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Mit dem Brunnenreiniger auf Tour

Brandenburg an der Havel Mit dem Brunnenreiniger auf Tour

Jörg Edeling ist der Brunnenreiniger von Brandenburg an der Havel. Für ihn beginnen die Arbeitstage früh am Morgen. Während der normale Brandenburger sich im Bett noch einmal umdreht, fährt der 53-Jährige Gas-, Wasser- und Sanitärinstallateur seinen ersten Brunnen an. Die MAZ war dabei.

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Jörg Edeling von der Haustechnik Brandenburg reinigt den Bollmannbrunnen.

Quelle: Annika Jensen

Brandenburg/H. Es ist früh am morgen. Die Stadt scheint noch im Tiefschlaf. Für Jörg Edeling hat der Tag aber schon längst begonnen. Während der normale Brandenburger sich im Bett noch einmal umdreht, fährt der 53-Jährige Gas-, Wasser und Sanitärinstallateur seinen ersten Brunnen an. Er arbeitet für die Haustechnik Brandenburg und ist für das Funktionieren sämtlicher Brunnen in der Stadt verantwortlich.

„Mir bringt der Job Spaß. Ich komme so immer an die frische Luft“, sagt er und reinigt mit einem Besen die Lichter am Fritze-Bollmann-Brunnen in der Hauptstraße. Um halb sieben ist er sein Erster. Es steht allerdings nur eine oberflächliche Reinigung an. Edeling entfernt den Unrat im Wasser, füllt das Becken auf und kontrolliert die Technik in der Zisterne. „Der ist nächste Woche dran“, sagt Edeling und mein damit die gründliche Reinigung der Brunnen.

Es gibt feste Tage in der Woche, die für die gründliche Reinigung vorgesehen sind. Dann wird auch das Wasser abgelassen und die Becken mit Hochdruck gereinigt. Edeling kann sich dann nur mit ein oder zwei Brunnen am Tag beschäftigen.

Kontrolle der Zisterne

Kontrolle der Zisterne.

Quelle: Annika Jensen

In diesem Morgen allerdings fährt er wie an jedem Montag, Mittwoch und Freitag mehrere Brunnen an, um sie, wie den Fritze-Bollmann-Brunnen, nur grob zu reinigen. Zehn von den insgesamt 15 der Stadt Brandenburg stehen heute auf seinem Plan – auch der Paul-Kaiser-Reka-Brunnen. „Das ist ein aufwändiger Brunnen“, sagt Edeling. Um ihn herum wurden zahlreiche Bäume gepflanzt, deren kleine Blätter immer wieder die Siebe des Beckens verstopfen. „Den muss ich drei Mal am Tag anfahren, um die Blätter zu entfernen.“ Aber nicht nur die machen ihm zu schaffen. „Sie glauben nicht, was die Leute alles in die Brunnen schmeißen. Von Speiseresten über Glas bis hin zu Plastikmüll. Und dann lassen sie ihre Kinder darin baden. Ich versuche, sie immer zu warnen.“

Auch über die Pokémon-Spieler am Brunnen an der Bergstraße ärgert er sich. Seitdem das Spiel in Deutschland heruntergeladen werden kann, sammeln sich zahllose Menschen allabendlich um den Brunnen (MAZ berichtete). Für Edeling kein Anlass zur Freude. Der Brunnen sei ohnehin aufgrund seines Baus aufwendig zu reinigen. „Aber die Leute lassen dort häufig auch noch ihren Müll drin.“ Was hinter so einem Brunnen stecke und dass er beinahe täglich gereinigt werde müsse, darüber machen sich die meisten Menschen keine Gedanken.

Jörg Edeling kontrolliert die Funktion des Froschbrunnens im Humboldthain

Jörg Edeling kontrolliert die Funktion des Froschbrunnens im Humboldthain

Quelle: Annika Jensen

Edeling arbeitet seit der Wende für die Haustechnik Brandenburg. Seit fünf Jahren ist er für die Brunnen zuständig. „Vor der Wiedervereinigung waren wir eine Produktionsgesellschaft des Handels. Danach habe ich zusammen mit 30 anderen Kollegen gekündigt, weil wir nicht damit einverstanden waren, wie unser damaliger Chef den Betrieb an sich reißen wollte. Er wollte uns nicht beteiligen“, erzählt Edeling. „Dann haben wir in der Thüringerstraße, ganz in der Nähe unseres jetzigen Geschäftssitzes, ein Haus besetzt und unseren eigenen Betrieb gegründet – die heutige Haustechnik Brandenburg. Die Polizei war noch angerückt“, sagt er weiter und schmunzelt. „Mit Schilden, Helmen und Knüppeln. Verjagen konnten sie uns nicht.“

Jörg Edeling bläst Laub weg am Paul-Kaiser-Reka-Brunnen

Jörg Edeling bläst Laub weg am Paul-Kaiser-Reka-Brunnen

Quelle: Annika Jensen

Auch das Becken des „Froschteiches“ im Humboldthain muss aufgefüllt werden. Das dauert. Edeling nutzt die Zeit, um andere notwendige Arbeiten um Brunnen zu erledigen. So kontrolliert er auch dort die Zisterne, käschert Müll und Blätter aus dem Wasser und schaut nach, ob der Frosch noch richtig spuckt. „Das ist mein Lieblinsbrunnen. An ihm erfreuen sich die Kinder immer so schön“. Der quietschgrüne Frosch, der auf einem ebenso knalligen Blatt in der Mitte des Wassers sitzt, spuckt schon seit einem halben Jahrhundert sein Wasser ins Becken.

Einen Brunnen konnte Edeling seit dem Herbst im letzten Jahr nicht in seine Rundfahrten einbeziehen. Der Brunnen auf dem Altstadt-Markt wurde durch einen LKW schwer beschädigt und musste repariert werden. Dort, wo der LKW-Fahrer aneckte, fallen nun helle, neu eingefügte Steinplatten auf. „Am Dienstag wird er erstmals wieder angestellt“, sagt Edeling und schaut auf das reparierte Becken, das direkt vor der Tür des ehemaligen Krankenhauses steht, in dem Fritze Bollmann gestorben ist.

Von Annika Jensen

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