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Mit dem E-Scooter durch die Havelstadt

Barrierefreie Buga Mit dem E-Scooter durch die Havelstadt

Gehbehinderte Menschen haben mit dem elektronischen Gefährt die Möglichkeit, die Buga ganz unkompliziert zu entdecken. Sie fahren und bremsen komplett selbstständig, womit auch ihre Angehörigen entlastet werden. Damit gibt es ihnen ein Stückchen Freiheit und Normalität.

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Die Buga macht mobil: Herbert und Ruth Kersting freuen sich über den E-Scooter.

Quelle: Melanie Höhn

Brandenburg an der Havel. Die Reise nach Brandenburg haben Herbert Kersting und seine Frau nur angetreten, weil es auf der Buga die Möglichkeit gab, einen E-Scooter auszuleihen. „Das ist etwas Besonderes für uns, was wir auf unseren bisherigen Touren durch Deutschland noch nicht erlebt haben“, sagt Ruth Kersting. Schon vor zwei Monaten hatte sie das Gefährt reserviert.

Die Bochumer interessieren sich sehr für Backsteingotik, die beiden reisen dafür regelmäßig durch die Republik. Auch nach Brandenburg wollten sie deshalb kommen und freuten sich, dass hier gerade die Buga stattfindet. „Es gibt nicht mehr viele Städte, wo man gotische Gebäude sehen kann“, weiß die 65-Jährige. Die Atmosphäre und Umgebung hier in der Havelstadt gefallen ihr und ihrem Mann sehr. „Mit der Buga-Fähre hierherzukommen war eine schöne Einstimmung“, erinnern sich die beiden. Insgesamt fünf Tage bleiben die ehemaligen Lehrer in Brandenburg, dann wollen sie weiterfahren in Richtung Norden.

Herbert Kersting hat Freude beim Einparken

Herbert Kersting hat Freude beim Einparken.

Quelle: Melanie Höhn

Im letzten Jahr verbrachte das Ehepaar ein paar Tage auf Rügen, in Greifswald, Wismar, Stralsund und auch in Flensburg, wo ihr Sohn wohnt. Wenn sie die Innenstädte entdecken wollten, wünschten sie sich dabei in vielen Situationen einen E-Scooter zum Ausleihen, erzählt die ehemalige Geografiedidaktikerin. „Manche Dinge können wir einfach nicht machen, weil ich ihn nicht bergauf schieben kann“, ergänzt sie. Froh war sie immer, wenn sie Hilfe bekam, doch auf der Buga war das nicht nötig. Ihr Mann erkundete alles selbstständig, sie konnte sich, genau wie er, auf die Anekdoten und Erläuterungen von Christine Steffen konzentrieren. Die Stadtführerin ging mit den beiden über den Packhof und in die Altstadt und erklärte ihnen zum Beispiel die Geschichte des Rathauses. Steffen führte schon oft Gruppen durch Brandenburg, von denen einige mit einem E-Scooter unterwegs waren: „Das lief alles immer hervorragend“, blickt sie zurück.

Vor zwei Jahren änderte sich das Leben des 75-Jährigen Herbert Kersting schlagartig: Auf einer Reise, er war mit seiner Frau gerade in Tokyo, erlitt er einen Schlaganfall. 14 Tage verbrachte er dort im Krankenhaus. Als er nach Deutschland zurückkam, ging die Reha los. Herbert Kersting wollte trotz Gehbehinderung versuchen, so mobil wie möglich zu bleiben. Froh war er, als sich für ihn dann vor eineinhalb Jahren die Möglichkeit bot, einen E-Scooter zu kaufen. Mit seinem eigenen Gefährt hatte er sich von da an ein Stückchen Selbstständigkeit zurückerobert und fährt damit auf Veranstaltungen und auch ab und zu zum Supermarkt.

Ein Scooter ist sehr schwer

„In Bochum bin ich damit schon über 1000 Kilometer gefahren. Seitdem ich den E-Scooter habe, hat sich meine Lebensqualität enorm verbessert“, erzählt er und seine Frau ergänzt: „Es ist eine große Erleichterung, weil er vieles selbst damit entscheiden kann.“ Der einzige Nachteil: Der Scooter ist sehr schwer, weshalb man ihn nicht einfach im Auto transportieren kann. Für kürzere Ausflüge und Besuche nutzen sie deshalb den klassischen Rollstuhl.

Das Ehepaar mit ihrer Stadtführerin Christine Steffen

Das Ehepaar mit ihrer Stadtführerin Christine Steffen.

Quelle: Melanie Höhn

Auch der Buga-E-Scooter ist schwer, doch er „lenkt sich gut“, findet der Pensionär. Das Gefährt ist auch mit einem Warnblinklicht ausgestattet, damit der Fahrer sicher im Straßenverkehr unterwegs ist. Das Besondere: Man bremst nicht, sondern lässt einfach den Hebel los, den man mit der rechten Hand steuert. Eine Ladung des Elektrofahrzeuges ermöglicht es, etwa 30 Kilometer weit zu fahren, mit einer Höchstgeschwindigkeit von etwa sechs Kilometern pro Stunde. Somit ist auch eine Fahrt auf den Marienberg kein Problem. Für Herbert Kersting ist die Tour unkompliziert, er weiß genau, wann er bremsen muss und parkt ohne Probleme rückwärts zwischen zwei Autos ein, als die Reisegruppe einen Moment verweilen möchte.

Touren dauern bis zu zwei Stunden

„Manchmal leihen sich auch ältere Paare einen Scooter aus, die nicht unbedingt gehbehindert sind, aber für die der Marienberg zu Fuß zu anstrengend ist“, sagt Buga-Mitarbeiter Hans-Joachim Kynast. Es gebe laufend Anmeldungen für die durchschnittlich zweistündigen Touren.

Die Bundesgartenschau-Mitarbeiter nehmen auch oft Besucher am Nikolaiplatz in Empfang, die mit dem Bus anreisen und führen sie zum Packhof-Gelände, von wo aus sie ihre Ausflüge beginnen. Insgesamt hätte sich Kynast mehr E-Scooter gewünscht: „Die Nachfrage war sehr groß“, bilanziert er und fügt hinzu: „Viele Besucher hatten viel Freude daran und nutzten sie ausgiebig.“

Von Melanie Höhn

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