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Mit Ultraschall auf Nachtflug

Fledermäuse in Brandenburg an der Havel Mit Ultraschall auf Nachtflug

Etwa 18 Fledermausarten gibt es im Land Brandenburg, sagt Diplombiologin Beatrix Wuntke. Mit Stirnlampe und Gummistiefeln ausgerüstet, hat die Wissenschaftlerin ein hauchdünnes Netz über den Sandfurthgraben im Brandenburger Krugpark gespannt. Darin möchte sie Fledermäuse fangen und die Tiere untersuchen. Ob das gelingt?

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Fledermausnacht im Brandenburger Krugpark. Diplombiologin Beatrix Wuntke untersucht im Beisein von Besuchern die Tiere.

Quelle: Ina Schidlowski

Brandenburg/H. Mit Stirnlampe und Gummistiefeln ausgerüstet, hat Beatrix Wuntke ein hauchdünnes Netz über den Sandfurthgraben gespannt. Fangen will sie Fledermäuse. Denn es ist Fledermausnacht im Krugpark. Im Rahmen der internationalen Batnight hatten das Naturschutzzentrum Krugpark und der NABU Regionalverband Brandenburg an der Havel zu einer spannenden Nacht ins Reich der fliegenden Säuger eingeladen. Etwa 50 Neugierige sind der Einladung gefolgt.

Um 19 Uhr ist natürlich noch keines der geheimnisvollen Nachtwesen unterwegs. Doch Andrea Kausmann, Leiterin des Naturschutzzentrums, hat einen Film vorbereitet, der vieles erklärt und mit seinen Zeitlupenaufnahmen beeindruckende Bilder liefert. Wie geschickt eine Wasserfledermaus ihre Flughäute einsetzt um die Insekten zu jagen, wie es in der Kinderstube der kleinen Säugetiere zugeht oder wie sich ein Mausohr einen schwarzen Käfer in schwarzer Nacht zielsicher vom Waldboden holt, ist etwas, was sich mit eigenen Augen nicht beobachten lässt.

Etwa 18 Fledermausarten gibt es im Land Brandenburg, sagt Diplombiologin Wuntke.

Fledermausnacht im Brandenburger Krugpark

Fledermausnacht im Brandenburger Krugpark. Diplombiologin Beatrix Wuntke untersucht im Beisein von Besuchern die Tiere.

Quelle: Ina Schidlowski

Die häufigsten sind die Zwergfledermaus, der Große Abendsegler, das Braune Langohr und die Wasserfledermaus. Auf dem Gelände des Krugparks lassen sich fünf bis sechs Arten finden, sagt Andrea Kausmann. Sie kennt auch die Frequenzbereiche der Rufe der einzelnen Arten und hat einen Detektor dabei. So laut wie ein Düsenjet oder ein Presslufthammer seien die Rufe. Etwa 110 Dezibel. Jedoch mit 20 bis 100 Kilohertz für das menschliche Ohr nicht zu hören. Im Dämmerlicht tauchen die ersten Tiere auf. Im Detektor klickert es. Ungefähr 100 Rufe senden sie in der Sekunde aus und erzeugen so, mit Ultraschall, ein Hörbild.

Die in zwei Gruppen aufgeteilten Gäste nutzen ihre Taschenlampen, um die Wasserfledermäuse über dem kleinen Teich zu entdecken. 4000 bis 5000 Mücken jagt eine Wasserfledermaus in der Nacht, berichtet Andrea Kausmann. Der Naturschützerin ist wichtig, dass die Menschen ein Gefühl für die Fledermäuse bekommen, die schon seit 50 Millionen Jahren auf der Erde leben. Einige Arten überwintern in Kirchen oder in alten Bunkern, andere fliegen bis zu 1000 Kilometer weit in ihre Winterquartiere. Sie kann auch typische Spuren an Baumhöhlen zeigen, in denen manche Arten wohnen. Deshalb seien auch alte Hohlbäume so wichtig. Aber auch in alten Häusern und Ställen wohnt Familie Fledermaus gern. Die Sanierung solcher Gebäude mache es den Säugern nicht leicht, Unterschlupf zu finden. Schwierig wird es auch bei der Nahrungssuche. Die Zahl der Insekten habe sich halbiert, weiß die Krugparkleiterin zu berichten. Schuld ist unter anderem der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft.

Fledermausnacht im Brandenburger Krugpark

Fledermausnacht im Brandenburger Krugpark.

Quelle: Ina Schidlowski

„Wie alt werden Fledermäuse?“, „Welche Art sehe ich abends an meinem Fenster?“, „Wann werden die Jungen geboren?“, die Fragen reißen nicht ab und werden von den Fachkundigen geduldig beantwortet.

Derweil hat Beatrix Wuntke drei Wasserfledermäuse aus dem Fangnetz befreit und zeigt nun eines der kleinen Wesen im Rampenlicht. Die Hand der Biologin packt vorsichtig, aber sicher zu, denn die kleinen spitzen Zähne sind gefährlich. Ein flauschiges Fell hat das kleine Tier und hauchzarte Flughäute. Nun wird es gewogen. Neun Gramm. „Ganz schön wenig“, meint die Fachfrau, aber die Nacht ist ja noch jung und Fledermäuse fressen schließlich bis zu 30 Prozent ihres Körpergewichts. „Leuchte bitte mal mit der Taschenlampe hier durch“, sagt sie und erkennt im Gegenlicht anhand der Knochen, dass es ein Jungtier ist. Ein Mädchen, mit einer Unterarmlänge von 39 Zentimetern. Eines der umstehenden Kinder bekommt den Lederhandschuh und vorsichtig auch das kleine Fledermausmädchen in die Hand. Auf der Brücke direkt über dem Sandfurthgraben wird das Tier im Taschenlampenlicht und unter Jubel wieder in die Nacht entlassen. „Auch die anderen beiden sind weibliche Jungtiere“, stellt Beatrix Wuntke fest und auch sie fliegen nach dem Wiegen und Messen wieder in die Nacht hinaus.

Von Ina Schidlowski

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