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Brandenburg/Havel Mit frischem Geld auf neuen Wegen
Lokales Brandenburg/Havel Mit frischem Geld auf neuen Wegen
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02:15 24.01.2016
Eine Lösung für die Bavaria-Wohnungen? Dann wäre die Wobra wieder auf dem richtigen Gleis. Quelle: JACQUELINE STEINER
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Brandenburg/H

2016 wird ein Schicksalsjahr für die städtische Wohnungsbaugesellschaft Wobra. Zumindest ein Jahr der großen Umbrüche. Die Neuausrichtung des Unternehmens soll am 26. Januar vom Aufsichtsrat beschlossen werden, dessen Führung an diesem Tag auch Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU) übernehmen wird, nachdem Michael Brandt (CDU) zurückgetreten ist und sein Vize Norbert Langerwisch (SPD) diesen kommissarisch geführt hat.

Im Grundsatz geht es um drei Möglichkeiten, die Wobra für die Zukunft auszurichten:

1.) Reine Bestandsverwaltung und Konsolidierung.

2.) Erweitert um Verwaltung städtischer Immobilien.

3.) Integrierter Immobilienkonzern mit zusätzlichen Entwicklungsaufgaben.

Früher wurde von Szenarien gesprochen, doch gelten die alten Begriffe als „verbrannt“, jetzt wird von Varianten geredet. Nach jetzigem Stand spricht alles für die Variante 3, doch dazu wäre es von Vorteil, wenn die Wobra die Knebelverträge mit der Bavaria Immobilien Beteiligungsgesellschaft mbH & Co. Objekte Brandenburg KG loswürde. Ende 1997 hatte die Stadttochter die Kontrakte zu Erbbaurechten, Generalverwaltung und Mietgarantien unterschrieben, die der Wobra und der Stadt mittlerweile Verluste von rund 21 Millionen Euro eingebracht haben. Doch gelten sie noch bis zum Jahr 2028.

Dem Vernehmen nach gibt es allerdings eine Chance, den Bestand von 1440 Wohnungen zurückzukaufen. Das nötige Geld könnte aus einem fast zinslosen Kredit der Investitionsbank des Landes Brandenburg ILB über 20 Jahre beschafft werden, die Rede ist von mindestens 40 Millionen Euro.

„Wir führen Gespräche mit allen Banken, bei denen die Wobra Verbindlichkeiten hat. Mit der ILB haben wir bereits gute Kooperationsvereinbarungen“, sagt Bürgermeister Steffen Scheller (CDU). Die Wobra gehört zu „seiner“ Beteiligungsverwaltung. Es gebe auch intensive Kontakte zu dem Verwalter des Bavaria-Fonds, die Berlinovo. Vorbereitet würden derzeit Gespräche von Tiemann mit Verwalter und Berliner Senatsverwaltung (Berlinovo gehört dem Land Berlin). „Bislang scheiterten unsere Versuche zweimal, weil die Bavaria immer Verkaufspakete mit mehreren und größeren Beständen verkaufen wollte, doch scheint es ein Umdenken zu geben. Wahrscheinlich sollen dann auch Teilverkäufe möglich sein – auch für die 1440 Wohnungen in Brandenburg an der Havel“, sagt Scheller.

Wirtschaftsplan

Die Wobra hat laut Wirtschaftsplan Ende 2016 noch 3801 eigene Wohnungen in Innenstadt, Ring, Nord, Hohenstücken, Görden und Walzwerksiedlung im Bestand.

Saniert sind 3246 Wohnungen, weitere 114 sind teilsaniert.

Verkäufe und Abrisse von Wohneinheiten sind in diesem Jahr nicht geplant.

Die Umsatzerlöse von etwa 23,5 Millionen sollen aus dem laufenden Geschäft kommen.

Knapp sieben Millionen Euro Barmittel sind im Bestand.

Die Schulden von derzeit genau 1000 Millionen Euro sollen in fünf Jahren auf 80 Millionen reduziert werden.

Die so genannten Bavaria-Bestände umfassen 1440 Wohnungen mit 73.300 Quadratmetern Wohnfläche.

Aus deren Bewirtschaftung entstehen jährliche Verluste von etwa einer bis 1,5 Millionen Euro.

Zudem gebe es einen ganz alten Auftrag der Stadtverordnetenversammlung, dass Verwaltung, Liegenschaftsbetrieb GLM sowie Wobra enger zusammenarbeiten, wenn es um städtischen Grundbesitz geht. „Man kann bestehende Verträge auslaufen lassen und Inhouse-Beauftragungen erteilen.“ Im Klartext: Die Wobra soll alles verwalten, was bislang unter anderem Nickel-Immobilien betreut: stadteigene Immobilien, die nicht von Verwaltung, Schulen und Sporthallen belegt sind – also Wohnungen, Gärten, Garagen, Gewerbeeinheiten.

Nicht zuletzt sei es denkbar in eine zu gründende Wobra-Tochter Grundstücke des Unternehmens und der Stadt einzulegen, die mit Hilfe und Geld Dritter unter Wobra-Regie entwickelt werden könnten – beispielsweise das noch leere Baufeld 3 am Hauptbahnhof. Das Unternehmen würde dann zu einer Stadtentwicklungsgesellschaft.

Ersonnen hat das neue Konzept im Wesentlichen der zum Jahreswechsel ausgeschiedene Geschäftsführer Klaus Deschner. Oberbürgermeisterin Tiemann sagte auf MAZ-Anfrage, dass viele Ideen vom neuen Geschäftsführer Stephan Falk stammen, gemeinsam mit Prokuristin Heidi Bender habe er auch die wesentlichen Verhandlungen geführt.

Im Herbst könnte das dann fertige Unternehmenskonzept den Stadtverordneten vorgelegt werden.

Von André Wirsing

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