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Mit Selfmade-Wettersonde in die Stratosphäre

Brandenburg an der Havel Mit Selfmade-Wettersonde in die Stratosphäre

Mit 1,8 Metern pro Sekunde stieg die Selfmade-Sonde von Oliver Szachowal und Sebastian Rasel Richtung Weltraum bis auf 23.000 Meter. Sie war dabei vollgepackt mit Mini-Computer und drei Kameras. Belohnt wurden die beiden Tüftler aus Brandenburg an der Havel und Potsdam mit atemberaubenden Bildern – anders als noch beim ersten Versuch vor zwei Jahren.

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Sebastian Rasel (l.) und Oliver Szachowal mit ihrer Sonde.

Quelle: Annika Jensen

Brandenburg an der Havel. Sie haben es wieder getan: ein Flug in die Stratosphäre. Oliver Szachowal (30) von der Sternwarte Brandenburg an der Havel und sein Potsdamer Freund Sebastian Rasel (29) hatten schon vor knapp zwei Jahren einen ersten Versuch gewagt, mit ihrer kleinen Wettersonde an einem Stratosphärenballon in die zweite Schicht der Erdatmosphäre vorzudringen.

„Aber das war eher ein Testflug und das Wetter war auch miserabel“, erinnert sich Oliver Szachowal. Diese Mal sind sie zufriedener. Vor zwei Jahren hatten sie von anvisierten 30 000 Metern 18 000 erreicht. Dieses Mal haben sie sich 35 000 vorgenommen und haben 23.000 geschafft. „Wir hatten dieses Mal bessere Technik, schönere Fotos und das Wetter war sehr gut“, sagt Sebastian Rasel.

Aufnahme aus der Stratosphäre

Aufnahme aus der Stratosphäre.

Quelle: Sebastian Rasel (privat)

Wie beim ersten Flug schickten sie eine Styroporkugel gefüllt mit Kameras und Mini-Computer an einem Latexballon gen Weltraum. Die zwei Jahre seit ihrem ersten Versuch gaben dem Brandenburger Wartungsingenieur und dem Potsdamer Fachinformatiker Zeit für Verbesserungen. Der Ballon ist größer geworden und es sind drei statt zwei Kameras mitgeflogen – eine fotografierte Richtung Ballon (also nach oben gerichtet), eine fotografierte zur Seite und eine filmte in 4K-Qualität.

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Aus der geplanten Funkübertragung wurde leider nichts. „Das erlaubt uns der Gesetzgeber leider nicht“, sagt Rasel. „So heißt es, einfach loslassen und drei bis fünf Stunden warten bis er gelandet ist bevor man sich die Bilder ansehen kann“, ergänzt Szachowal. Die Gesamtkosten lagen bei knapp 550 Euro. 200 Euro bekamen sie von Szachowals Arbeitgeber, einem Solarunternehmen.

Pro Sekunde stieg der Ballon 1,8 Meter, das sind 6,4 Kilometer in der Stunde. „Wir sind mit Schrittgeschwindigkeit Richtung Weltraum unterwegs gewesen“, sagt Szachowal und lacht. Während des Fluges schickte Rasel regelmäßig Anfragen per SMS an den Mini-Computer. Der antwortete mit den Koordinaten und der Höhe.

18 Meter in der Sekunde

Dass sie das anvisierte Ziel von 35 000 Metern nicht annähernd geschafft haben, überrascht sie allerdings schon ein wenig. „Wir hatten nicht damit gerechnet, dass der Ballon so früh platzt“, so Szachowal. „Für so einen Flug braucht man ein gutes Verhältnis zwischen Nutzlast und Heliummenge, damit man so hoch wie möglich kommt.“

Zu viel Helium bedeute eine schnelle Steiggeschwindigkeit und ein frühes Platzen des Ballons und daraus resultierend eine geringe Steighöhe. Zu wenig Helium führe wiederum dazu, dass er womöglich gar nicht erst aufsteige. „Dieses Verhältnis haben wir dieses Mal ideal hinbekommen. Dass der Ballon so früh geplatzt ist, muss am Material gelegen haben“, so Szachowal. „Unser Materialhändler hat uns für unsere nächste Bestellung jetzt schon Rabatt versprochen“, wirft Rasel ein.

Hintergrund

Ein Stratosphären- oder Höhenballon ist ein mit Helium gefüllter Wetterballon, der in große Höhen in der Himmel aufsteigt und dort irgendwann zerplatzt.

Je nach Bauweise erreicht der Ballon eine Flughöhe zwischen 20 und 35 Kilometern. Zum Vergleich: Gewöhnliche Verkehrsflugzeuge fliegen etwa auf einer Höhe zwischen 10 und 15 Kilometern.

Der Aufstieg dauert etwa zwei bis drei Stunden. Eine Kamera dokumentiert während der gesamten Zeit den Flug. Gelingen die Aufnahmen, zeigen diese ein Stück vom Weltraum: den schwarzen Himmel, die Erdkrümmung und den blauen Planeten mit 30 Kilometern Abstand.

Gestartet waren sie in Klein Steinke bei Königsluther in Niedersachsen. „Wir hatten uns dieses Mal entschieden, weiter westlich zu starten, weil Wind aus westlicher Richtung angesagt war“, erzählt Szachowal. Wären sie, wie vor zwei Jahren, auf Brandenburger Gebiet gestartet, wäre die Gefahr zu groß gewesen, dass der Ballon in den Großraum Berlin driftet. „Da war uns das Risiko zu groß, dass der Ballon auf dem Dach oder sonst wo landet.“

Außerdem hätte er auch nach Polen fliegen können und dafür hätten sie eine zusätzliche Flugerlaubnis gebraucht. Letztlich benötigten sie lediglich eine Erlaubnis aus Niedersachsen und die bekamen sie sehr schnell – von der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, Abteilung Luftverkehr.

Viele kleine Teile wurden in den Ballon verbaut

Viele kleine Teile wurden in den Ballon verbaut.

Quelle: Annika Jensen

„Der Knackpunkt der ganzen Sache ist das Wiedefinden“, sagt Szachowal. „Wir wissen nicht, ob wir an dem Landepunkt Mobilfunkempfang haben. Den brauchen wir aber dringend, weil wir ja die Koordinaten regelmäßig per SMS bekommen.“ Einsammeln konnten sie ihre Sonde nach drei einhalb Stunden Flug kurz vor Salzwedel, knapp 80 Kilometer nord-östlich vom Startpunkt.

Tolles Video als Belohnung

Als sie die Sonde bargen, nachdem sie mit einem Fallschirm sanft Richtung Boden geglitten war, wurden die beiden Tüftler mit atemberaubenden Fotos und einem tollen Video belohnt.

Für Rasel und Szachowal war es nicht der letzte Flug in die Stratosphäre. Sie wollen auf jeden Fall noch höher kommen. Dafür soll die Sonde noch leichter werden. Den Mini-Computer für dieses Unterfangen haben sie schon. Erst ist um einiges kleiner. Außerdem soll noch mehr Sensorik rein, damit sie den Luftdruck messen können. Für den nächsten Flug suchen sie aber noch Sponsoren. „Je früher wir die haben, desto eher können wir wieder abheben“, sagt Szachowal optimistisch.

Von Annika Jensen

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