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Mittelmärker unterschreiben für Toleranz

Bekenntnis statt Neujahrsempfang Mittelmärker unterschreiben für Toleranz

Die Potsdam-Mittelmärker wiedersetzen sich Fremdenfeinden und Rechtsextremisten. So heißt es in einem Bekenntnis, dass im Bad Belziger Hofgartenkino verabschiedet wurde. An die 100 Persönlichkeiten haben den Aufruf für Weltoffenheit und Toleranz an Ort und Stelle unterschrieben. Im Landkreis leben mittlerweile 4000 Ausländer.

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Potsdam-Mittelmark duldet keine Ausgrenzung: Auch der gebürtige Pakistani Khalil Jibran unterschreibt das Bekenntnis.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Bad Belzig. Khalil Jibran hat es getan. Hinter dem Asylsuchenden aus Pakistan reihte sich Landrat Wolfgang Blasig ein. Beetzsee-Amtsdirektor Guido Müller griff ebenso zum Stift, wie die aus Frankreich stammende Annie Tilmant, VGB-Geschäftsführer Hans-Jürgen Hennig, die Landes-Integrationsbeauftragte Doris Lemmermeier und der Kreistagsabgeordnete Thomas Singer. Sie alle haben wie weitere 100 Persönlichkeiten aus der Politik, der Wirtschaft, dem öffentlichen Leben und der Nachbarschaft unterschrieben.

Logo aus Brück

Bei „Potsdam-Mittelmark wird bunter“ handelt es sich um ein Bündnis aller Bürger, die die religiöse, kulturelle und persönliche Vielfalt der Menschen anerkennen und als Bereicherung empfinden. Die Unterzeichner setzen sich für Begegnungen zwischen den verschiedenen Gruppen ein. Sie bekennen sich zu Weltoffenheit und Toleranz.

Das Logo für das Bündnis wurde nach Ideen aus der Kreisverwaltung vom Brücker Grafikdesigner Ingo Fichtner ausgearbeitet. Das Landratsamt hat für die Öffentlichkeitsarbeit Flyer, Anstecker und Aufkleber mit dem Logo anfertigen lassen. Es zeigt die Silhouetten verschieden farbiger Menschen vor den Umrissen Potsdam-Mittelmarks.

Ihr Name steht für ein Bekenntnis, das von nun an die öffentliche Wahrnehmung des Landkreises als tolerante, gewaltfreie und gastfreundliche Region bestimmen soll. Nämlich unter dem Motto: „Potsdam-Mittelmark wird bunter“. Das am Donnerstag im Bad Belziger Hofgartenkino verlesene Leitbild ist die wohlformulierte Reaktion auf die Tatsache, dass es zwischen Havelland und Fläming mittlerweile 4000 zugewanderte Menschen gibt. Und es werden immer mehr.

Doris Lemmermeier ist die Integrationsbeauftragte des Landes Brandenburg

Doris Lemmermeier ist die Integrationsbeauftragte des Landes Brandenburg.

Quelle: Frank Bürstenbinder

„Es mag pathetisch klingen von einem Bekenntnis zu sprechen. Aber vielleicht ist es ja so“, sagte Landrat Blasig. Nicht ohne feierliche Ergriffenheit appellierte der Verwaltungschef an die Anwesenden: „Unser aller Wohlstand und unsere Lebensqualität hängen davon ab, dass wir diese und weitere Einwanderer für Brandenburg, für Potsdam-Mittelmark gewinnen und ihnen Lebensperspektiven in unserer Region bieten. Sie brauchen uns – und wir brauchen sie!“

Podiumsdiskussion bei der Auftaktveranstaltung „Potsdam-Mittelmark wird bunter“

Podiumsdiskussion bei der Auftaktveranstaltung „Potsdam-Mittelmark wird bunter“.

Quelle: Frank Bürstenbinder

In ihrem Vortrag beleuchtete die Integrationsbeauftragtes des Landes Brandenburg, Doris Lemmermeier, die Zuwanderung in das Land Brandenburg aus historischer Sicht. Die einheimischen Slawen vermischten sich einst mit zugewanderten Deutschen, Landesfürsten holten Flamen und Hugenotten an Havel und Spree. Vertriebene und Heimatlose kamen nach dem Zweiten Weltkrieg in die Region. Millionen Gastarbeiter strömten in den Westen, die DDR holte sich Vertragsarbeiter aus Vietnam, Kuba, Angola und Mosambik ins Land. Politische Flüchtlingen aus Griechenland, Chile und Spanien wurden aufgenommen. Nach der Wende kamen die Spätaussiedler aus Russland. „Angesichts dieser historischen Erfahrungen sollten wir auch die neuen Herausfordrungen mit einer Portion Gelassenheit angehen“, riet die Integrationsbeauftragte in einem Podiumsgespräch.

Logo der in Bad Belzig ausgerufenen kreisweiten Kampagne

Logo der in Bad Belzig ausgerufenen kreisweiten Kampagne.

Quelle: Kreisverwaltung

Khalil Jibran aus Michendorf lebt seit zwei Jahren in Potsdam-Mittelmark. Der Asylantrag des gebürtigen Pakistani ist immer noch nicht beschieden. Inzwischen engagiert sich der studierte Verwaltungswirt als Sprachmittler zwischen Behörden und Ausländern sowie in der Aktion „Jugendliche ohne Grenzen.“Jibran hat seine Erfahrungen mit anderen Zuwanderern gemacht: „Sie brauchen gleich Bildung und müssen gleich in den Arbeitsmarkt integriert werden. Für Landrat Blasig, der in diesem Jahr auf den üblichen Neujahrsempfang verzichtete, eine Aufforderung an die Verwaltung vom derzeitigen Krisenmodus in den Integrationsmodus umzuschalten. Blasig dankte allen Trägern, die sich in den Unterkünften engagieren, sowie Vereinen, Initiativen und Einzelpersonen, die sich auf ehrenamtlicher Basis für Kriegsflüchtlinge und Asylbewerber einbringen.

Von Frank Bürstenbinder

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