehr an tiefer Einsamkeit und Minderwertigkeitsgefühlen. In Zeiten des Zweifelns und der allgemeinen Orientierungslosigkeit gewinnen Naturverbundenheit, Glaube, Demut, Verzicht und innere Einkehr wieder an Bedeutung.

Das Publikum sucht Antworten in den Kompositionen von Bruckner (und Mahler) – und ihren musikalischen Sachverwaltern, den reifen und erfahrenen Dirigenten-Persönlichkeiten. Nach Klemperer, Furtwängler, Karajan, Celibidache, Sawallisch, Sanderling, Abbado und Günter Wand bestimmen heute Bruckner-Interpreten wie Bernhard Haitink, Maris Jansons, Marek Janowski oder Daniel Barenboim das internationale Konzertgeschehen. Älterer Dirigent - besserer Bruckner? Der 89-jährige Herbert Blomstedt und der 92-jährige Stanislaw Skrowaczewski sorgen aktuell nicht nur in Berlin für nicht enden wollende Ovationen eines dankbaren Publikums.

Weisheiten gebündelt

Brandenburgs liebevoller Sachverwalter des spätromantischen Erbes heißt Peter Gülke. Seine Erfahrungen, Überzeugungen und Einsichten bündelt er zu musikalischen Weisheiten, die er mit den Brandenburger Symphonikern auch bei nötiger Schroffheit stets elegant und stilvoll präsentiert. Er ist sich sicher, dass „Brandenburg sich gerade jetzt einen Bruckner leisten sollte“. Das großzügig personell erweiterte Orchester mit fabelhaften Posaunen und Trompeten an der Spitze und das Freitags-Konzertpublikum folgen ihm aufmerksam.

Mit großem sinfonischen Atem und der Abwesenheit jeglicher Unruhe führt er seine Symphoniker durch 60 Minuten konzentrierte Leidenschaft. Am Ende - im 3. und 4. Satz war der liebe Gott anwesend - gelang es, Angst und Wehmut zu verdrängen und für Momente durch Gelassenheit und Zuversicht zu ersetzen. Ob die räumliche und akustische Begrenztheit des Konzertzimmers einer gewünschten Klangentfaltung im gesamten Konzertsaal förderlich ist, kann jeder Hörer nur von seinem Sitzplatz beurteilen.

Schwieriger Patient

Vor der Pause erklangen Kyrie und Agnus Dei aus der Missa Papae Marcelli von von Giovanni Pierluigi Palestrina (1525-1594) - eingerichtet für modernes Orchester von Peter Gülke – und Drei Orchestervorspiele zur Musikalischen Legende „Palestrina“ von Hans Pfitzner (1869-1949) .

Pfitzner, auch ein schwieriger Patient, war von extrem konservativer Grundhaltung und blieb ein Leben lang ein unbelehrbarer Antisemit. Der Dirigent der Palestrina-Uraufführung Bruno Walter wandte sich nach dem 2. Weltkrieg von ihm ab; Thomas Mann kehrte Pfitzner bereits 1933 den Rücken. Sein Werk jedoch wurde von Kollegen wie Richard Strauss und Gustav Mahler hochgeschätzt.

Drei Wünsche frei

Palestrina wurde immer mal wieder an großen Häusern (Zürich, Frankfurt/ Main, Hamburg) gespielt und war sogar in den 80er Jahren in einer repertoiretauglichen Inszenierung an der (Ost-)Berliner Staatsoper (mit Peter Schreier und Siegfried Lorenz) zu sehen.

Die Vorspiele stellen in ihrer ganz eigenen Tonsprache und der elegischen Stimmung eine lohnende Ergänzung des Konzertrepertoires dar. Das Göttliche des Schaffensprozesses und das Lob der Kirchenmusik führt folgerichtig zu den Herrlichkeiten der Musik Palestrinas. Sie erklang in seidig-warmen, wenn nötig sattem Streicherklang. Und die Fantastischen Drei kamen zu neunt daher: strahlende Trompeten, glanzvolle Posaunen, wohltönend-silbrige Flöten. Die Gnade des gemeinsamen schöpferischen Musizierens ist dann doch mehr als der Dienst am und mit dem Instrument. Jeder konnte das hören. Am Ende bleiben drei Wünsche für die neue Spielzeit: Das Bühnenlicht dämpfen, die tollen Gastmusiker wieder einladen und zwei zusätzliche Orchestermusikerstellen schaffen und besetzen. Wir leben in einem reichen Land.

Von Michael Treffehn

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